Aufruf Benedikts XVI. zum Gebet für die Märtyrer der Gegenwart

Angelus-Ansprache am Gedenktag des Proto-Märtyrers Stephanus

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ROM, 8. Januar 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Benedikt XVI. am Gedenktag des Proto-Märtyrers Stephanus (26. Dezember 2007) zum Angelus gehalten hat.



„Manchmal leidet und stirbt man auch aufgrund der Gemeinschaft mit der universalen Kirche und wegen der Treue zum Papst“, betonte der Heilige Vater. Das verbindende Element zwischen dem Diakon, der im Beisein des späteren Apostels Paulus gesteinigt wurde, und Jesus Christus war nach Worten Benedikts XVI. die göttliche Liebe.

„Dieselbe Liebe, die den Sohn Gottes dazu drängte, sich zu erniedrigen und bis zum Tod am Kreuz gehorsam zu sein, drängte dann auch die Apostel und Märtyrer dazu, das Leben für das Evangelium hinzugeben.“

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Liebe Brüder und Schwestern!

Am Tag nach Weihnachten lässt uns die Liturgie die Geburt des ersten Märtyrers für den Himmel feiern, des heiligen Stephanus. „Erfüllt vom Heiligen Geist“ (Apg 6,5), wurde er zusammen mit sechs weiteren Jüngern aus dem griechischen Kulturraum zum Diakon der Jerusalemer Gemeinde gewählt. Durch die der Kraft, die ihm von Gott zuteil wurde, wirkte Stephanus zahlreiche Wunder und verkündete in den Synagogen das Evangelium „mit Weisheit und Geist“. Er wurde vor den Toren der Stadt gesteinigt und starb, indem er wie Jesus für seine Mörder um Vergebung bat (vgl. Apg 7,59-60). Das tiefe Band, das Christus mit seinem ersten Märtyrer Stephanus vereint, ist die göttliche Liebe: Dieselbe Liebe, die den Sohn Gottes dazu drängte, sich zu erniedrigen und bis zum Tod am Kreuz gehorsam zu sein (vgl. Phil 2,6-8), drängte dann auch die Apostel und Märtyrer dazu, das Leben für das Evangelium hinzugeben.

Dieses Unterscheidungsmerkmal des christlichen Martyriums muss immer wieder neu betont werden. Es ist ausschließlich ein Akt der Liebe zu Gott und zu den Menschen, die Verfolger eingeschlossen. Deshalb bitten wir heute in der Messe den Herrn darum, dass er uns lehre, „dass auch wir unsere Feinde lieben und so das Beispiel des heiligen Stephanus nachahmen, der sterbend für seine Verfolger gebetet hat“ (Tagesgebet).

Wie viele Söhne und Töchter der Kirche sind im Lauf der Jahrhunderte diesem Beispiel gefolgt! Von der ersten Verfolgung in Jerusalem bis hin zu jenen der römischen Kaiser und zu den Scharen von Märtyrern unserer Tage. Nicht selten nämlich erreichen uns aus verschiedenen Teilen der Welt Nachrichten von Missionaren, Priestern, Bischöfen, Ordensmännern, Ordensfrauen und gläubigen Laien, die verfolgt, eingekerkert, gefoltert, ihrer Freiheit beraubt oder an deren Ausübung gehindert werden, da sie Jünger Christi und Apostel des Evangeliums sind. Manchmal leidet und stirbt man auch aufgrund der Gemeinschaft mit der universalen Kirche und wegen der Treue zum Papst.

In meiner Enzyklika Spe salvi habe ich an die Erfahrung des vietnamesischen Märtyrers Paul Le-Bao-Thin († 1857) erinnert (vgl. 37), und zwar mit dem Hinweis darauf, dass durch die Kraft der aus dem Glauben kommenden Hoffnung das Leid in Freude verwandelt wird. Der christliche Märtyrer „nimmt – wie Christus und durch die Einheit mit ihm – (den Tod) von innen her an und verwandelt ihn in eine Tat der Liebe. Was von außen her brutale Gewalt ist…, wird von innen her ein Akt der Liebe, die sich selber schenkt, ganz und gar… Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben“ (Predigt auf der Ebene von Marienfeld, Köln, 21. August 2005). Der christliche Märtyrer setzt den Sieg der Liebe über Hass und Tod in die Tat um.

Beten wir für alle, die aufgrund der Treue zu Christus und seiner Kirche leiden. Die allerseligste Jungfrau Maria, Königin der Märtyrer, möge uns helfen, glaubhafte Zeugen des Evangeliums zu sein und unseren Feinden mit der entwaffnenden Kraft der Wahrheit und der Liebe zu antworten.

[Nach dem Angelus-Gebet wandte sich der Heilige Vater an die Pilger aus dem deutschsprachigen Raum und sagte:]

Einen weihnachtlichen Gruß richte ich an alle Pilger und Besucher deutscher Sprache. Die Kirche gedenkt heute eines Glaubenszeugen „der ersten Stunde“, des heiligen Diakons und Märtyrers Stephanus. Damit ruft sie uns auf, nicht in der Hirtenidylle stehen zu bleiben, sondern wie Stephanus missionarisch zu sein und von dem Wunder des sich uns nahenden Gottes Zeugnis zu geben. Zu dieser weihnachtlichen Haltung ermutige ich euch, liebe Freunde, und wünsche euch von Herzen den Segen des Göttlichen Kindes für euch und eure Familien.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]