Aufruf Benedikts XVI. zur eucharistischen Anbetung

Sie gestattet es, „die Fähigkeit zu innerer Stille und Sammlung wiederzugewinnen“

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ROM, 11. Juni 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Sonntag zum Angelus gehalten hat.



Im Mittelpunkt der Ausführungen des Heiligen Vaters stand die Eucharistie. Papst Benedikt XVI. ermutigte die Gläubigen dazu, die eucharistische Anbetung zu pflegen; sie „verlängert und verstärkt das, was in der liturgischen Feier geschehen ist, und ermöglicht eine wahre und tiefe Aufnahme Christi“.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Das heutige Hochfest des Leibes und Blutes Christi, das im Vatikan und in anderen Nationen schon am vergangenen Donnerstag gefeiert worden ist, lädt uns ein, das höchste Geheimnis unseres Glaubens zu betrachten: die allerheiligste Eucharistie, die wirkliche Gegenwart des Herrn Jesus Christus im Altarsakrament. Jedes Mal, wenn der Priester das eucharistische Opfer erneuert, wiederholt er im Gebet der Konsekration: „Das ist mein Leib…, das ist mein Blut.“ Er sagt dies, indem der die Stimme, die Hände und das Herz Christus leiht, der unter uns bleiben und das pochende Herz der Kirche sein wollte. Aber auch nach der Feier der göttlichen Geheimnisse bleibt der Herr Jesus lebendig im Tabernakel; deshalb wird er besonders mit der eucharistischen Anbetung gepriesen, woran ich im jüngsten Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Sacramentum caritatis (Nr. 66-69) erinnern wollte. Ja, mehr noch: Es gibt da ein inniges Band zwischen der Feier und der Anbetung: Die Heilige Messe ist nämlich in sich selbst der größte Akt der Anbetung der Kirche: „Niemand esse von diesem Fleisch“ – schreibt der heilige Augustinus –, „ohne es vorher angebetet zu haben“ (Enarr. in Ps. 98,9: CCL XXXIX, 1385). Die Anbetung außerhalb der Heiligen Messe verlängert und verstärkt das, was in der liturgischen Feier geschehen ist, und ermöglicht eine wahre und tiefe Aufnahme Christi.

Heute findet dann in allen christlichen Gemeinden die eucharistische Prozession statt, eine einzigartige Form der öffentlichen Anbetung der Eucharistie, die durch schöne und traditionelle Kundgebungen der Volksverehrung bereichert wird. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, die mir das heutige Hochfest bietet, um lebhaft den Hirten und allen Gläubigen die Praxis der eucharistischen Anbetung zu empfehlen. Ich bringe meine Wertschätzung gegenüber den Instituten geweihten Lebens wie auch den Vereinigungen und Bruderschaften zum Ausdruck, die sich ihr in besonderer Weise widmen: Sie stellen einen Aufruf zur zentralen Stellung Christi in unserem persönlichen und kirchlichen Leben dar, der an alle ergeht. Ich freue mich des weiteren darüber, dass viele junge Menschen die Schönheit der sowohl persönlichen als auch gemeinschaftlichen Anbetung entdecken. Ich lade die Priester dazu ein, die Jugendgruppen darin zu ermutigen, sie aber auch zu begleiten, damit die Formen der gemeinschaftlichen Anbetung immer angebracht und würdig seien, mit angemessenen Zeiten der Stille und des Hörens des Wortes Gottes. Im heutigen Leben, das oft lärmend ist und in der Zerstreuung verläuft, ist es wichtiger denn je, die Fähigkeit zu innerer Stille und Sammlung wiederzugewinnen. Die eucharistische Anbetung gestattet es, dies nicht nur um das Ich herum zu tun, sondern auch in Gemeinschaft mit jenem Du, das voller Liebe ist: Jesus Christus, „der uns nahe Gott“.

Die Jungfrau Maria, eucharistische Frau, möge uns in das Geheimnis der wahren Anbetung einführen. Ihr demütiges und einfaches Herz betrachtete stets das Geheimnis Jesu, in dem es die Gegenwart Gottes und die Gegenwart seiner erlösenden Liebe anbetete. Durch ihre Fürsprache möge in der ganzen Kirche der Glaube an das eucharistische Geheimnis, die Freude über die Teilnahme an der Heiligen Messe - vor allem am Sonntag - und der Schwung wachsen, um Zeugnis abzulegen von der unendlichen Liebe Christi.

[Nach dem Gebet des „Engel des Herrn“ erklärte der Heilige Vater auf Italienisch:]

Oft erreichen mich bedauerlicherweise Anfragen, mich für Menschen einzusetzen - unter ihnen auch katholische Priester -, die aus unterschiedlichen Gründen und in verschiedenen Teilen der Welt als Opfer von Entführungen gefangen gehalten werden. Ich trage alle im Herzen, gedenke aller in meinem Gebet und denke dabei unter anderem an jenen schmerzvollen Fall in Kolumbien. Ich richte meinen flehentlichen Appell an die Verantwortlichen derartig verdammenswerter Handlungen, damit sie sich des vollbrachten Übels bewusst werden und so bald als möglich alle, die sie gefangen halten, jenen Menschen zurückerstatten, die sie lieben. Ich vertraue die Opfer dem mütterlichen Schutz der allerseligsten Maria, Mutter aller Menschen, an.

[An die Pilger aus dem deutschen Sprachraum gewandt, sagte Benedikt XVI.:]

Mit Freude heiße ich die Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache willkommen. Zu Fronleichnam haben wir in besonderer Weise die bleibende Gegenwart Christi im Sakrament des Altares gefeiert. In wenigen Tagen, am Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, schauen wir auf Jesus Christus, der uns die Liebe Gottes offenbart. In seinem göttlichen Herzen wissen wir uns geborgen. Vertrauen wir stets auf seine helfende Nähe! Der Herr segne und behüte euch und eure Familien.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana]