"Auch wir sind Sämänner"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 487 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich Papst Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den sonntäglichen Angelus zu beten.

Zur Einführung sprach er die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

Nach dem Mariengebet, richtete der Papst einen eindringlichen Appell zum Frieden im Heiligen Land.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das Evangelium dieses Sonntags (Mt 13,1-23) legt uns die Predigt Jesu am Ufer des Sees von Galiläa vor. Da ihn eine große Menschenmenge umgibt, steigt er in ein Boot, entfernt sich etwas vom Ufer und predigt von dieser Stelle aus. Seine Worte an das Volk enthalten viele Gleichnisse: diese Sprache ist allen verständlich und enthält Bilder aus der Natur und aus den Situationen des Alltagslebens.

Jesus beginnt mit einer Einleitung zu allen Gleichnissen: dem Gleichnis vom Sämann, der seinen Samen ohne Unterschied auf jede Art von Boden ausstreut. Der wahre Protagonist dieser Parabel ist der Samen, der je nach dem Boden, auf dem er fällt, mehr oder weniger Früchte hervorbringt. Die ersten drei Böden sind unfruchtbar: Entlang der Straße wird der Samen von den Vögeln aufgegessen; auf dem felsigen Boden trocknen die Keime unverzüglich, da sie keine Wurzen haben; inmitten der Brombeersträucher wird er von den Dornen erstickt. Die vierte Art von Boden ist gut und nur auf diesem kann sich der Samen festsetzen und Früchte tragen.

In diesem Fall beschränkte sich Jesus nicht auf den Vortrag des Gleichnisses, sondern nahm auch eine Auslegung für seine Jünger vor. Der auf die Straße gefallene Same zeigt an, wie viele die Ankündigung des Reichs Gottes vernehmen, Gott aber nicht aufnehmen. Daher kommt der Widersacher, um ihn zu entfernen. Der Widersachen will nicht, dass der Same des Evangeliums in den Herzen der Menschen keimt. Dies ist der erste Vergleich. Der zweite ist jener des auf die Steine gefallenen Samens: Dieser steht für jene Menschen, die das Wort Gottes vernehmen und sofort aufnehmen, dies jedoch oberflächlich tun, da sie keine Wurzeln besitzen und unstet sind. Wenn sie Schwierigkeiten und dem Leid begegnen, sind diese Menschen sofort niedergeschlagen. Der dritte Fall beschreibt den in die Brombeersträucher gefallenen Samen: Jesu Erklärung zufolge bezieht dieser sich auf die Menschen, die das Wort hören, doch aufgrund der weltlichen Sorgen und der Versuchung des Reichtums erstickt es. Schließlich repräsentiert der auf den fruchtbaren Boden gefallene Samen jene, die das Wort hören, es aufnehmen, bewahren und begreifen. Dieses bringt daher Früchte hervor. Das vollkommene Modell dieser guten Erde ist die Jungfrau Maria.

Dieses Gleichnis spricht heute zu jedem von uns wie zum Publikum Jesu vor zweitausend Jahren. Es erinnert uns daran, dass wir der Boden sind, auf den der Herr unermüdlich den Samen seines Wortes und seiner Liebe aussät. Nehmen wir es in jeder Lage auf? Und können wir uns die Frage stellen: Wie ist unser Herz? Welcher Art von Boden ähnelt es: einer Straße, einem Steinboden, einem von Brombeersträuchern bedeckten Boden? Es liegt an uns, zu einem guten Boden zu werden, der weder Dornen noch Steine aufweist, sondern urbar ist und sorgsam gepflegt wird, sodass er für uns und unsere Brüder gute Früchte hervorbringen kann.

Und es wird uns gut tun, uns daran zu erinnern, dass auch wir Sämänner sind. Gott streut gute Saat aus und auch wir können uns die Frage stellen: welche Samen entspringen unserem Herzen und unserem Mund? Unsere Worte können viel Gutes und viel Schlechtes bewirken; sie können heilen und verletzen; sie können ermutigen und entmutigen. Erinnert euch an Folgendes: was zählt ist nicht, was hereinkommt, sondern was aus dem Mund und aus dem Herz hervorgeht.

Möge die Gottesmutter uns anhand ihres Beispiels lehren, das Wort aufzunehmen, zu bewahren und in uns und den anderen zur Frucht heranreifen zu lassen.

[Aufruf zum Frieden im Heiligen Land:]

Im Lichte der tragischen Entwicklungen der letzten Tage richte ich an euch alle den gramerfüllten Appell, weiterhin inständig für den Frieden im Heiligen Land zu beten. Mein Geist ist noch erfüllt von der lebendigen Erinnerung an die Begegnung mit dem Patriarchen Bartholomäus und den Präsidenten Peres und Abbas vom vergangenen 8. Juni, mit denen ich um das Geschenk des Friedens gebeten und den Aufruf vernommen habe, die Spirale des Hasses und der Gewalt zu durchbrechen. Man könnte denken, dass dieses Zusammentreffen nutzlos gewesen sei. Doch das stimmt nicht! Das Gebet hilft uns dabei, uns nicht vom Bösen zu besiegen zu lassen und uns damit abzufinden, dass die Gewalt und der Hass stärker sind als der Dialog und die Versöhnung. Ich ermahne die beteiligten Parteien und alle politischen Verantwortungsträger auf lokaler und internationaler Ebene, das Gebet und keine Anstrengungen zu vermeiden, um alle Feindseligkeiten zu beseitigen und den erhofften Frieden zum Wohle aller zu erlangen. Ebenso lade ich euch alle dazu ein, euch im Gebet zu vereinen. Lasst uns alle im Stillen beten. (stilles Gebet). Jetzt, Herr, hilf uns du! Schenke uns den Frieden, lehre du uns den Frieden, führe du uns zum Frieden. Öffne unsere Augen und unsere Herzen und schenke uns den Mut zu sagen: „Nie wieder Krieg!“, „Mit dem Krieg ist alles zerstört!“. Gieße in uns den Mut aus, diese konkreten Gesten zu tun, um den Frieden aufzubauen. Mach uns bereit, den Schrei unserer Mitbürger zu hören, die von uns fordern, unsere Waffen in Werkzeuge des Friedens, unsere Ängste in Vertrauen und unsere Spannungen in Vergebung zu verwandeln! Amen.

[Schlusswort:]

Liebe Brüder und Schwestern,

ich begrüße euch alle sehr herzlich, ihr Römer und Pilger!

Heute wird der „Sonntag des Meeres“ begangen. Ich denke an die Meeresbewohner, die Fischer und an ihre Familien. An die christlichen Gemeinden und insbesondere jene an der Küste, richte ich die Ermahnung, ihnen gegenüber aufmerksam und sensibel zu sein. Die Kapläne und Freiwilligen im Apostolat des Meeres lade ich ein, ihre Bemühungen in der pastoralen Sorge um diese Brüder und Schwestern fortzusetzen. Alle und insbesondere jene, die sich in Schwierigkeiten oder von zu Hause entfernt befinden, empfehle ich dem mütterlichen Schutz der hl. Maria, dem Stern des Meeres, an.

Im Gebet vereine ich mich mit den Hirten und Gläubigen, die an der Familienwallfahrt von Radio Maria nach Jasna Góra, Tscheschtenau, teilnehmen. Ich danke euch für eure Gebete und segne euch von Herzen.

Nun heiße ich mit großer Zuneigung alle geistlichen Söhne und Töchter des hl. Camillo de Lellis willkommen, dessen 400. Todestag morgen begangen wird. Ich lade die Kamillianische Familie am Höhepunkt dieses Jubeljahres, dazu ein, ein Zeichen des Herrn Jesus zu sein, der sich als guter Samariter auf die Verletzungen des Leibes und des Geistes der geprüften Menschheit gebeugt hat und das Öl des Trostes und den Wein der Hoffnung auf sie gelegt hat. Euch hier auf dem Petersplatz Versammelten sowie den Sanitätern, die in euren Krankenhäusern und Pflegeheimen dienen, wünsche ich, dass das Charisma der Barmherzigkeit, gespeist durch den tätlichen Kontakt mit den Kranken, immer mehr in euch wachse. Und bitte denkt daran, für mich zu beten.

[Aus dem Italienischen übersetzt von Sarah Fleissner]