Auf der Suche nach mehr Gerechtigkeit: Vollversammlung 2007 der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften hochkarätig besetzt

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ROM, 26. April 2007 (ZENIT.org).- Nobelpreisträger Henry Kissinger, Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone und weitere hochrangige Teilnehmer der XIII. Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, der Mary Ann Glendon vorsteht, werden sich vom 27. April bis zum 1. Mai im Vatikan eingehend mit dem Thema „Nächstenliebe und Gerechtigkeit zwischen den Völkern und Nationen“ befassen.



Bei der Vorstellung der Tagung, die im Vatikan stattfinden wird, erklärte Glendon am Donnerstagvormittag in den Räumen des Pressesaals des Heiligen Stuhls an der Via della Conciliazione, dass es drei Gründe gibt, warum man sich für das genannte Thema entschieden habe: Zum einen wolle man die Forschungsarbeiten zur Globalisierung, die vor 14 Jahren aufgenommen wurden, zum Abschluss bringen. In den Monaten, die auf die Vollversammlung folgen, soll deshalb ein entsprechender Schlussbericht erarbeitet werden, der anschließend dem Heiligen Stuhl überreicht wird.

Der zweite Grund für das gewählte Tagungsthema ist nach Glendon die Bestrebung, das Konzept der Subsidiarität im internationalen Kontext weiterzuentwickeln. An dritter Stelle nannte die Harvard-Professorin die Enzyklika Deus caritas est, in der Papst Benedikt XVI. ausführlich auf die Frage nach der „gerechten Struktur der Gesellschaft“ eingeht und dabei die Caritas als die treibende Kraft herausstellt.

Wie Bischof Marcelo Sánchez Sorondo, Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, der ebenfalls am Pressegespräch teilnahm, präzisierte, weist der Heilige Vater in seiner Enzyklika darauf hin, dass die Gerechtigkeit in gewissem Sinne die Voraussetzung für alle anderen Tugenden sei. „Wenn sie fehlt, kann es keinen Frieden geben“, kommentierte der Bischof die Worte des Papstes.

Unter anderem heißt es in „Deus caritas est“: „Ein Staat, der nicht durch Gerechtigkeit definiert wäre, wäre nur eine große Räuberbande, wie Augustinus einmal sagte: ‚Remota itaque iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia?‘“ (28).

Da die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften die Aufgabe hat, Grundlagenforschung zu betreiben, damit die kirchliche Soziallehre weiterentwickelt und aktualisiert werden kann, werden sich die Tagungsteilnehmer, wie es in dem Einführungsschreiben zum Kongress heißt, in den kommenden Tagen mit der Frage befassen, ob die Beziehungen zwischen den verschiedenen Völkern und Nationen – den entwickelten, den weniger entwickelten, den im Aufbruch befindlichen und den armen Ländern – „im Licht der sozialen Aufgabe der Kirche gerechter, fairer und friedlicher werden können, und welcher Weg einzuschlagen ist, um diese Ziele zu erreichen“.

An den Beratungen und Arbeitssitzungen werden neben den beiden bereits genannten Persönlichkeiten unter anderem auch Jacques Diouf, Generaldirektor der FAO; José Miguel Insulza, Generalsekretär der OAS; Jean-Pierre Lanau von der Banque de France; die Kurienkardinäle Walter Kasper und Renato R. Martino; der Patriarch von Antiochien der Maroniten, Kardinal Pierre Sfeir Nasrallah, und der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York, Erzbischof Celestino Migliore, teilnehmen.

Die Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum sind, abgesehen von Bischof Paul Cordes, Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“: Paul Kirchhof, Herbert Schambeck, Hans Tietmeyer, Hasn Zacher, Herbert Batliner und der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari.

Professor Juan José Llach, Wirtschaftsprofessor an der Universität Austral in Buenos Aires (Argentinien) und Berater der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, der für die Organisation der internationalen Begegnung verantwortlich ist, kündigte an, dass die unterschiedlichsten Themen auf der Tagesordnung stünden: „Deus caritas est“, interreligiöser Dialog, internationale Beziehungen sowie Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftsfragen. All diese Bereiche seien miteinander verquickt und ließen sich nicht voneinander trennen.

Llach verwies in diesem Zusammenhang auf den kürzlich veröffentlichen Brief von Papst Benedikt XVI. an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der EU- und G8-Präsidentschaft Deutschlands (Aufruf zur Armutsbekämpfung). Darin habe der Heilige Vater verdeutlicht, dass die Frage des Weltfriedens eng mit den wirtschaftlichen und sozialen Fragen zusammenhänge.