Arbeitsfreier Sonntag: Europäische Bischöfe fordern Debatte im europäischen Parlament

„Damit der Sonntag nicht zum Werktag wird!"

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GENF, 7. November 2008 (ZENIT.org).- „Damit der Sonntag nicht zum Werktag wird!" Mit einer Erklärung zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags hat die Kommission der Bischofskonferenzen der EU (COMECE) in einer gestern veröffentlichten Erklärung auf die Ablehnung einer geforderten Debatte im Europäischen Parlament reagiert.

Der Generalsekretär der COMECE, Piotr Mazurkiewicz, zeigte sich enttäuscht, dass eine Debatte über den arbeitsfreien Sonntag unter Verweis auf formelle Gründe nicht stattgefunden hatte.

Die COMECE ermutigte deshalb die Abgeordneten des EU-Parlamentes, von den bestehenden Möglichkeiten der Geschäftsordnung vollen Gebrauch zu machen, damit es am 16. Dezember 2008 im Plenum zu einer Debatte und auch zu einer Abstimmung zur Frage des arbeitsfreien Sonntags kommen könne.

Der arbeitsfreie Sonntag, so wird bekräftigt, ist ein Eckpfeiler des europäischen Sozialmodells und für viele europäische Arbeitnehmer und deren Familien ein Thema von zentraler Bedeutung.

Mitte des vergangenen Monats starteten christliche Arbeitnehmerbewegungen in den EU-Staaten gemeinsam mit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) eine Kampagne, um den arbeitsfreien Sonntag in der Richtlinie 2003/88/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung zu verankern.

Mit einer länderübergreifenden Briefaktion an die Abgeordneten des Europaparlaments wollen Arbeitnehmerorganisationen aus ganz Europa den Sonntagsschutz stärken. „Der arbeitsfreie Sonntag muss europäisches Sozial- und Kulturgut bleiben", betonte der Vorsitzende der Europäischen Bewegung Christlicher Arbeitnehmer (EBCA), Ward Ceyssens, bei einer Tagung in Köln. Die christlichen Arbeitnehmer-Organisationen fordern daher, den Zusatz „Die Mindestruhezeit gemäß Artikel 1 schließt grundsätzlich den Sonntag ein" in Artikel 5 der Richtlinie einzufügen. „Der freie Sonntag ist Jahrtausende altes kulturelles Erbe", sagte Ceyssens.

Die Vereinigung der spanischen Christlichen Arbeitnehmer (EBCA) hat sich auf ihrem jüngsten Koordinations-Treffen in Barcelona ebenfalls dem internationalen Bündnis „Allianz für den freien Sonntag" angeschlossen

Derzeit wird im Europäischen Parlament in zweiter Lesung über die Neufassung der Arbeitszeitrichtlinie aus dem Jahre 2003 beraten. Am 22. Oktober 2008 hatten sieben Abgeordnete aus den Reihen der Europäischen Volkspartei (EVP), der Partei europäischer Sozialisten (PSE) und der liberaldemokratischen Partei (ALDE) Änderungsanträge zum Entwurf des Berichterstatters Alejandro Cercas (PES) eingebracht, denen zufolge der arbeitsfreie Sonntag in der Richtlinie verankert werden soll. Der bisherige Artikel 5 der Richtlinie sollte durch einen zweiten Absatz ergänzt werden, demzufolge die wöchentliche Mindestruhezeit „grundsätzlich den Sonntag einschließt".

Der arbeitsfreie Sonntag habe auch für den Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmer sehr große Bedeutung, erklärten sie. In ihrer Begründung wiesen die Abgeordneten darauf hin, dass „Abwesenheit und Krankheit in Unternehmen, die sonntags arbeiten, bedeutend ansteigen".

Wenn das Parlament mit dem in der Richtlinie explizit ausgesprochenen Ziel der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ernst machen wolle, werde es, so die COMECE, nicht umhin kommen, den Entwurf um eine Vorschrift zum Sonntag als regelmäßigen wöchentlichen Ruhetag zu ergänzen.