"Auch Petrus muss lernen, schwach und der Vergebung bedürftig zu sein": Benedikt XVI. erklärt Taudenden von Gläubigen, was einen unerschütterlichen Glauben ausmacht

Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom

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ROM, 24. Mai 2006 (ZENIT.org).- Der Glaube des heiligen Petrus sei zunächst ein unvollkommener Glaube gewesen und erst durch die Erfahrung und der Annahme der eigenen Unzulänglichkeit zu jenem starken Glauben herangereift, der selbst den Tod nicht gefürchtet habe, erklärte Benedikt XVI. heute, Mittwoch, während der Generalaudienz in Rom.



Vor Zehntausenden von Gläubigen aus aller Welt betrachtete der Heilige Vater am Vortrag seiner Pastoralreise nach Polen den Glaubensweg des ersten Stellvertreters Jesu Christi auf Erden, um aufzuzeigen, dass die persönliche Armseligkeit und Sündhaftigkeit auf dem Weg zu Gott kein Hindernis darstelle. Allerdings erachtete er es als "wesentlich", dass unser Glaube "ein offener Glaube ist und dass wir uns von Jesus führen lassen, weil er den Weg nicht nur kennt, sondern selbst der Weg ist".

Die Schule des Glaubens, so der Heilige Vater, "ist kein Triumphmarsch, sondern ein Weg voller Leid und Liebe, voller Prüfungen und [gekennzeichnet von] einer Treue, die jeden Tag zu erneuern ist. Petrus, der absolute Treue versprochen hat, kennt die Bitternis und die Erniedrigung der Verleugnung… Auch Petrus muss lernen, schwach und der Vergebung bedürftig zu sein! Als ihm endlich die Maske abfällt und er die Wahrheit seines schwachen Herzens eines gläubigen Sünders erkennt, bricht er in befreiende Tränen der Reue aus. Nach diesem Weinen ist er nun für seine Sendung bereit."

Erst nach und nach habe Petrus verstanden und akzeptiert, dass Jesus "die armselige, einzige Liebe", zu der er fähig sei, annehmen wolle. Nicht Petrus sei Jesus ebenbürtig geworden, sondern Jesus habe sich Petrus angepasst, erklärte Benedikt XVI. "Gerade diese göttliche Anpassung schenkt dem Jünger, der das Leid der Untreue erfahren hat, Hoffnung. Daraus erwächst das Vertrauen, das ihn zur Nachfolge bis zum Ende fähig macht."

Das Wissen um die eigene Schwäche habe Petrus nun nicht mehr entmutigt, da sich dieser bewusst geworden sei, "dass er auf die Gegenwart des Auferstandenen neben sich" zählen könne. "Von der naiven Begeisterung der anfänglichen Zustimmung über die schmerzhafte Erfahrung der Verleugnung und die Träenen der Bekehrung gelangte Petrus dahin, sich jenem Jesus anzuvertrauen, der sich seiner armseligen Liebesfähigkeit angepasst hat."

Das Beispiel PetrI zeigt nach Benedikt XVI., "dass sich Jesus an diese unsere Schwäche anpasst. Wir folgen ihm mit unserer armseligen Liebesfähigkeit nach und wissen, dass Jesus gut ist und sie annimmt."

Im Anschluss an seine Katechese, in deren Zentrum die unauflösliche Verbindung zwischen Jesus und seiner Kirche stand, begrüßte der Bischof von Rom die Gläubigen. Auf Deutsch sagte er: "Vertraut euch in allen Entscheidungen der Führung des Heiligen Geistes an und erweist Gott die Ehre! Euer Großmut sei unübertrefflich! Der Herr geleite euch auf euren Wegen!"