Auch geistig Behinderte haben ein Recht, zu lieben, fordert Johannes Paul II.

Papst spricht über Sexualität und zwischenmenschliche Beziehungen geistig Behinderter

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VATIKAN, 9. Januar 2004 (ZENIT.org).- Johannes Paul II. hat festgestellt, dass geistig behinderte Menschen dasselbe Bedürfnis nach Liebe haben, wie jeder andere Mensch und hat eine „kontinuierliche und diskrete Unterstützung in deren Erziehung“ gefordert.



Johannes Paul II. sprach das Thema von sexuellen und emotionalen zwischenmenschlichen Beziehungen geistig Behinderter anlässlich eines Schreibens an die Teilnehmer des Symposiums über die Würde geistig behinderter Menschen an.

Das am Freitag geendete Symposium ist eine Initiative der Kongregation für die Glaubenslehre und ist der Abschluss des europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung.

„Besondere Aufmerksamkeit muss auf die emotionale und sexuelle Dimension geistig Behinderter Menschen gerichtet werden“, wie der Papst in dem ausführlichen Schreiben fordert. „Dieser Aspekt wird oft verdrängt oder nur oberflächlich oder sogar ideologisch behandelt.“

„Die Sexualität ist jedoch eine der grundlegendsten Dimensionen des Menschen - als Abbild der Liebe Gottes -, die wesenhaft ihren Ausdruck in der Begegnung und in der Gemeinschaft findet.“

„Die Grundlage zu einer emotional-sexuellen Erziehung von Behinderten liegt in der Überzeugung, dass diese dasselbe Bedürfnis nach Zuwendung haben, wie jeder andere Mensch. Ein geistig Behinderter hat genauso ein Bedürfnis danach, Liebe zu empfangen und zu geben, nach Zärtlichkeit, Nähe und Intimität, wie jeder andere Mensch“ schreibt der Heilige Vater.

„Die Realität ist leider anders: geistig Behinderte können ihre natürlichen und ihnen zustehenden Bedürfnisse nur mit Schwierigkeiten leben, besonders ab dem Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter.“

„Geistig Behinderte suchen trotz ihrer geistigen und sozialen Beeinträchtigungen nach aufrichtigen Beziehungen, in denen sie als Person anerkannt und respektiert werden“, meinte der Papst.

„Erfahrungen von einigen christlichen Gemeinschaften zeigen, dass ein intensives und stimulierendes Gemeinschaftsleben, eine kontinuierliche und diskrete Lernunterstützung, die Förderung von Freundschaftsbeziehungen mit speziell dafür ausgebildeten Bezugspersonen, die Übung, Impulse zu steuern und ein gesunder Umgang mit der eigenen Intimität, es oftmals ermöglichen, Personen mit geistiger Behinderung emotional auszugleichen und sie zu einem Erfahren von fruchtbringenden und befriedigenden zwischenmenschlichen Beziehungen zu führen,“ führt die Botschaft weiter aus.

„Wenn wir geistig behinderten Menschen zeigen, dass wir sie lieben, heißt das, ihnen zu zeigen, dass wir sie wertschätzen,“ setzt der Heilige Vater fort.

„Aufmerksames Zuhören, Verständnis für ihre Bedürfnisse, die Anteilnahme an ihrem Leiden und Geduld im Umgang mit ihnen sind ebenso Wege, dem geistig Behinderten zwischenmenschliche Beziehungen zur Gemeinschaft zu ermöglichen. Dadurch kann er den Wert seiner Person und seine Fähigkeit, Liebe zu empfangen und zu geben, erkennen.“

„Ohne Zweifel sind Behinderte durch das Sichtbarwerden der Schwachheit menschlichen Lebens ein Sinnbild für das Leiden der Welt. In unserer Welt, die von Hedonismus und trügerischer, kurzlebiger Schönheit geprägt ist, werden die Schwierigkeiten Behinderter oft als Skandal und Provokation empfunden und als Last verstanden, von der man so schnell wie möglich erlöst werden möchte, “ beklagte der Papst.

„Sie sind jedoch lebende Zeugnisse des gekreuzigten Sohnes. Sie offenbaren uns jene geheimnisvolle Schönheit des Einen, der sich entäußert hat und gehorsam wurde bis zum Tod.“

„Deshalb sagt man nicht ohne Grund, dass Menschen mit Behinderung das Menschsein besonders erkenntlich machen.“

Er fügte hinzu: „Sie können allen lehren was erlösende Liebe ist und können Botschafter einer neuen Welt sein, die nicht durch Macht, Gewalt oder Aggressivität beherrscht wird, sondern durch Liebe und Hinnahme – eine neue Welt, die vom Licht Jesu, dem Gottessohn, durchstrahlt ist, der für uns Mensch geworden ist, gekreuzigt wurde und auferstand.“