Auf tödliche Verzweiflung nicht mit der Tötung des Verzweifelten reagieren

Keine Beihilfe zum Selbstmord, auch nicht von nahestehenden Personen

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 2221 klicks

Nach zahlreichen öffentlichen Protesten aus kirchlichen und politischen Kreisen [ZENIT berichtete], darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert, hat nun auch der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen den von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vorgelegten Gesetzesentwurf zur Suizidbeihilfe scharf kritisiert, wie Domradio berichtet.

Es reiche nicht aus, Hilfe zur Selbsttötung nur im Falle einer „gewerbsmäßigen Förderung“ unter Strafe zu stellen, habe Algermissen am vergangenen Donnerstag in Fulda erklärt. Vielmehr sei „Suizidförderung als solche zu missbilligen, die Kommerzialisierung fügt ihr keinen wesentlichen zusätzlichen ethischen Malus hinzu.“ Zudem sei zweifelhaft, ob das so geplante Gesetz das Handeln von in Deutschland tätigen Suizidbeihilfe-Vereinen stoppen könne.

Wer einen verzweifelten Menschen beim Suizid unterstütze, verhelfe diesem nicht zur Freiheit, so der Bischof. Die Kirche könne es niemals gutheißen, wenn auf eine „tödliche Verzweiflung mit der Tötung des Verzweifelten“ reagiert werde.

Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner wandte sich gegen die Straffreiheit jeder Form von aktiver Sterbehilfe: Das Recht, bewusst und willentlich den Tod eines Menschen herbeizuführen, dürfe es „grundsätzlich nicht geben ‑‑ gleich ob im kommerziellen oder im nichtkommerziellen Umfeld“, erklärte der Erzbischof am Donnerstag in Köln.

Ein vom Bundeskabinett bereits gebilligter Entwurf von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sieht vor, die kommerzielle Beihilfe zur Selbsttötung zu verbieten, nicht aber unentgeltliche und organisierte Suizidbeihilfen. Die Neuregelung soll Ende Januar abschließend vom Parlament behandelt werden.

Meisner kritisierte, so Domradio, dass in Deutschland der Lebensschutz in den zurückliegenden Jahren sukzessiv ausgehöhlt worden sei – „bis hin zu der Bereitschaft, den Leidenden abzuschaffen statt des Leids.“ Der Mensch brauche nicht Hilfe zum Sterben, sondern beim Sterben. Die Bitte um Sterbehilfe sei „ein Schrei danach, den Schmerz, die Einschränkungen, auch die Angst und das Gefühl von Sinnverlust und Einsamkeit zu beenden.“

Die moderne Medizin könne indes wirksam und nachhaltig helfen, „selbst dann, wenn es keine Aussicht auf Heilung mehr gibt, sogar wenn diese Hilfe ungewollt das Leben des Patienten verkürzt.“

Meisner rief dazu auf, Sterbenden Zuwendung, Gelegenheit zum bewussten Abschied und eine haltende Hand angesichts der ängstigenden Todesnähe zu geben. „Ein Mensch soll an der Hand eines Menschen sterben ‑‑ nicht durch dessen Hand.“

Kirchenvertreter waren bei der Gesetzesanhörung ausgeladen worden [ZENIT berichtete].  Eine erste Beratung sollte zu mitternächtlicher Stunde im Parlament stattfinden und war nach einer Minute an die Rechtsausschüsse weitergeleitet worden [ZENIT berichtete].