Auf Mutter Gertrude Comensolis Fürsprache wird Junge aus Wachkoma geweckt

Vasco Richini bezeugt das zur Heiligsprechung entscheidende Wunder

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AGNOSINE, 22. April 2009 (ZENIT.org).- Es war in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 2001 gegen 0.20 Uhr, als das Telefon bei Schwester Bianca Pasinetti klingelte. Die Ordensfrau, Mitglied der Gemeinschaft vom Heiligen Sakrament, nahm den Hörer ab und hörte zu: „Schwester, wir sind alle hier, Vasco verlässt uns. Sie müssen etwas tun, denn ich möchte nicht, dass Vasco stirbt."

Das waren die Worte von Hector Richini. Sein vier Jahre altes Kind, das den Kindergarten der Schwestern vom Heiligen Sakrament besuchte, war aufgrund einer akuten Hirnhautentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Familie wohnte in Richini Agnosine, einem kleinen Ort mit 2000 Einwohnern in der Provinz Brescia in Norditalien.

Rita, die Mutter des Kleinen, war am Nachmittag des besagten 29. September von der Arbeit zurückgekehrt und sah, dass Vasco ein wenig Fieber hatte. Offenbar schien es nichts Besorgniserregendes zu sein, aber im Lauf der Zeit stieg das Fieber immer weiter an, so dass die Eltern schließlich beschlossen, den Jungen ins Krankenhaus zu bringen. „Nach einer Viertel Stunde Krankenhausaufenthalt haben wir feststellen müssen, dass er Meningitis hat. Man stellte uns viele Fragen. Er fiel in ein Koma. Seine Nieren waren bereits nicht mehr in Betrieb", so erinnert sich Rita.

Dann bekam der Kleine einen starken Anfall: „Es wurde festgestellt, dass es sich um eine Influenza-Meningitis handelte, also sehr aggressive Bakterien, von denen man in der Regel nicht getroffen wird. Die Chance ist eins zu einer Million. Noch immer wissen wir nicht, wie es dazu kam, dass es ihn fast tödlich getroffen hat", fügt sie hinzu.

Als Schwester Bianca den Anruf von Hector erhielt, versprach sie persönlich und im Namen ihrer Gemeinschaft, für die Gesundheit des Kindes zu beten. Inzwischen rieten die Ärzte den Eltern, dass es das Beste wäre, bei Vasco alle Hilfsmaßnahmen einzustellen. Würde Vasco überleben, bliebe er in einem Wachkoma. „Halten sie ihn so lange wie möglich am Leben", so lautete die Reaktion der Mutter.

Wenn Hektor sich zurückerinnert, was er in diesem Moment fühlte, denkt er an die „große Traurigkeit und Hilflosigkeit, zusehen zu müssen, wie dein Kind dahinschwindet und du absolut nichts tun kannst. Ich denke, es ist die härteste Sache, die mir je passiert ist." Rita erläutert: „Er hatte eine Hirnverletzung und blaue Flecken überall am Körper."

Das war dann der Augenblick, in dem Schwester Bianca beschloss, eine Reliquie der seligen Gertrude Comensoli (1847 - 1903), der Gründerin der Gemeinschaft der Schwestern des Heiligen Sakraments, vorbeizubringen. Die Kongregation war in Bienno in der Nähe von Agnosine gegründet worden.

„Vasco wiederzubeleben wird wohl nicht möglich sein, aber zumindest zeige ich Ihnen, dass wir beten", sagte sich die Schwester, als sie in das Zimmer des kleinen Patienten trat und die Reliquie auf seinen Kopf legte. „Ich blieb bei Rita, wir haben gebetet. Sie war wirklich verzweifelt, ihr Kind so zu sehen", berichtet Schwester Bianca. Sie bat ihre Mitschwester, auch für Vasco zu beten. Die Ordensfrauen baten auch anderen Menschen um ihr Gebet, und bald bildete sich eine Kette aus Hunderten von Menschen, die für das Kind beteten.

Gaia, die Schwester von Vasco, war damals 14 Jahre alt. Sie ging selbst in die Kirche, ohne zu wissen, dass die Schwestern eine Zeit des Gebetes hielten. „Ich ging in die Kirche, um für mich zu beten, weil ich gar nicht mehr wusste, woran ich mich festhalten konnte, und ich fand die Kirche voller Menschen", sagt sie.

„Nach dem Gebet sind die Menschen nicht nach Hause gegangen. Sie verweilten im Gebet. So etwas habe ich noch nie gesehen", so Schwester Bianca. So betete die Ordenfrau zusammen mit ihren Schwestern eine Novene zur Mutter Gertrudis.

Ein paar Tage später kam eine Ärztin im Krankenhaus derart begeistert auf die Eltern zu, dass es diesen etwas seltsam erschien, da beide noch eine Stunde zuvor ihr Kind im Koma gesehen hatten. „Vasco ist außer Gefahr", so wurde ihnen berichtet. „Wir stehen vor einer unerklärlichen Heilung."

Vasco, der nunmehr fast zwölf Jahre alt ist, sagt, er könne sich, was seine Krankheit angehe, an rein gar nichts erinnern. Nur der Moment, als er aufwachte, sei ihm im Gedächtnis geblieben: „Ich sah auf die Bettlaken und ich schaute mich um. Ich sagte: Was mach ich hier? Dann habe ich gesagt: Mama, bring mir die Kleider. Ich will nach Hause gehen. Sie waren glücklich, fingen fast an zu weinen, und sie umarmten mich."

Das Kind ging bald zurück in die Schule, wo er den Schwestern und Kameraden berichtete, was geschehen war: „Als ich im Krankenhaus war, kam Mutter Gertrudis in mein Zimmer, ohne dass die Ärzte sie bemerkten, sie ließ niemanden hereinkommen und trat an mein Bett.

Auch heute noch ist Rita, die Mutter des Kindes, immer wieder von Neuem verwundert über das, was geschehen war. Auch wenn sie ein gläubiger Mensch gewesen sei, habe sich nicht wirklich praktiziert. „Wir wissen nicht, wie es möglich war. Ich habe eine Menge Fragen, weil ich nicht weiß, warum Gott sich gerade uns für diese Lektion ausgesucht hat", sagt sie. „Es ist sicherlich ein Wunder. Es ist gar nicht leicht, weil es dich einlädt, dich zu ändern. Der Herr liebt alle, also prüft er nicht, ob man den Glauben praktiziert oder nicht. Der Herr ist für alle gekommen", erklärt Schwester Bianca dazu.

Am kommenden Sonntag wird Familie Richini an der feierlichen Heiligsprechung von Mutter Gertrude Comensoli auf dem Petersplatz teilnehmen - als Dank für die Heilung von Vasco und weil ihr Glauben dadurch erneuert wurde.

Von Carmen Elena Villa. Aus dem Italienischen übersetzt von Angela Reddemann