Archive zum Zweiten Vatikanum zwecks Forschung zugänglich: Bruch oder Hermeneutik der Kontinuität?

Pressekonferenz zur Eröffnung des Kongresses anlässlich des Jubiläums der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils

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Von Jan Bentz

ROM, 2. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Heute fand anlässlich des internationalen Kongresses der Studien „Das Ökumenische Zweite Vatikanische Konzil im Licht der Archive der Konzilsväter“ eine Pressekonferenz im Pressesaal des Heiligen Stuhls statt. Der Kongress erinnert an das 50. Jubiläum der Eröffnung des Konzils.

Organisiert wird der Kongress vom Päpstlichen Rat der Geschichtswissenschaften und dem Studien- und Forschungszentrum „Zweites Vatikanisches Konzil“ der Lateranuniversität. Er findet vom 3. bis 5. Oktober in Rom statt.

Bei der Pressekonferenz sprachen P. Bernard Ardura OPraem, Präsident des Päpstlichen Rates für Geschichtswissenschaften, und Prof. Philippe Chenaux, Direktor des Studien- und Forschungszentrums „Zweites Vatikanisches Konzil“.

In seiner Ansprache hob P. Bernard Ardura hervor, das Konzil sei noch heute von Bedeutung für die ganze Welt, und daher müsse eine innovative und wissenschaftlich fundierte Forschung darüber weitergehen. Es sei noch viel Forschungsmaterial unbeachtet geblieben. Ganz allgemein ermögliche das Studium der Geschichte und insbesondere dieses Konzils es dem Menschen, „nicht so zu leben, als ob es nichts von der Geschichte zu lernen gäbe“, zitierte Ardura die Worte Papst Johannes XXIII. bei der Konzilseröffnung. Die Forschung müsse unter dem Gesichtspunkt der „Hermeneutik der Kontinuität“ erfolgen, die Benedikt XVI. hervorhebe.

Der erste Teil des Kongresses findet in diesem Jahr statt (des Jubiläumsjahres der Eröffnung), ein zweiter Kongress wird im Jahr 2015 folgen, dem 50-jährigen Jubiläum des Konzilsendes .

Dieser erste Kongress möchte einen aktuellen Stand der Forschungen präsentieren und die Fragen angehen, die sich nach dem Konzil noch präzisiert haben.

Der Päpstliche Rat hat Interesse daran, im Licht des Lehramtes des derzeitigen Papstes und mit einer historisch-kritischen Methode, die frei von allen Ideologien ist, eine wissenschaftlich-historiographische Untersuchung des „großen Ereignisses Konzil" anzustoßen.

Um den Beginn der Forschungen zu ermöglichen, werden in den nächsten Wochen die „Quellen des Archivs“ zugänglich gemacht werden, die zur Forschung dienlich sind. Eines der Produkte dieses Kongresses wird eine „online Database“ sein, deren Nutzen kostenlos angeboten wird.

Prof. Philippe Chenaux sprach auch über den Begriff der „Historisierung“ des Konzils, zu dem auch eine Forschergruppe in den 80er Jahren beigetragen hat, die fünf große Bände der Konzilsgeschichte veröffentlichten (in sechs Sprachen, darunter auch Deutsch, Veröffentlichungsjahre: 1995-2001). Das Ganze stand unter Leitung von Giuseppe Alberigo.

Diese Initiative wurde ins Leben gerufen, weil es unmöglich schien, eine Geschichte „nur“ mit den vorliegenden Dokumenten zu schreiben. Auch die Beiträge der Theologen und der Priester sollten miteinbezogen werden. Beispielsweise wurden viele der großen Theologen, deren Lehren einige Jahre zuvor noch in Gefahr standen, verurteilt zu werden, zu „Konzilsvätern“, darunter Congar, de Lubac, Daniélou und Chenu. Weitere Forschungen sollen Aufschluss über theologische Entwicklungen während des Konzils geben.

Diese Tatsachen dürften aber keinen Anlass sein, das Konzil als „Bruch“ zu verurteilen; vielmehr sollte man sich bei einer Interpretation auf eine Hermeneutik der Kontinuität im Sinne Benedikts XVI. stützen.

Die zentralste Frage der Historiker bezüglich des Konzils sei: „Wie kann man eine Hermeneutik des Bruchs mit einer Hermeneutik der Kontinuität versöhnen?“ Hier solle man keine „Gegengeschichte“ schreiben, sondern vielmehr auf so viele Dokumente wie möglich zurückgreifen, um nach einer ausgewogenen Antwort zu ringen. Das sei auch das Motto des Kongresses: „Von den Archiven an neu beginnen“.