Auf der Suche nach dem englischen Glauben in Rom

Gespräch mit einem Dozenten der ältesten englischen Institution im Ausland anlässlich runden Jubiläums

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Von Ann Schneible

ROM, 1. Feburar 2012 (ZENIT.org) - Am Wochenende feierte das Ehrwürdige Englische Kolleg sein 650-jähriges Bestehen. Die älteste englische Institution außerhalb Englands wurde ursprünglich als Herberge für englische und walisische Rompilger gegründet.

Im Jahre 1579 wurde es zu einem Priesterseminar, als England das Verbot der Priesterausbildung aussprach. Während dieser Zeit der Verfolgung wurden mindestens 44 der Kolleg-Studenten gleich nach ihrer Rückkehr nach England aufgrund ihres Glaubens als Märtyrer hingerichtet. Heutzutage setzt das Kolleg seinen Dienst an der Kirche Englands  durch die Ausbildung von Priestern und durch die Aufnahme von Pilgern fort.

ZENIT sprach mit Pater Anthony Milner, Dozent des Ehrwürdigen Englischen Kollegs, im Rahmen dieses bedeutenden Jubiläums über die Geschichte des Kollegs.

ZENIT: Was können Sie uns zum Thema Pilgerfahrten sagen, insbesondere zu deren Bedeutung für englische Katholiken?

P. Anthony Milner: Unsere Geschichte geht genau auf dieses Thema der Pilgerfahrten zu Beginn der Heiligen Jahre 1300 und 1350 zurück. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Rom in gewisser Form bereits eine religiöse Gemeinschaft, ein Zusammenschluss von Geschäftsleuten. Viele von ihnen gingen in der Tat einer Beschäftigung im Zusammenhang mit den Pilgerreisenden nach, insbesondere dem Verkauf von Rosenkränzen und ähnlichem, was aus alten Dokumenten hervorgeht. Doch hatten sie es nicht leicht und einige Geschichten berichten von Pilgern, die schlecht behandelt wurden. So beschloss die Gemeinschaft, dass sie einen sicheren Ort benötigten, wo man die englischen Pilger bedienen konnte. Und so richteten sie die Herberge als einen Ort ein, um Pilger aufzunehmen. Pilgern mit begrenzten Mitteln wurden acht Tage Kost und Logis zur Verfügung gestellt, den wohlhabenderen Pilgern drei Tage.

In jenen Tagen lange vor der Reformation war England ein katholisches Land. Deshalb reisten viele Menschen von und nach Rom und unternahmen Pilgerfahrten nach Rom, vor allem, als Rom ab dem 14. Jahrhundert wieder aufblühte nach einer gewissen Zeit, in der es  in Bedeutungslosigkeit versunken war.

Seitdem hat es immer Pilger aus England gegeben, auch wenn deren Anzahl, wie wir wissen, während der Zeit der Reformation abnahm. Zu jenem Zeitpunkt im 16. Jahrhundert wurden wir zu einem Seminar. Doch 200 Jahre lang war dies vor allem ein Ort, um Pilger zu empfangen.

Obwohl wir die Anzahl der heutigen Pilger nicht beherbergen können, (auch wenn wir einige Gästezimmer haben), kommen tatsächlich noch viele Pilgergruppen zu uns. Ich erinnere mich an das Jahr 1987 zurück, als ich noch Student war, und wir hier anlässlich der Seligsprechung mehrerer englischer Märtyrer viele Gruppen empfingen und willkommen hießen. Viele feierten hier Gottesdienst und fanden eine Kontakt- und Anlaufstelle, wo sie ein Stück England vorfanden. Sie fühlen sich einfach wie zu Hause, wenn sie freundlich von Menschen empfangen werden, die ihre Sprache sprechen.

Gewiss betrachten wir das Ethos dieses Orts als Herberge für Rompilger als einen Teil unseres Erbes und als einen Teil unserer Tätigkeit. Was die Ausbildung der Studenten anbelangt, so empfangen hier viele unserer Student andere Menschen als Gäste, als eine Art des pastoralen Dienstes im weiteren Sinne. Die Studenten tun dies sehr gerne und natürlich gefällt es den Menschen, willkommen geheißen zu werden.

ZENIT: Können Sie unseren Lesern erläutern, welche Rolle das Erbe des Kollegs bei der Ausbildung der Seminaristen spielt?

P. Anthony Milner: Während der ersten hundert Jahre des Bestehens dieses Seminars, im Jahre 1579 riskierten Studenten, die zurück nach England gingen, das eigene Leben. Mindestens 44 unserer Studenten wurden in England als Märtyrer angesehen und hingerichtet. Tatsächlich sind zehn von diesen kanonisierte Märtyrer. Von den übrigen wurden bisher 26 selig gesprochen. So wurden insgesamt 36 als Märtyrer offiziell zur Ehre der Altäre der Kirche erhoben, was selbstverständlich ein bedeutendes Erbe und ein Teil unserer Geschichte darstellt, die noch heute die Ausbildungform unserer Seminaristen beeinflusst.

Zum Glück sind die Seminaristen heutzutage nicht mehr solchen Gefahren ausgesetzt, doch besteht noch immer die Idee, ein Missionar zu sein, der bisweilen auf eine feindliche Umwelt trifft. In der Lage zu sein, das Evangelium zu predigen, auch wenn die Leute nicht besonders daran interessiert sind, es zu hören, ist keine schlechte Sache.

Die positive Ausstrahlung Roms als Ort des Glaubens, hierher zu kommen, an den Ort der hl. Peter und Paul, den Ort so vieler Heiligen und Märtyrer, zum ad limina apostolorum Besuch anzureisen - all diese Dinge nehmen unsere Studenten ganz bewusst wahr. Natürlich vermitteln sie diesen Glauben denjenigen, die als Pilger hierher kommen. Wenn Menschen uns besuchen, ist das nicht einfach ein Ort von touristischem Interesse; es ist ein Ort, wo man den katholischen Glauben als etwas sehr Englisches erkennen kann. Es gibt in England einige Menschen, die den Katholizismus in gewisser Weise als einen ausländischen Glauben betrachten, dabei war er bis zur Reformation der Glaube Englands. Dem Englischen Kolleg haftet noch immer etwas sehr Englisches an. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Teil unseres Bestehens.

ZENIT: Was hat es mit der Te Deum Hymne für das Ehrwürdige Englische Kolleg auf sich?

P. Anthony Milner: In unserer Kirche befindet sich ein sehr wichtiges Gemälde, das als Bild des Märtyrers bekannt ist. Es wurde von Durante Alberti im Jahre 1581, zwei Jahre nach der Gründung des Seminars gemalt. Jedes Mal wenn die Studenten erfuhren, dass einer von ihnen in England hingerichtet worden war, versammelten sie sich in der Kirche vor diesem Gemälde und vor dem Herrn und sangen das Te Deum als Danksagung für das Leben des Studenten. Deshalb halten wir an dieser Tradition fest. Gegenwärtig ist dies immer am 1. Dezember der Fall, dem Jahrestag des Martyriums von Ralph Sherwin, des ersten unserer Märtyrer aus dem Jahre 1581. Doch auch zu Beginn des neuen Jahres singen wir das Te Deum und dann dachten wir, es sein angemessen, es anlässlich dieses 650. Jubiläums unserer englischen Präsenz hier zum Abschluss der heiligen Messe zu singen, die am genauen Datum des Gründungstags stattfindet. Auch der Kardinal hätte dies getan, als er Rektor war.

[Übersetzung des englischen Originals von Sabrina Toto]