Auf die Väter kommt es an

Von P. John Flynn LC

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ROM, 22. November 2007 (ZENIT.org).- Kinder brauchen mehr denn je die Anwesenheit und Führung der Väter im Familienleben.



Eine vor kurzem erschienene Sammlung von Aufsätzen zeigt, dass eine beachtliche Menge wissenschaftlicher Erhebungen eindeutig die wichtige Rolle dokumentiert, die der Vater in den Jahren spielt, in denen ein Kind erzogen wird. Kinder mit einem Vater haben weniger Verhaltensprobleme, bringen bessere akademische Leistungen und sind später finanziell besser gestellt, schreiben Sean E. Brotherson und Josph M. White, die Herausgeber von „Why Fathers Count: The Importance of Fathers and Their Involvement with Children“ („Warum Väter wichtig sind. Die Bedeutung der Väter und ihres Engagements für die Kinder“), das im Verlag „Men's Studies Press“ erschienen ist.

Brotherson und White wollen den Beitrag der Mütter zum Familienleben keineswegs herunterspielen. Sie betonen im Gegenteil, dass beide Elternteile zählen: Vater und Mutter. Da jedoch der Anteil vaterloser Familien, wie statistische Daten reichlich bestätigen, in den letzten Jahrzehnten merklich angestiegen ist, konzentriere sich das Buch auf die Väter.

Rob Palkovitz, Professor an der Universität von Delaware, widmet ein Kapitel dem Thema des Übergangs der Männer zum Vatersein. Männer können zu Vätern im biologischen Sinn werden und doch manchmal nicht die seelische und verhaltensmäßige Veränderung und Anpassung vollziehen, die nötig ist, um die Vaterrolle auszufüllen.

Das Vatersein bringt, so Palkovitz, eine andere Art der Verantwortlichkeit mit sich als die eines Ehemanns und erfordert zusätzliche Hingabe. Diese Veränderung wirkt sich auf die Entscheidungen, das Verhalten und die Prioritäten des Mannes im täglichen Leben aus. Das braucht Zeit. Das Vatersein ist eine Rolle, in die die Männer allmählich hineinwachsen.

Der Übergang zum Vatersein ist, schreibt Palkovitz weiter, ein bedeutsamer Wendepunkt im Leben eines Mannes. Wenn Männer gewillt sind, diese Beziehung zu ihren Kindern aufzunehmen, handelt es sich dabei um eine der größten Veränderungen im Leben und der personalen Entwicklung eines Mannes.

Der Faktor Ehe

Die Beziehung zwischen den Ehegatten und ihr Einfluss auf die Väter werden von H. Wallace Goddard, Professor an der Universität von Arkansas, in einem anderen Kapitel untersucht. Wenn die Ehepaare eine tiefe Beziehung zueinander haben, können sie nach Worten des Autors einander in ihrem Verschiedensein ergänzen und jeweils aus den Stärken des anderen Kraft gewinnen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass beide, Mutter und Vater, gute Eltern sein werden.

Goddard hebt auch hervor, dass die heutige Ehe-Anbahnungskultur („dating culture“) aus mannigfaltigen Gründen wenig dazu beiträgt, zukünftige Ehepaare für die Hingabe vorzubereiten, die nötig ist, um eine Ehe zu nähren und zu schützen. Eine Kultur, die das romantische Abenteuer und schnelle oberflächliche Beziehungen überbetont, ist, so bekräftigt der Autor, wenig dazu geeignet, die Paare für die unvermeidlichen schwierigen Phasen vorzubereiten, die eine jede Ehe durchläuft.

Brotherson von der North Dakota State University untersucht die Verbundenheit in der Beziehung zwischen Vätern und Kindern, die er „connectedness“ nennt. Dieses Verbundensein erfordert das Knüpfen eines Bandes über eine Zeit hinweg, das mehr ist als nur die Liebe, die ein Elternteil für ein Kind hat, sondern auch den Grad betrifft, bis zu dem ein Kind diese Liebe und Annahme wahrnimmt und begreift.

Diese „connectedness”, so Brotherson, wächst durch die kleinen Gesten der Liebe zu einer anderen Person sowie durch das Vertrauen und die Nähe, die sich in dieser Beziehung entfalten.

Gestützt auf verschiedene Studien über das Familienleben stellt Brotherson fest, dass ein Kind desto mehr Vertrauen zu anderen Menschen und stabile Beziehungen zu Gleichaltrigen und Erwachsenen außerhalb des Hauses hat, je mehr es Verbundenheit mit seinen Eltern spürt. Eine enge Familienbeziehung bietet auch mehr Schutz der Kinder vor Problemen wie Depression, Selbstmord, verfrühte sexuelle Aktivität oder Drogenkonsum.

Der letzte Abschnitt des Kapitels bietet Vätern konkrete Vorschläge, wie sie mit ihren Kindern Kontakt haben und halten können. Brotherson empfiehlt das Spielen mit ihnen, das Helfen bei ihrer Erziehung, das einfache Dasein, um zu trösten, wenn sie es brauchen, das Bezeugen von Zuneigung, das gemeinsame Beten.

Die Liebe des Vaters

Die Wissenschaftler Shawn Christianson und Jeffrey Stueve schreiben über die Bedeutung der Liebe des Vaters zu seinen Kindern. Der größere Teil der soziologischen Forschung, stellen sie fest, schenkt dem Band, das die Eltern in ihrer Liebe und Sorge für die Kinder knüpfen, nicht genügend Aufmerksamkeit. Die Liebe wird in der Familientheorie nicht nur wenig erwähnt, sondern die zeitgenössischen Theorien konzentrieren sich auf das Eigeninteresse.

Die Liebe eines Vaters für seine Kinder drückt sich oft in den Opfern aus, die er bringt, sei es in Zeiten einer Krise oder einfach in den alltäglichen Entscheidungen des Familienlebens. Zwar versäumen es einige Väter, Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen, viele jedoch arbeiten mit ihren Ehefrauen bei der Erziehung der Kinder mit, stellen die beiden Autoren fest.

Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen auf diesem Gebiet wurden über Väter jüngerer Kinder durchgeführt. Sie dokumentieren, dass Väter durchaus empfänglich und feinfühlig für die Nöte und Bedürfnisse eines Kindes sein und Zuneigung zeigen können.

Christianson und Stueve stellen fest, dass es nicht leicht ist, die Liebe eines Vaters klar zu umreißen. Eine Möglichkeit, dies zu tun ist, zu zeigen, wie ein Vater in dem Leben eines Kindes gegenwärtig ist, indem er ihm hilft, aus körperlichen, emotionalen, die soziale Kommunikation betreffenden und geistlichen Nöten herauszukommen. Wenn Väter Zeit für ihre Kinder haben, mit ihnen zusammen etwas unternehmen, sich mit ihnen unterhalten und sich selbst einbringen, bedeutet dies eine verlässliche Stütze, die die Kinder in ihrem Leben als dauerhaft wahrnehmen.

Vicky Phares und David Clay, Professorin beziehungsweise Doktorand an der Universität von Süd-Florida, beschäftigen sich intensiv mit dem Einfluss der Väter auf das seelische Wohlbefinden der Kinder. Sie weisen auf drei Grundstile der väterlichen Erziehung hin: Autorität ausstrahlend, autoritär (im negativen Sinn) und permissiv.

Führung

Phares and Clay führen aus, dass Väter, deren Erziehungsstil der erstgenannte ist – bei dem Kontrolle und Wärme und Achtung vor dem Kind Hand in Hand gehen – mit höherer Wahrscheinlichkeit selbstsichere und seelisch gesunde, robuste Kinder haben.

Sie weisen ebenso wie Christianson und Sueve auf die Verfügbarkeit und die Empfänglichkeit der Väter für die emotionalen Bedürfnisse der Kinder hin. Dies sei ein weiterer maßgeblicher Faktor in der Erziehung und wichtig für eine gesunde Entwicklung der Kinder und Heranwachsenden.

Die Rolle der Väter bei der moralisch-ethischen Entwicklung ihrer Kinder wird von Terrance Olson und James Marshall von der Brigham Young University beziehungsweise der University of Kansas untersucht.

Der Einfluss der Väter bei der ethisch-moralischen Entwicklung der Kinder zeige sich auf verschiedene Weise. Es könne etwas so Simples sein, wie das Einhalten von Versprechungen, die man einem Kind gemacht hat, oder das Setzen von bestimmten Grenzen, indem man klar macht, welches Verhalten akzeptabel ist und welches nicht.

In diesem Sinne sei es zwar wahr, dass die Menge der Zeit, die Väter ihren Kindern widmen, wichtig ist, ebenso wichtig sei es jedoch, wie die Väter auf die Nöte und auf das Verhalten der Kinder reagieren. Das persönliche Beispiel, das ein Vater gibt, und wie er seinen Kindern beibringt, wie sie andere in der Gemeinschaft zu behandeln haben, sind zusätzliche Erziehungsmomente. Auf diese Weise haben Väter viele Möglichkeiten, ihren Kindern Einstellungen und Werte zu vermitteln und sie die eigentliche Bedeutung moralischer Verantwortung zu lehren.

Benedikt XVI. wies am 13. September in seiner Ansprache an den neuen Vatikanbotschafter der Slowakei, Jozef Dravecky, erneut auf die Bedeutung der Familie hin.

„Die Familie ist der Kernbereich, in dem eine Person zuallererst menschliche Liebe kennen lernt und Tugenden wie Verantwortung, Großzügigkeit und brüderliche Anteilnahme entwickelt.“

Außerdem bekräftigte der Papst damals: „Starke Familien gründen auf dem Fundament starker Ehen. Starke Gesellschaften gründen auf starken Familien.“ Die Regierungen forderte er nachdrücklich dazu auf, die Ehe, in der ein Mann und eine Frau sich für ihr ganzes Leben aneinander binden, anzuerkennen, zu respektieren und zu fördern. In der Tat eine Aufgabe, die für das Gedeihen zukünftiger Generationen entscheidend ist.