Aufstieg und Abstieg

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 491 klicks

Am heutigen 2. Fastensonntag zeigte sich Papst Franziskus um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Heilige Vater die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heutige Evangelium legt uns das Verklärungsereignis vor. Dabei handelt es sich um die zweite Etappe des Weges durch die Fastenzeit, dessen erster Teil – die Versuchung in der Wüste – am vergangenen Sonntag Gegenstand unserer Betrachtung war. „Sechs Tage danach nahmJesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg“ (Mt 17,1). In der Bibel symbolisiert der Berg den Ort der Nähe Gottes und der innigen Begegnung mit ihm; den Ort des Gebetes in der Gegenwart des Herrn. Dort oben am Berg zeigt sich Jesus seinen drei Jüngern verklärt, leuchtend, wunderschön; dann erscheinen Mose und Elia und sprechen mit ihm. Sein hellesAntlitz und seine blendend weißen Kleider üben eine so starke Faszination auf Petrus aus, dass er dort bleiben möchte, als wolle er die Zeit anhalten. Doch sofort erklingt die Stimme des Vaters aus der Höhe, der Jesus mit den folgenden Worten als seinen bevorzugten Sohn zu erkennen gibt: „Auf ihn sollt ihr hören“ (V. 5). Dieser Satz ist wichtig! Unser Vater sagte zu diesen Aposteln und zu uns: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören“. Lasst uns diese Worte im Laufe dieser Woche in unserem Gedächtnis und in unseren Herzen bewahren: „Auf ihn sollt ihr hören!“ Nicht der Papst, sondern Gott Vater richtet sie an uns, an uns alle: an mich, euch alle, an alle Menschen! Sie sind gleichsam eine Hilfe für die Fortsetzung unseres Weges durch die Fastenzeit. „Hört auf Jesus!“ Vergesst sie nicht.

Diese Aufforderung des Vaters ist von großer Bedeutung. Wir Jünger Jesu sind dazu berufen, Menschen zu sein, die auf eine Stimme hören und sich seine Worte zu Herzen zu nehmen. Um Jesus zu hören muss man ihm nahe stehen und ihm nachfolgen; so wie die Menschenmengen aus dem Evangelium, die ihm durch die Straßen Palästinas hinterherging. Jesus besaß keine festen Lehrstühle oder Kanzeln. Vielmehr wirkte er als Wanderprediger, der seine vom Vater stammenden Lehren entlang der Straßen erteilte und zuweilen unvorhersehbare und nicht immer einfache Wege einschlug. Es gilt, Jesus nachzufolgen um ihn zu hören. Ebenso spricht Jesus aber auch aus dem schriftlich fixierten Wort, dem Evangelium, zu uns. Ich stelle euch die folgende Frage: Lest ihr jeden Tag einen Abschnitt aus dem Evangelium? Ja, nein … ja, nein … Gleichstand … Manche schon und andere nicht. Es ist aber wichtig! Lest ihr das Evangelium? Es ist eine Wohltat; es tut gut, ein kleines Evangelium bei sich in der Tasche zu haben und sich in jedem beliebigen Moment des Tages einem kurzen Abschnitt daraus zu widmen. Während des Tages kann ich das Evangelium jederzeit aus meiner Tasche hervorholen und eine Stelle daraus lesen. Jesus spricht zu uns aus dem Evangelium! Denkt daran. Es ist nicht schwierig und es müssen nicht einmal alle vier sein: Es ist ausreichend, immer ein kleines Evangelium bei uns zu tragen, damit wir das Wort Jesu hören können.

Ich möchte nun zwei bedeutsame Elemente der Episode der Verklärung herausstellen und in zwei Worten zusammenfassen: Aufstieg und Abstieg. Wir müssen uns an einen Rückzugsort begeben, auf den Berg steigen, in einen Raum der Stille eintreten, um uns selbst zu finden und die Stimme des Herrn besser wahrzunehmen. Wir können allerdings nicht für immer dort bleiben. Die Begegnung mit Gott im Gebet drängt uns erneut zum „Abstieg vom Berg“ und zur Rückkehr in die Ebene, wo wir den vielen Brüdern und Schwestern begegnen, auf denen Mühen, Krankheiten, Ungerechtigkeit, Unwissen, materielle und spirituelle Armut lasten. Wir sind dazu berufen, diesen mit Schwierigkeiten konfrontierten Brüdern und Schwestern die Früchte unserer Erfahrung mit Gott zu bringen und die empfangene Gnade mit ihnen zu teilen. Das ist bemerkenswert. Wenn wir Menschen das Wort Jesu vernehmen und es in unseren Herzen spüren, wächst dieses Wort in uns. Wisst ihr, auf welche Weise sich dieses Wachstum vollzieht? Das Wort wächst dadurch, dass wir es anderen schenken! Das Wort Christi wächst in uns, indem wir es verkündigen, indem wir es weitergeben! Darin besteht das christliche Leben. Es handelt sich dabei um eine Sendung für die gesamte Kirche, für alle Getauften, für uns alle: Lasst uns Jesus anhören und ihn anderen schenken. Vergesst nicht darauf, in dieser Woche auf Jesus zu hören! Und erinnert euch an die Empfehlung bezüglich des Evangeliums: Werdet ihr daran denken? Am kommenden Sonntag werdet ihr mir darüber berichten, ob es euch gelungen ist, ein kleines Evangelium in der Tasche mitzuführen, um im Laufe des Tages einen kurzen Abschnitt daraus zu lesen.

Wenden wir uns nun an unsere Mutter Maria. Überlassen wir uns vertrauensvoll ihrer Führung, um den Weg durch diese Fastenzeit erfüllt vom Glauben und Opferbereitschaft fortsetzen zu können mit dem Ziel, den „Aufstieg“ durch das Gebet und das Anhören Jesu sowie den „Abstieg“ durch die Verkündigung Jesu in brüderlicher Nächstenliebe.

[Nach dem Angelus:]

Brüder und Schwestern!

Seid willkommen, ihr lieben Pilger und Gläubigen aus Rom!

Saludo a los peregrinos de Valencia, España; sowie die Gruppen aus Mannheim (Deutschland) und Skara (Schweden).

Meinen Gruß und meinen Dank richte ich an die Musikkapellen und Chöre aus den Regionen Piemont,  Ligurien, Emilia-Romagna und Toskana, und die jeweiligen Vertreter des öffentlichen Lebens.

Ein Gedanke gilt der von Don Oreste Benzi gegründeten Gemeinschaft Papst Johannes XXIII., die am kommenden Freitagabend einen besonderen „Kreuzweg“ für die dem Menschenhandel zum Opfer gefallenen Frauen. Sie leisten gute Arbeit!

Ich rufe euch dazu auf, die Passagiere und die Besatzung des Flugzeugs aus Malaysia und deren Familienmitglieder in eure Gebete einzuschließen. Wir sind ihnen in diesem schwierigen Augenblick nahe.

Ich begrüße die Gruppen aus den Pfarrgemeinden, besonders die Gläubigen aus Giave, Liedolo, San Prospero, Sorrento, Codogno und Unserer Lieben Frau vonCzęstochowain Rom und die Minimitinnen vom Heiligsten Herzen.

Herzlich willkommen heiße ich die zahlreichen Schulen aus vielen Teilen Italiens und aus anderen Ländern – es ist mir nicht möglich, sie alle einzeln anzuführen! – Ich möchte jedoch auf die katholische Schule „Mar Qardakh“ aus Erbil, Kurdistan, hinweisen. Lasst uns ihrer gemeinsam gedenken: Unsere geographische Distanz zu ihr ist groß, doch in unserem Herzen sind wir ihr nahe. Ebenso sei an jene der Diözese London in Ontario, Kanada, erinnert.

Ich begrüße die jungen Menschen der Gesellschaft San Vincenzo De Paoli, den Rotary Club von Massafra-Mottola, die Jugendlichen aus Calcio und None sowie die Kinder aus Soliera und San Felice sul Panaro.

Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!