Auch die Vereinigung Evangelischer Freikirchen gegen Kriminalisierung der religiösen Beschneidung von Jungen

Offener Brief an Bundeskanzlerin Merkel

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ROM, 6. Juli 2012 (ZENIT.org). - In einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) ihre Besorgnis über ein Urteil des Landgerichts Köln geäußert, wie die Agentur APD berichtet.

Das Gericht hatte die Beschneidung eines vierjährigen Jungen durch einen Arzt auf Veranlassung seiner muslimischen Eltern als rechtwidrige Körperverletzung gewertet [ZENIT berichtete].

Grundsätzlich sei die angestoßene Debatte über das Kindeswohl zu begrüßen, da der Schutz von Kindern obere Priorität habe. Die Entscheidung jedoch, eine Beschneidung von Jungen als Gefährdung des Kindeswohls, also als eine erhebliche seelische oder körperliche Verletzung, aufzufassen, sei auch aus medizinischer Sicht nicht vertretbar.

Durch das Verbot seien der jüdische und muslimische Glaube substanziell betroffen, Judentum und der Islam würden diskreditiert und Menschen, die dem Beschneidungsritus in Deutschland folgten, diskriminiert, was zur Ausgrenzung von Menschen besonderer Religionszugehörigkeit führe. Die VEF appellierte daran, für Rechtsklarheit zu sorgen und die Menschen in unserem Land zu schützen, die eine Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen in ihrer elterlichen Sorge als eine dem Wohl des Kindes zuträgliche Entscheidung verantworteten.

Zur 1926 gegründeten Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) gehören zehn Kirchen und Gemeindebünde als Mitglieder und vier als Gastmitglieder an. Sie vertritt etwa 260.000 evangelische Christen in Deutschland. [jb]