Assisi: Willkommensbrief an den Heiligen Vater

Brief des Generalministers des Franziskanerordens, José Rodriguez Carballo, OFM

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ROM, 28. Oktober 2011 (ZENIT.org). – Im Folgenden veröffentlichen wir den Willkommensbrief des Generalministers des Franziskanerordens, Br. José Rodriguez Carballo, OFM, an Papst Benedikt XVI. anlässlich des in Assisi stattgefundenen Tages der Besinnung, des Dialogs und des Gebetes für Frieden und Gerechtigkeit auf der Welt „Pilger der Wahrheit, Pilger des Friedens“.

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Heiliger Vater!

Mit einigen wenigen und einfachen Worten, so wie es uns der Poverello lehrt, möchte ich im Namen aller Minderbrüder auf der ganzen Welt zwei Worte, die aus meinem tiefsten Herzen erwachsen, an Euch richten: Willkommen und Danke.

Heiliger Vater: Willkommen in Assisi, Altar des Gedenkens an all jene, die wie wir der Lebensform des hl. Franziskus folgen, so wie er sie gelebt, niedergeschrieben und dem Papst zur  Zustimmung (vgl. Test 14 ff.) vorgelegt hat. Willkommen in Assisi, Friedensstadt und spirituelle Arche, wo die ganze Menschheit Zuflucht findet. Willkommen besonders in der Portiuncula, Wiege des Ordens der Minderbüder und der Armen Schwestern. Willkommen in unserem Zuhause, in Eurem Zuhause, Eure Heiligkeit!

Eure Heiligkeit: Danke. Danke dafür, dass Ihr das Zeugnis, das Euer Verehrter Vorgänger, der selige Johannes Paul II. vor 25 Jahren hinterlassen hat, fortführt. Danke, weil Ihr uns mit diesem Tag des Gebetes für Frieden daran erinnert, dass Friede ein Geschenk Gottes ist und dass wir diesen genau aus diesem Grund erbitten müssen. Danke, dass Ihr Assisi für diesen erneuten Tag des Gebetes für Frieden gewählt habt, die Stadt des Franziskus, Herold des Friedens und der Versöhnung, eines Menschen, der , wie Eure Heiligkeit geschrieben hat, „in vorbildlicher Weise die Seligkeit verkörperte, die von Jesus im Evangelium angekündigt wurde: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Mt 4,9)“. Der Mensch, der für “das Zeugnis, das er in seiner Zeit ablegte, zu einem natürlichen Bezugspunkt für jene, die auch heute noch das Ideal des Friedens, der Achtung der Natur und des Dialogs zwischen den Menschen, Religionen und Kulturen pflegen“, geworden ist.  Danke, Heiliger Vater, weil Ihr uns daran erinnert, dass Frieden und Wahrheit untrennbar zusammengehören und dass wir uns, zumal wir den Frieden noch nicht erreicht haben, als Wanderer, als Pilger, ansehen müssen. Danke, weil Ihr uns daran erinnert, dass Frieden eine Verpflichtung ist, die wir alle gemeinsam eingehen müssen, und dass Gewalt im Namen Gottes oder der Religion niemals gerechtfertigt werden kann.

Heiliger Vater: Wir Minderbrüder beten für Euer Bestreben und insbesondere für diesen Tag, den wir morgen in Assisi in der Kommunion mit Petrus leben werden, auf dass er auf dem Weg zum Frieden reiche Früchte tragen möge. Zugleich werden wir Minderbrüder uns bemühen, es dem hl. Franziskus gleich zu tun und ebenfalls Werkzeuge des Friedens und der Versöhnung zu sein, indem wir Liebe bringen, wo Hass ist, Frieden wo Gewalt herrscht, Glauben wo Zweifel ist, Wahrheit wo Irrtum herrscht, Vergebung wo Kränkung ist.

Schenkt uns Euren Segen, Heiliger Vater, auf dass wir diesem Erbe gerecht werden mögen. 

Mit der Verehrung eines Sohnes und im Namen aller Minderbrüder

Br. José Rodríguez Carballo, ofm
Generalminister des Franziskanerordens
Assisi, den 26. Oktober 2011

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]