Auch Gott weint

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 329 klicks

In der heutigen Predigt während der Messe in Santa Marta sagte Papst Franziskus, das Weinen Gottes sei wie das eines Vaters, der seine Kinder liebe und sie niemals verleugne, auch wenn sie widerspenstig seien. Der Pontifex bezog sich auf die heutigen Lesungen, in denen zwei Vaterfiguren dargestellt werden: der über den Tod seines Sohnes weinende David und der um Heilung für seine Tochter bittende Vorsteher der Synagoge, Jairus.

„David sagte, als er sich zurückzog: ‚Mein Sohn, Abschalom. Mein Sohn! Mein Sohn Abschalom! Wäre ich an Deiner Stelle gestorben! Abschalom, mein Sohn! Mein Sohn!‘ Das ist das Herz eines Vaters, der niemals sein Kind verleugnet. ‚Er ist ein Schurke. Er ist ein Feind. Aber er ist mein Sohn!‘ und er verleugnet seine Vaterschaft nicht: Er weint… David weint zweimal um einen Sohn: dieses Mal und als der Sohn des Ehebruchs zu sterben drohte. Auch da hat er gefastet und Buße getan, um das Leben seines Sohnes zu retten. Er war ein Vater!“

Der zweite Vater sei der Synagogen-Vorsteher , so Papst Franziskus weiter, der sich trotz seiner hohen gesellschaftlichen Stellung nicht schäme, sich vor die Füße Jesu zu werfen und ihn um die Heilung seiner Tochter anzuflehen. Auch er sei ein echter Vater.

„Das, was für sie am wichtigsten ist, ist der Sohn, die Tochter! Es gibt nichts anderes. Das einzig wichtige! Das lässt uns an das erste denken, was wir zu Gott im Glaubensbekenntnis sagen: ‚Ich glaube an Gott, den Vater…‘. Es lässt uns an die Vaterschaft Gottes denken. Aber so ist Gott. So ist Gott mit uns! ‚Aber, Heiliger Vater, Gott weint doch nicht!‘ Und wie! Denken wir nur an Jesus, als er Jerusalem sieht und weint. ‚Jerusalem, Jerusalem! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihren Federn zusammenruft.‘ Gott weint! Jesus hat um uns geweint! Und dieses Weinen Jesu ist das Abbild eines weinenden Vaters, der uns alle bei sich haben möchte.“

Abschließend sagte Papst Franziskus, in schwierigen Momenten antworte der Vater immer.

„Gehen wir heute mit diesen beiden Bildern nach Hause: Der weinende David und der Vorsteher der Synagoge, der sich vor die Füße Jesu wirft, ohne sich darum zu sorgen, dass er zum Gespött werden könnte. Es ging um ihre Kinder: den Sohn und die Tochter. Und gemeinsam mit diesen beiden Bildern beten wir: ‚Ich glaube an Gott, den Vater...‘ Und bitten wir den Heiligen Geist – denn nur er ist der Heilige Geist –, dass er uns lehren möge zu sagen ‚Abba, Vater!‘. Das ist eine Gnade! Zu Gott mit dem Herzen ‚Vater!‘ sagen zu können, ist eine Gnade des Heiligen Geistes. Bitten wir ihn darum!“