Armutsbekämpfung: Kardinal Renato Martino kritisiert Wortbruch der internationalen Staatengemeinschaft

Die Industrienationen haben eine "schwere moralische Verpflichtung" gegenüber den Entwicklungsländern

| 707 klicks

BARCELONA, 16. Mai 2006 (ZENIT.org).- Lediglich fünf europäische Länder erfüllten das Versprechen, 0,7 Prozent ihres Bruttonationalprodukts für die Entwicklungshilfe auszugeben, kritisierte Kardinal Renato Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, vor wenigen Tagen in der spanischen Metropole Barcelona.



Anlässlich der Eröffnung des 22. Weltkongresses der Internationalen Föderation der katholischen Ärzteverbände ("Federación Internacional de Asociaciones Médicas Católicas", FIAMC) wies der Kurienkardinal darauf hin, dass die meisten europäischen Länder es bislang verabsäumt hätten, ihren Zusagen an die armen Länder Taten folgen zu lassen.

Zum ersten Mal in einer Resolution der UNO Generalversammlung von 1970 zugesichert, ist das Ziel der Entwicklungshilfe im Ausmaß von 0,7 Prozent des Bruttonationalprodukts über die Jahre hinweg in verschiedenen internationalen Verträgen immer wieder neu bestätigt worden. Das geschah auch im März 2002 während der Internationalen Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung sowie auf dem im gleichen Jahr abgehaltenen Weltgipfel zu nachhaltiger Entwicklung in Südafrika.

"Wenn den Armen gegenüber Verpflichtungen eingegangen werden, dann haben wir es mit einer schweren moralischen Pflicht zu tun", betonte Kardinal Martino. Wenn diese Versprechen nicht erfüllt würden, dann geselle sich zur natürlichen Frustration aus fehlgeschlagenen Hoffnungen noch ein Mangel an Zuversicht hinzu, was leicht in Verzweiflung umschlagen könne.

Jene fünf europäischen Länder, die ihre Versprechen eingehalten haben, sind die Niederlande, Dänemark, Schweden, Luxemburg und Norwegen.

Kardinal Martino erwähnte das selbst auferlegte Ziel der internationalen Staatengemeinschaft, die Armut in der Welt bis 2015 zu halbieren, und stellte diesbezüglich fest, dass dieses Zieles – falls keine Änderungen eintreten sollten – frühestens wohl erst im Jahr 2150 zu erreichen sei.

Eine wahrhaftige Entwicklung müsse stets auf den Menschen ausgerichtet sein, fuhr der Kardinal fort. Als Beispiel dafür zitierte er die Rio-Erklärung von 1991, die den Vorrang der menschlichen Person anerkennt.

Der Weltkongress der Internationalen Föderation der katholischen Ärzteverbände ging am Sonntag zu Ende. Mehr als 1000 Experten aus 78 Ländern hatten an den Beratungen zum Thema "Die Gesundheit vor der Herausforderung der Armut und der Globalisierung" teilgenommen und eine gemeinsame ökumenische Erklärung zum Schutz der Würde des Menschen unterschrieben (vgl. ZENIT vom 15. Mai).