Asien: Ein der Blasphemie angeklagter Muslim wird bei lebendigem Leib verbrannt

Bischöfe fordern Eingreifen der Institutionen

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ROM, 6. Juli 2012 (ZENIT.org). - Der aufgrund einer Anklage wegen „Blasphenie“ inhaftierte Ghulam Abbas wurde Opfer der Tat einer Gruppe radikalislamischer Extremisten, die ihn vor der Polizeistation in Chani Ghoth in der Stadt Bahawalpur (Provinz Punjab) bei lebendigem Leib verbrannten.

Wie Beobachter im Gespräch mit dem Fidesdienst berichteten, soll es sich bei dem Ermordeten um einen geistig behinderten Muslim handeln, der vor einigen Tagen aufgrund einer Anzeige wegen Blasphemie festgenommen worden war, da er ein Exemplar des Koran verbrannt haben soll. Am 4. Juli sollen mehrere Männer zunächst in die Polizeistation eingedrungen sein, wo 15 Polizeibeamte verletzt worden sein sollen. Die aufgebrachten radikalislamischen Extremisten brachen dort auch die Tür der Haftzelle auf, in der sich Abbas befand, und zerrten den Angeklagten auf die Straße, wo sie ihn mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannten. Auch einige Polizeifahrzeuge sollen dabei in Brand gesteckt worden sein.

Die Episode, die die pakistanische Gesellschaft erschüttert, erinnert erneut an das langjährige Problem des Missbrauchs des so genannten Blasphemie-Paragraphen. Der Sekretär der bischöflichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Peter Jacob, betonte im Gespräch mit dem Fidesdienst: „Wir versuchen, die Fakten und Umstände dieses unerhörten Vorfalls zu prüfen. Es handelt sich um eine wirklich abscheuliche Tat. Die Gewaltbereitschaft nimmt zu und oft kommt es zu gewaltsamen Handlungen unter dem Vorwand der Religion.

Wenn ein Menschenleben willkürlich ausgelöscht wird, dann ist das stets inakzeptabel. Besonders besorgniserregend sind Straffreiheit, Illegalität und die Freiheit derjenigen, die Selbstjustiz verüben und andere Menschen töten, ohne dass sie dafür bestraft werden. Wir fordern deshalb vom neuen Premierminister ein besonderes Augenmerk darauf; die Wachsamkeit im Hinblick auf die Achtung der Menschenrechte darf nicht schwinden“. Wie die Kommission dem Fidesdienst mitteilte, wurden im Jahr 2012 bereits zwei Muslime und ein Christ Opfer außergerichtlicher Morde wegen des Verdachts der Blasphemie.

Auch die „Masihi Foundation“ und das Hilfswerk „Life for All“, verurteilten den Vorfall, den sie als „barbarisch und unmenschlich“ bezeichneten.

In einer Verlautbarung erinnern auch die beiden Nichtregierungsorganisationen an den „Missbrauch des Blasphemie-Paragraphen“ und fordern die Autoritäten des Landes auf, Maßnahmen „gegen Illegalität und Brutalität“ zu ergreifen. In diesem Zusammenhang fordern sie ein Eingreifen des Vorsitzenden des Obersten Gerichts, „damit die Rechtsstaatlichkeit im Land garantiert wird“.