Armut an den Hochschulen - ein Tabuthema muss aufgegriffen werden

Bundesweite Tagung der Hochschulseelsorger in Deutschland sieht in Armut unter Studierenden Herausforderung für Hochschulen und Kirche

| 776 klicks

BAD HONNEF, 18. September 2012 (ZENIT.org/KHP). - Auch wenn Hochschulabsolventen im Blick auf ihre Chancen am Arbeitsmarkt und auf ihre Beteiligung am Gesellschaftsleben zu den Privilegierten gehören, darf nicht übersehen werden, dass an unseren Hochschulen ein Teil der Studierenden in relativer Armut lebt. Auf diese sozial- und bildungspolitische Problematik hat die Konferenz für Katholische Hochschulpastoral (KHP)* auf ihrer diesjährigen bundesweiten Herbsttagung vom 11. bis 13. September in Bad Honnef hingewiesen. Sie fordert Hochschulen und Politik auf, die Problematik prekärer Studienfinanzierungen offensiv anzugehen und mehr für soziale Gerechtigkeit im Bildungsbereich zu tun. Der Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Joachim Metzner, hat die Hochschulseelsorger ermutigt, ihre anwaltschaftliche Stimme an den Hochschulen zu erheben, um das Tabuthema Armut unter Studierenden in die Diskussion zu bringen. In der konkreten materiellen Hilfe in Notsituationen, in der Beratung und Begleitung von Erstakademikern, in Aktionen zur Vermittlung günstigen Wohnraumes und in einer sozialen Staffelung der Mietpreise in den kirchlichen Studentenwohnheimen sieht die KHP Optionen kirchlichen Handelns im Einsatz für soziale Gerechtigkeit auf dem Campus.

Über 80 Hochschulseelsorgerinnen und Hochschulseelsorger sowie Verantwortliche aus den Bistumsleitungen haben sich bei der bundesweiten Jahrestagung der Konferenz für Katholische Hochschulpastoral (KHP) vom 10. bis 13. September in Bad Honnef intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie an den Hochschulen das Bewusstsein für die Problematik von Studierenden geweckt werden kann, die in relativer Armut leben. Bis zu 15 Prozent der Studierenden können ihren Lebensunterhalt nur sehr prekär finanzieren. Auch die materielle Situation von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist oftmals problematisch. Kinder aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten ergreifen in sehr viel geringerem Maß als Akademikerkinder ein Studium, und sie werden mit ihren spezifischen Problemen an den Hochschulen kaum wahrgenommen.

Die Konferenz für Katholische Hochschulpastoral (KHP) sieht im anwaltschaftlichen Handeln für diese Gruppe von Studierenden und Hochschulmitarbeitern und in konkreten Unterstützungsangeboten eine Aufgabe der Kirche an den Hochschulen, der sich aus ihrer grundsätzlichen Option für die Armen ergibt. Gemeinsam mit anderen Akteuren an den Hochschulen wie den Studentenwerken, den Studierendenausschüssen oder neuen Initiativen wie Arbeiterkind.de wollen sich die Katholischen Hochschul- und Studierendengemeinden vor Ort für eine stärkere soziale Sensibilität von Hochschulen einsetzen. Als konkrete Handlungsfelder wurden die Entwicklung spezifischer Beratungs- und Begleitungsangebote für Erstakademiker, Aktionen zur Vermittlung günstigen Wohnraumes und auch der Aufbau von lokalen Fonds zur materiellen Hilfe in Notsituationen in den Blick genommen. Auch ein Überdenken der Vergabepraxis von Zimmern in den eigenen kirchlichen Wohnheimen und eine stärkere soziale Staffelung der Mietpreise hält die Konferenz für erforderlich.

In der Mitgliederversammlung der KHP, die im Anschluss an die Herbsttagung am 13. September stattfand, wurden vier neue Mitglieder in den Geschäftsführenden Ausschuss der KHP gewählt: Alexander Flierl (Hochschulseelsorger in der KHG Regensburg), Jürgen Hünten (Hochschulpfarrer in der KHG Düsseldorf), Clemens Kilian (Hochschulseelsorger in der KHG Hildesheim) und Daniela Ramb (Hochschulseelsorgerin in der KHG Göttingen). Die Mitgliederversammlung hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die im Austausch mit den Hochschulen und den Akteuren in deren Umfeld Kriterien und Standards für eine sozial sensible Hochschule entwickeln soll.

* Die KHP ist die Vertretung aller hauptamtlich tätigen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den rund 125 katholischen Hochschulgemeinden in Deutschland. Sie organisiert Einführungs- und Fortbildungsveranstaltungen für Hochschulseelsorger und Hochschulseelsorgerinnen und trägt im Rahmen des Forum Hochschule und Kirche e.V. Mitverantwortung für die Gestaltung der Hochschulpastoral in Deutschland. Die Herbsttagung ist das wichtigste Treffen der KHP.