Auch die Beichte ist ein Kampf gegen das Schlechte

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 528 klicks

Man müsse vor dem Beichtvater den Mut haben, die Sünden beim Namen zu nennen, ohne sie zu verstecken. Die heutige Predigt von Papst Franziskus war dem Sakrament der Versöhnung gewidmet. Zu Beichten bedeute, der Liebe Jesu mit Aufrichtigkeit und der Transparenz von Kindern entgegenzugehen. Dabei müsse man die „Gnade der Scham“ entgegennehmen, die die Vergebung Gottes fühlen lasse.

Für viele gläubige Erwachsene sei die Beichte vor dem Priester ein untragbarer Kraftaufwand oder eine Mühe, die sich in diesem Moment der Wahrheit in eine Vortäuschung verwandle. Der heilige Paulus mache in seinem Brief an die Römer das genaue Gegenteil, da er vor der Gemeinde öffentlich bekenne, dass er sündig sei. Er gebe zu, ein Sklave zu sein, der nicht das Gute tue, was er wolle, sondern er begehe Schlechtes, ohne es zu wollen. Papst Franziskus sagte, dies gehöre zum Glauben dazu, wenn man etwas Gutes tun wolle, stehe das Schlechte daneben.

„Und das ist der Kampf der Christen. Das ist unser täglicher Kampf. Und wir haben nicht immer den Mut, so über diesen Kampf zu sprechen, wie Paulus das tut. Wir suchen immer einen Ausweg: Ach komm, wir sind alle Sünder. So sagen wir es, nicht wahr? Dies zeigt dramatisch: Das ist unser Kampf. Und wenn wir das nicht erkennen, können wir nicht die Vergebung Gottes bekommen. Denn wenn Sünder sein eine Redensart ist, brauchen wir die Vergebung Gottes nicht. Aber wenn es eine Realität ist, die uns zu Sklaven werden lässt, brauchen wir diese innere Befreiung des Herrn, diese Kraft. Jedoch ist es hier wichtig, um den Ausweg zu finden, bekennt Paulus der Gemeinde seine Sünde, seine Tendenz zur Sünde. Er versteckt sie nicht.“

Die Kirche fordere von uns allen die demütige Beichte, erinnerte Papst Franziskus im Folgenden. Dabei ginge es nicht darum zu beichten, um Werbung zu machen, sondern um Gott zu preisen und anzuerkennen, dass er einen retten könne. Aus diesem Grund gehe man zu einem Priester.

„Einige sagen: ‚Ich beichte vor Gott‘. Aber das ist einfach, das ist wie via Email, nicht wahr? Gott ist weit weg, ich sage die Dinge und es gibt kein von Angesicht zu Angesicht, kein unter vier Augen. Paulus beichtet seine Schwäche vor dem Bruder von Angesicht zu Angesicht. Einige sagen: ‚Nein, ich gehe beichten‘ aber sie beichten in der Luft, sie sind nicht konkret. Und das ist so, als täte man es nicht. Unsere Sünden zu beichten hat nichts mit einer Sitzung beim Psychologen zu tun, ebenso wenig damit, in einen Folterkeller zu gehen: es geht darum, dem Herrn zu sagen: ‚Herr, ich bin ein Sünder‘, aber mit Hilfe des Bruders, damit es konkret wird.“

Konkret, aufrichtig und ehrlich seien die entscheidenden Merkmale der Beichte. Sonst könne man in seinem Herzen nicht die Vergebung und die Liebe Gottes spüren. Der Papst forderte auf, die Kinder nachzuahmen.

„Die Kleinen haben diese Weisheit: Wenn ein Kind zur Beichte geht, sagt es nie etwas Allgemeines. ‚Pater, ich habe dies getan und das meiner Tante angetan, dem anderen habe ich das Wort gesagt‘, und sie wiederholen es. Aber sie sind konkret. Sie haben die Einfachheit der Wahrheit. Und wir haben immer die Neigung, unser Elend zu verstecken. Aber es gibt etwas Schönes: Wenn wir unsere Sünden so vor Gott beichten, wie sie sind, spüren wir die Gnade der Scham. Sich vor Gott zu schämen ist eine Gnade. Es ist eine Gnade: ‚Ich schäme mich‘.“