„Auf Sumatra gibt es Dialog und Freundschaft zwischen den Religionen“

Erzbischof Antonius Sinaga, OFM Cap, von Medan lobt grundsätzliche Religionsfreiheit

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MEDAN, 4. Februar 2010 (ZENIT.org ).- Trotz der jüngsten Übergriffe auf zwei protestantische Kultstätten im Norden der Insel Sumatra gibt es dort keine Spannungen im Verhältnis der Religionen untereinander: „Es handelt sich um einzelne Zwischenfälle, zu denen es unter präzisen Umständen kommt. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Situation auf Sumatra – insbesondere in der Provinz Aceh – auf sozialer, humaner und interreligiöser Ebene sehr verbessert“, dies betont Erzbischof Antonius Sinaga, OFM Cap, von Medan im Gespräch mit dem Fidesdienst. Dem Erzbistum Medan sind die beiden anderen Diözesen im Norden der Insel Sumatra, Padang und Sibolga, als Suffraganbistümer unterstellt.

„Die interreligiösen Beziehungen, vor allem zwischen Muslimen und Christen, bereiten mir keine Sorge. Im Gegenteil, ich bin sehr zuversichtlich. Die Ursachen der vereinzelten Episoden der Gewalt gegen Christen (insbesondere gegen Protestanten) beziehen sich auf einen spezifischen Kontext und sind deshalb nicht die Folge eine weit verbreiteten Hassgefühls. Anlass für die jüngsten Vorfällen war der Aufruf eines radikalen muslimischen Religionsführers bei einem Besuch in der Region, dem eine Gruppe von Fanatikern Folge leistete. Viele muslimische Religionsführer vor Ort verurteilten den Anschlag“.


Wichtig sei dabei auch die Politik der örtlichen Regierung: „In der Öffentlichkeit tritt die Regierung auf Sumatra für den Pluralismus und die Vielfalt in der Gesellschaft ein, was auch auf nationaler Ebene durch die Achtung der Prinzipien der ‚Pancasila’ geschieht, auf denen der indonesische Staat gründet, der die Religionsfreiheit für anerkannte Religionen garantiert“.


Eine Art von Kontrolle und Druckausübung auf protestantische christliche Gemeinden gibt es in Form von langwierigen bürokratischen Prozeduren beim Bau neuer Kirchen. Aufsehen erregen auch die „lauten und öffentlichen“ Gottesdienste pfingstkirchlicher Gemeinden, die bei fundamentalistischen Gruppen den Eindruck entstehen lassen, dass damit Proselytismus betrieben werden soll.


Potentiellen Konfliktstoff liefern auch die vor allem im Süden der Provinz angesiedelten Gemeinden des Batak-Stammes: Diesem Volk gehören sowohl Muslime als auch Christen an und es kommt immer wieder zu Druckausübung auf Christen, die man zum islamischen Glauben bekehren will, damit die Volksgruppe einer einzigen religiösen Identität zugeordnet werden kann.


Unterdessen verurteilen auch die größten muslimischen Zusammenschlüssen – wie zum Beispiel die Muhammadiyah (mit rund 30 Millionen Mitgliedern) und Nahdlatul Ulama (rund 40 Millionen Anhänger) die Episoden der Gewalt. Auch die einflussreiche Tageszeitung Jakarta Post verurteilt die Vorfälle in einem jüngst veröffentlichten Leitartikel mit dem Titel „Stop Church burning“. „Insgesamt haben sich die interreligiösen Beziehungen auf Sumatra und in Indonesien sehr positiv entwickelt“, so ein Beobachter, „und wir hoffen dass auch künftig Fortschritte gemacht werden“.