Aufrüttelnde Dokumentation: „La valigia con lo spago - Der Koffer mit der Paketschnur“

Das Schicksal der Migranten geht alle an

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Von Angela Reddemann



ROM, 30. Juni 2009 (ZENIT.org).- Die aufrüttelnde Dokumentarfilmserie „La valigia con lo spago - Der Koffer mit der Paketschnur" wird jetzt in Italien ausgestrahlt. Der dramatische Bericht über das Schicksal von Emigranten aus aller Welt bringt Menschen zum sprechen, die wissen, was es bedeutet, wenn Hoffnung sich in Leid und Schmerz verwandelt.

Der vierteilige Dokumentarfilm „Der Koffer mit der Paketschnur", den der italienische Fernsehsender RAIUNO vorgestern, Montag zum ersten Mail im Abendprogramm ausstrahlte, führt in alle Welt: nach Argentinien, Moldawien, in die Slowakei, nach Frankreich, England, Spanien, Italien, die USA, Kanada, Thailand. Überall dorthin, wo das Drama der Migranten zwar unterschiedlich ist, im Grunde aber doch gleich und zutiefst menschlich, und wo unsere einzige Aufgabe als Bürger, Fernsehzuschauer, Christen darin besteht, dies zu erkennen, unseren Blick darauf zur richten und die Menschen aufzunehmen, wie wir selbst durch die Begegnung mit dem Glauben aufgenommen wurden, die unser Leben bestimmt.

Es geht um Amerika, wo der amerikanischen Traum heute nicht mehr existiert, obschon jedes Jahr Tausende Menschen versuchen, die Wüste zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten zu durchqueren; und auf dieser Reise begegnen die meisten dem Tod, wie Lucrezia, die das wenige Wasser, das sie hatte, ihren Kindern Jesus und Nora gab und sie damit vor dem Tod bewahrte, dabei aber selber starb.

Der Traum ist zerbrochen: Man lebt als illegaler Zuwanderer in einem Land, für das man viel getan hat, wo man Immigration und Gewalt aus nächster Nähe gesehen hat. In Moldawien ist das größte Problem die große Anzahl der allein gelassenen Kinder. Rund 900.000 sind es jedes Jahr, die von ihren Eltern auf der Suche nach Auskommen und Wohlstand verlassen werden. Diese Eltern kehren nicht mehr zurück: weil sie sich schämen, oder weil sie selber Opfer von kriminellen Delikten wurden.

Vor allem sind es Frauen, die Opfer der Maschinerie des Menschenhandels werden. Sie stammen aus allen Ländern und müssen nur jung und schön sein. Sie müssen sexuelle Ausbeutung über sich ergehen lassen.

Die Serie: „Der Koffer mit der Paketschnur" soll auch helfen, sich von einigen Vorurteilen zu befreien. Da wären die Mythen im Hinblick auf die Bevölkerung der Roma: eine der Hauptfiguren des Programms ist eine junge Frau, die vor ihrer Roma-Familie floh. Sie berichtet von einem Drama, das nur wenige verstehen können: „Keiner von uns wird als Dieb oder als Prostituierte geboren. Sie machen uns mit Gewalt dazu."

Gewalt auch in der eigenen Familie, denn Kriminalität ist nicht nur ein Problem der Strukturen, so lehrt diese Filmserie, sondern eine Frage der Erziehung.

In einer Welt des Leids und der Schwierigkeiten gibt es jedoch auch immer wieder einen Hoffnungsschimmer. Das Zeugnis christlicher Nächstenliebe leuchtet in der Mission von Bruder Biagio Conte in Palermo oder von Pater Josaphat auf, der in Spanien unter den Zigeunern arbeiten. Alles Beispiele, die zeigen wollen, dass Fremde und ihre Andersartigkeit keine Bedrohung sein müssen. Es ist der gegenseitige Austausch, der durch Liebe, Selbstlosigkeit, Teilen auch bereichernd werden kann.

Jeder kann zum Mitarbeiter des Friedens, der Gerechtigkeit, der Solidarität und der Gleichheit werden. Dafür, so lehrt die Filmserie, braucht es eine neue Wahrnehmung. Wer im Antlitz des Migranten das Antlitz Jesu zu sehen vermag, der selbst auf der Flucht nach Ägypten Migrant war, fühlt sich gerufen, es ihm gleichzutun: Sein Leben kann zu einer Suche und einem Bejahen der Menschenwürde werden.

Dies ist der Grundgedanke der Dokumentarserie „Der Koffer mit der Paketschnur". Und bei diesem Abendteuer leiten uns die Worte von Kardinal Josef Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI.: „Das Verständnis für Menschen am Rand der Gesellschaft, am Rand der Kirche, für die Gescheiterten und Not Leidenden, für diejenigen, die Fragen stellen, für die Entmutigten und Verlassenen, damit Vertrauen entsteht, und der Wille, sich gegenseitig zu helfen, das ist der wahre Kern der christlichen Moral."

Text und Regie des Dokumentarfilms „La valigia con lo spago" („Der Koffer mit der Paketschnur") stammen von Luca de Mata, die Filmmusik vom jungen Komponisten Aurelio Canonici.