Aufstand gegen die natürliche Realität der menschlichen Natur und dessen Folgen

Wenn das natürliche Geschlecht zur Phantasie wird

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Von Jan Bentz

ROM, 9. November 2012 (ZENIT.org). „Männer und Frauen gibt es gar nicht. Das Geschlecht ist eine Phantasie, etwas, das wir nur deswegen glauben, weil es uns so oft gesagt wird.“ (S. 82). So fasst Gabriele Kuby in ihrem Buch „Die globale sexuelle Revolution“ die Kernaussage der „Chefideologin“ der Gender-Theorie, Judith Butler, Inhaberin des Hannah-Arendt-Lehrstuhls für Philosophie an der European Graduate School in der Schweiz, zusammen. Deren Buch „Gender Trouble –Feminism and the Subversion of Identity“ aus dem Jahr 1990 (1991 in deutscher Übersetzung als „Das Unbehagen der Geschlechter“ im Suhrkamp-Verlag erschienen) gilt als Grundlagenwerk der Gender-Ideologie. Hier äußert die sich als lesbisch bekennende Autorin in philosophisch verbrämter, schwer verständlicher Terminologie ihre Absicht, die „Zwangsheterosexualität“, den Phallogozentrismus“, die starren „hierarchischen sexuellen Codices“ wirksam zu de-regulieren und die Geschlechter-Kategorien stören und aufheben zu wollen; eine Absicht, die immer weiter erfolgreich in die Tat umgesetzt wird, wenn man den von Gabriele Kuby zusammengetragenen Fakten Glauben schenken darf.

Sie zeigt umfassend recherchiert und belegt auf, welche Folgen diese, alle gesellschaftlichen Bereiche bereits durchdringende, geistige Vergiftung heute schon gezeitigt hat, mit Beispielen faktischer Aufhebung des Erziehungsrechts von Eltern (Schul-Sexualkunde) bis zur Definition der „Abtreibung als Menschenrecht“. Menschenrechtsverletzungen könnten nur noch geahndet werden, wenn sie genderkonform sind, heißt es in dem Buch.

Kuby stellt diesen Totalitarismus der Gender-Ideologie in den Zusammenhang mit einer globalen sexuellen Revolution, die sich Schritt für Schritt in unsere Gesellschaft eingeschlichen habe und heute ungehindert alle Bereiche der Gesellschaft und der Politik durchdringe. Aus der Revolution sei „inzwischen ein gewaltiges gesellschaftliches Umerziehungsprogramm geworden, welches die Voraussetzungen einer freiheitlichen Gesellschaft zerstört und zunehmend totalitäre Züge annimmt.“

Zur Vertiefung schildert sie in einem historischen Abriss die Entwicklung des sexuellen Umbruchs von der Französischen Revolution, über Malthusianismus bis hin zu Margaret Sanger und der Eugenik-Bewegung, wobei auch die Rolle von Gestalten wie Karl Marx, Friedrich Engels, Sigmund Freud, Kinsey und Simon de Beauvoir aufgezeigt wird. Die Ideologien dieser Denker der Studentenrebellion der 68er Jahre seien durch den „Marsch durch die Institutionen“ der Verfechter bereits in die Gesellschaft hineingetragen worden.

Zentrale Themen in diesem Zusammenhang sind Feminismus, Pornographie und homosexuelle Partnerschaften. Ausführlich wird der Einfluss politischer Institutionen wie der Vereinten Nationen, der Yogyakarta-Prinzipien, der EU und wirtschaftlicher Gruppen dargelegt. Kuby deckt die Sprache der Schlüsselbegriffe und ideologisierten Sprachhülsen als Instrument der Umsetzung dieser Revolution auf.

Auf der Grundlage, dass jede Kultur in der Geschichte „die Überschreitung ihrer sexuellen Normen bestraft“, was in der Notwendigkeit, den Bereich der Sexualität zu schützen, seine Wurzel habe, hebt sie hervor, dass sich das Blatt heute schlichtweg gewendet habe: „Die Auflösung der moralischen Normen wird erzwungen und Widerstand mit Ausgrenzung und juristischen Sanktionen geahndet.“

Ein Teil der jüngeren Entwicklung innerhalb der Gender-Ideologie sei die Abschaffung von geschlechtsspezifischen Rollen, die als Gleichberechtigung der Frau getarnt werden. Das Gender-Mainstreaming habe sich in den Bildungseinrichtungen, vor allem in Schulen, und bereits sogar in Kindergärten ausgebreitet. Vehikel der Ideologie sei vor allem die Sprache, der Ausdruck der menschlichen Vernunft, die Begriffe verdächtig mache –Beispiel: Keuschheit-, positive Begriffe mit neuem Inhalt fülle ‑Beispiel: Vielfalt ‑, und neue Begriffe erfinde –Beispiele: Gender und Homophobie.

Pornographie wird einmal mehr als globale Seuche mit hohem Suchtpotential entlarvt. Kuby zitiert die einschlägigen Studien, wobei sie die einzelnen Schritte der Perversion aufführt: früher Kontakt mit Pornographie, Sucht, Eskalation, Desensibilisierung, Ausagieren. Die Pop-Kultur stütze sich zunehmend auf Tabu-Brüche als Verkaufsstrategie und löse damit eine Welle zunehmend krasser und perverserer Inhalte aus.

Ein Verdienst der Autorin ist es, die tiefe moralische Heuchelei durch die Einführung unmoralischer Pseudowerte und Praktiken unter Vorwand der Verteidigung von Menschenrechten, Freiheit und Gleichberechtigung aufzuzeigen. Sie beschreibt den gesetzlichen und gesellschaftsmoralischen Umsturz, der mit Gewalt gegen den eher ahnungslosen Bürger durchgesetzt wird, und kommentiert zu Recht, dass die Wirkungen dieser tiefgreifenden Revolution noch gar nicht abzusehen seien. Als bereits existierende konkrete Beispiele nennt sie psychische Krankheiten und Neurosen, die sich schon heute in unserer Gesellschaft ausbreiteten.

Das Buch berührt also einen sehr aktuellen und wunden Punkt unserer Zeit. Nach unvoreingenommenem Lesen der vorgestellten Ergebnisse kann man sich zumindest nicht mehr mit der Ausrede „Ich habe nichts davon gewusst“ rechtfertigen, wenn man mit den Folgen konfrontiert wird.

„Der Begriff der normativen Normalität ist unverzichtbar, wenn es um den Umgang mit Lebensvorgängen geht. Irrtümer auf diesem Feld sind lebensgefährlich für die Menschheitsfamilie“, so Prof. Dr. Robert Spaemann in seinem Geleitwort. Damit es keine Anormalität mehr gebe, werde der Begriff des Normalen tabuisiert. „Dass Gabriele Kuby den Mut hat, die Bedrohung unserer Freiheit durch eine antihumanistische Ideologie beim Namen zu nennen, bringt ihr möglicherweise Feindseligkeit, ja sogar Hetze ein. Sie hat stattdessen für ihre Aufklärungsarbeit unser aller Dank verdient.“

Buchtipp:
Gabriele Kuby
Die globale sexuelle Revolution

FE-Medienverlag, 2012, 453 Seiten
19,95 €