Augsburg: Aktiv an der Kirche mitgestalten

Zwei Ehrenamtliche im Blick

Augsburg, (Bistum Augsburg) | 218 klicks

Der 16. Februar wird für rund 8.000 Gläubige aus dem Bistum Augsburg ein spannender Tag werden: als Kandidaten stellen sie sich zur Wahl für den Pfarrgemeinderat. Bayernweit wird an diesem Tag über die Zusammensetzung der Gremien entschieden - für die nächsten vier Jahre. Für zwei Frauen aus der Pfarreiengemeinschaft Großaitingen könnte der Weg nicht unterschiedlicher sein: Martina Kugelmann, 29 Jahre und Antonie Deschler, 60 Jahre – Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Einblicke. 

Den letzten Weg in ihrem Amt hat Antonie Deschler (60 Jahre) zu Fuß genommen. Ganz bewusst anders wie sonst, sagt sie. „In diesem Amt ist dies dein letzter Weg“, habe sie sich auf dem Weg zu ihrer letzten Pfarrgemeinderatssitzung gedacht, ein komisches Gefühl sei das gewesen, aber wehmütig, nein wehmütig sei sie dabei nicht gewesen. Zwölf Jahre lang war Antonie Deschler im Pfarrgemeinderat der Gemeinde Wehringen aktiv, acht Jahre davon auch als Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Pfarrei, die ein Teil der Pfarreiengemeinschaft Großaitingen, ist – einer rund 5000-Einwohner-Gemeinde zwischen Augsburg und Landsberg. Für die kommende Wahlperiode lässt sich Antonie Deschler zum ersten Mal nicht mehr für das Gremium aufstellen. „Mein Terminkalender war in den letzten Jahren immer voll. Jetzt muss einfach mal die Familie drankommen, meine zwei Enkel“, sagt sie lachend, ein bisschen verlegen, fast entschuldigend.

Die Aufgaben, die Antonie Deschler zusammen mit den anderen Mitgliedern all die Jahre übernommen hat, waren vielseitig: „In der Sitzung haben wir die Termine des Kirchenjahrs besprochen und koordiniert, haben Gottesdienstpläne erarbeitet und Ideen gesammelt, wie wir das Glaubensleben in der Gemeinde aktiv halten und neu für die Menschen attraktiv machen können.“ An eine Initiative des Pfarrgemeinderats erinnert sich Antonie Deschler dabei besonders gern zurück: „Vor rund sieben Jahren haben wir damit angefangen, jeden Täufling in unserer Gemeinde persönlich zu besuchen, ihm ein Kreuz zu überreichen und ihn dadurch willkommen zu heißen in unserer Pfarrei. Nach drei Jahren laden wir die Familien dann noch mal zu einem Tauferinnerungsgottesdienst und gemütlichem Beisammensein ein.“ Viele Freundschaften seien dadurch schon entstanden, zwischen den Familien, zwischen Eltern und Kindern und mittlerweile sei die Aktion auch schon zu einer festen Institution in Wehringen geworden, schildert Deschler.

Erfolgsgeschichten wie diese sind Aktionen, an denen viel Organisation und Arbeit hängt, das weiß Antonie Deschler aus jahrelanger Erfahrung: „Feste im Kirchenjahr, besondere Veranstaltungen, da hängt einfach sehr viel Arbeit dran - Arbeit, die von Außen meist gar nicht zu sehen ist, viel Planen, Telefonieren, Organisieren, ich habe viele Vormittage einfach nur vor dem Computer verbracht“, erzählt sie. In ihrer Funktion als Pfarrgemeinderatsvorsitzende hat sie sich dabei immer als Bindeglied zwischen Pfarrei und Pfarrer, als Ansprechpartnerin für die Gläubigen verstanden. Eines sei ihr dabei über all die Jahre immer wichtig gewesen: Das Ohr bei der Gemeinde zu haben, die Wünsche und Sorgen der Gläubigen mit in die Arbeit im Pfarrgemeinderat zu nehmen, betont sie.

Ähnliches hat auch Martina Kugelmann (29 Jahre) für die kommende Wahlperiode im Pfarrgemeinderat in Großaitingen vor. Seit den letzten Wahlen vor vier Jahren ist Kugelmann im Gremium aktiv. Warum sie das tut? „Ich will aktiv an der Kirche mitgestalten“, sagt die junge Bürokauffrau, „hier kann ich mich für andere einbringen“. Und außerdem, überlegt sie kurz, gebe ihr das auch etwas für’s eigene Leben, „eine Menge Erfahrungen und einen gewissen Halt, vielleicht“, versucht sie zu beschreiben.

Gelernt hat auch Antonie Deschler in all den Jahren eine ganze Menge: „Ich erinnere mich noch gut an meine erste Sitzung als Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Da brach bei mir das große Flattern aus, man muss die Sitzung ja leiten“, beschreibt sie, „zusätzlich muss man plötzlich Reden halten, in der Öffentlichkeit sprechen“, das sei am Anfang wirklich schwer gewesen für sie. Doch eines habe ihr da immer Halt gegeben: „Ich habe mein Tun unter das Wirken des Heiligen Geistes gestellt. Ich habe mir gedacht, wenn Gott einem ein Amt gibt, hilft er auch, dass man damit zurechtkommt.“ 

Eine Angst vor dem Scheitern hatte Martina Kugelmann nie, die Gemeinschaft habe ihr immer Sicherheit gegeben, betont sie: „Bei uns in Großaitingen ist das ein harmonisches Miteinander, einfach eine tolle Gemeinschaft zwischen Jung und Alt“, sagt Kugelmann, die trotz ihres jungen Alters unter den diesjährigen Kandidaten für die Pfarrgemeinderatswahl nicht heraussticht. Rund zehn junge Menschen – allesamt Anfang bis Ende 30 – möchten sich in den kommenden vier Jahren im Pfarrgemeinderat der Gemeinde einbringen. Ob es ein Geheimrezept dafür gibt? „Nein“, sagt Pfarrer Hubert Ratzinger und überlegt, „mir ist es einfach wichtig, dass die Jugendlichen in die Gemeinde eingebunden sind, dass es viele Angebote für junge Menschen gibt.“ Jugendgottesdienste, Gebetsstunden, Ministrantenwahlfahrten, Jugendfreizeiten und viele andere liturgische Angebote, zählt Pfarrer Ratzinger als Beispiele auf. „Dass sich jetzt auch so viele junge Leute bereit erklärt haben, ihre Fähigkeiten im kirchlichen Bereich einzubringen, freut mich natürlich sehr“, betont er.

Für Martina Kugelmann spielt das Alter der Mitglieder hingegen nur eine Nebenrolle: „Mir ist es wichtig, dass nicht nur junge Leute, sondern Menschen aus jeder Schicht und jedem Alter im Pfarrgemeinderat vertreten sind. Verschiede Blickweisen auf unterschiedliche Dinge, verschiedene Interessen sind wichtig“, findet sie.

Ob die junge Bürokauffrau ihre Blickweisen auch in Zukunft in den Pfarrgemeinderat einbringen kann, wird sich am 16. Februar entscheiden. Den Wahltag zitternd verbringen werde sie aber nicht: „Ich werde in die Kirche gehen, dann selbst wählen und einfach abwarten. Wenn mich die Leute wählen, freue ich mich, wenn nicht, ist es vielleicht auch einfach gut so für mich“, sagt sie gelassen.

Für Antonie Deschler wird sich ab dem 16. Februar einiges ändern. Doch eine Sache bestimmt nicht. Als Lektorin, Kommunionhelferin und Wortgotteshelferin wird sie den Weg zur Kirche auch weiterhin ganz regelmäßig nehmen – zu Fuß, per Auto oder vielleicht auch einfach mal mit dem Fahrrad. 

Von: Maria Steber

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg)