Aufruf der österreichischen Bischöfe zum Schutz des Lebens von Menschen mit Behinderungen

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WIEN, 7. März 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Erklärung, die die österreichischen Bischöfe aus Anlass des vielkritisierten Urteils des Obersten Gerichtshofs (OGH) zum Schadenersatzanspruch für ein behindert geborenes Kind in Kärnten verfasst haben. Sie appellieren in dem heute veröffentlichten Dokument an die Politiker, sich umgehend für Bestimmungen einzusetzen, die aus Kindern keinen "Schadensfall" machen.


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Kinder sind kein Schadensfall

Neuerlich hat der Oberste Gerichtshof eine Entscheidung gefällt, die eine in der Gesellschaft ohnehin verbreitete Haltung stützt, das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung in Frage zu stellen. Den Eltern eines behinderten Kindes, dessen Behinderung von einer Krankenhausärztin während der Schwangerschaft nicht erkannt worden war, wurde der Ersatz sämtlicher Lebensunterhaltskosten für das Kind zugesprochen. Auch wenn der sechsjährige Bub nicht so aufgeweckt und intelligent wäre, wie er es nach den Medienberichten offensichtlich ist, wäre er trotzdem kein "Schadensfall".

Die Entscheidung ist folgenschwer. Denn Ärzte könnten in Zukunft noch mehr darauf drängen, dass beim geringsten Anzeichen der Möglichkeit einer Behinderung des ungeborenen Kindes eine Abtreibung erfolgt, um "Schadenersatzzahlungen" vorzubeugen. Dadurch werden "Angstdiagnosen" gegen ungeborene Kinder gefördert und die Eltern weiteren Verunsicherungen ausgesetzt.

Die österreichischen Bischöfe sind über diese Entwicklung zutiefst besorgt und appellieren an den Gesetzgeber, umgehend Bestimmungen umzusetzen, die das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung sicherstellen und Schadenersatzzahlungen aus der Tatsache der Geburt eines Menschen verunmöglichen.

Die einmalige Würde und das Lebensrecht jedes Menschen scheint vielen nicht mehr ganz bewusst zu sein, was in unserer Gesellschaft zu einer sehr großen Bedrohung werden kann.

[Von der Österreichischen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]