Attentat in der Türkei: Apostolischer Vikar von Anatolien schlägt gemeinsames Auftreten der Religionen vor

Deutsches Episkopat fordert Garantien für Religionsfreiheit der Christen

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ANKARA/BAMBERG/MAINZ, 20. April 2007 (ZENIT.org).- Der Apostolische Vikar von Anatolien, Bischof Luigi Padovese, hat im Zuge der Ermordung von drei Christen in der türkischen Stadt Malatya am 18. April 2007 – unter ihnen befand sich auch ein Deutscher – den religiösen Obrigkeiten vorgeschlagen, gemeinsam aufzutreten, um jegliche Gewalt zu überwinden.



„Diese neue Episode hat uns zutiefst betroffen gemacht“, bekundete der Apostolische Vikar gegenüber ZENIT. „Wir kennen den Hintergrund dieser grausamen Tat noch nicht. Die Art und Weise, mit der diese drei protestantischen Brüder ermordet wurden, lässt eher an die Hisbollah denken als an Gruppen fanatischer Nationalisten.“

Nach Bischof Padovese ist es nicht auszuschließen, „dass auch die Beharrlichkeit, mit der in den vergangenen Monaten von den christlichen Missionaren als einer Gefahr für die nationale und religiöse Identität der Türkei gesprochen wurde, zu dieser Episode beigetragen hat. Doch wie viele Missionare, die als ein destabilisierendes Phänomen angesehen werden, gibt es denn tatsächlich? Vielleicht ein paar hundert. Was aber machen diese bei einer Bevölkerung von über 70 Millionen Einwohnern aus? Ich glaube also, dass mit diesen Gesten ein Symbol angegriffen werden soll.“

Der Apostolische Vikar berichtete, dass er am 18. April mit den religiösen und zivilen Autoritäten von Iskenderun an der Feier der Geburt Mohammeds teilgenommen habe.

„Ich habe ihr Bedauern und ihre Trauer angesichts dieser grausamen Gewalttat wahrgenommen“, so Bischof Padovese. „Mich hat das Zeugnis des Muftis von Antiochien vor den Menschen beeindruckt, die zahlreich an der Feier teilnahmen. ‚Wenn wir vor denen Angst haben, die das Evangelium verbreiten‘, so sagte er, ‚dann bedeutet das, dass wir wirklich wenig Glauben haben‘.

Angesichts dieser Episoden halte ich es für gut, zusammen mit den türkischen religiösen Obrigkeiten gemeinsame ‚symbolische‘ Handlungen zu unternehmen, in denen wir vereint auftreten, um zu zeigen, dass wir alle, Christen und Muslime, die Gewalt im Namen Gottes als einen Fluch gegen Gott betrachten.“

Im Rahmen dieser gemeinsamen Handlungen wird, wie des Apostolischen Vikar imGespräch mit ZENIT ankündigte, „am 12. und 13. Mai hier in Iskenderun im Haus, das wir Don Andrea Santoro geweiht haben, ein christlich-islamisches Symposion über das Wort Gottes im Christentum und im Islam stattfinden. Ich glaube, dass eine derartige Begegnung dazu dienen muss, die Gewaltakte einiger Unverantwortlicher zu isolieren und so zu zeigen, dass in der Türkei der Wille zum Dialog größer ist als der Wille zur Gewalt.“

Erzbischof Schick und Kardinal Lehmann fordern Garantie für Religionsfreiheit

Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg, Vorsitzende der Kommission „Weltkirche“ der Deutschen Bischofskonferenz, hatte zum Verbrechen sein Entsetzen und tiefstes Bedauern geäußert. Die Religionsfreiheit der Christen in der Türkei sei voll zu garantieren und zu schützen.

„Der türkische Staat ist aufgerufen, das Verbrechen so schnell wie möglich und lückenlos aufzuklären und die Täter zu bestrafen. Den Opfern und ihren Angehörigen gilt unser Gebet und unser ganzes Mitgefühl“, betonte der Erzbischof.

Die Religionsfreiheit ist für Erzbischof Schick eine Grundvoraussetzung für einen modernen Rechtsstaat und gleichzeitig eine wesentliche Voraussetzung für die Türkei mit ihrem Anspruch, Mitglied der Europäischen Union zu werden.

„Die Gleichheit aller Bürger, unabhängig von ihrer Rasse und Religion, und die Gleichberechtigung aller Religionsgemeinschaften in einem Staat ist eine Quelle des Friedens und ein wirksamer Schutz vor Ausschreitung gegen Minderheiten, wie es die Christen in der Türkei sind. Die Christen dürfen nicht länger Bürger zweiter oder dritter Klasse sein.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, unterstrich ebenfalls diesen Punkt. „Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit umfasst auch das Recht, mit friedlichen Mitteln aktiv für die Verbreitung des eigenen Glaubens einzutreten“, betonte er. „Die türkische Regierung ist gefordert, dieses Recht wirksam zu gewährleisten und auch die Angehörigen religiöser Minderheiten, die es in Anspruch nehmen, wirksam zu schützen.“