„Aus der Kraft des Heiligen Geistes“: Die Charismatische Erneuerung (CE)

Interview mit Dominik Heen, Jugendreferent der CE Deutschland

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ROM, 16. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Die neuen Geistlichen Bewegungen und Gemeinschaften stellen ein junges Potential in der Kirche dar. Seitdem das Zweite Vatikanische Konzil das Vereinigungs- und Koalitionsrecht in der Konstitution Apostolicam actuositatem über das Laienapostolat festgeschrieben hat (vgl. 19) und es kirchenrechtlicht verbrieft wurde, wachsen diese Form von Personenzusammenschlüssen in der Kirche.



Die Arbeitstelle für Jugendpastoral der Deutschen Bischofskonferenz hat einige von diesen Gruppen, Gemeinschaften und Bewegungen, die deutschlandweit beziehungsweise überdiözesan wirken, zu einem jährlichen Perspektivengespräch eingeladen.

ZENIT sprach mit Dominik Heen, dem Jugendreferenten der Charismatischen Erneuerung (CE), über Geschichte und Ziele dieser weltweiten Bewegung, die ihren Ursprung in der USA hat. Charismatische Erneuerung meint unter anderem eine Erneuerung durch die Annahme der von Gott geschenkten Charismen, wie sie im ersten Korintherbrief (Kapitel 12-14) und im Römerbrief (Kapitel 12) beschrieben werden.

Die Charismatische Erneuerung in der Katholischen Kirche ist eine offene Bewegung ohne formelle Mitgliedschaft. Sie sucht das, was sie von Gott empfangen hat, in das Ganze der Kirche und der Gesellschaft einzubringen, um so zu deren Erneuerung beizutragen.

ZENIT: Zu welchem Zweck wurde die Charismatische Erneuerung gegründet? Welche Aspekte sind den Gründern besonders wichtig?

Dominik Heen: Das Interessante an der Charismatischen Erneuerung ist, dass sie nicht von einer oder mehreren Persönlichkeiten gegründet wurde. Der Ursprung der charismatischen Bewegung – überkonfessionell und an vielen Orten gleichzeitig erlebt – liegt im Geschenk der Erfahrung der Gegenwart und Kraft Gottes durch das überraschende Wirken des Heiligen Geist. Er wird als lebendige Gnade der Erlösung und liebende Zuwendung Gottes erfahren.

ZENIT: Welche besonderen Akzente setzt die Jugendarbeit der CE bei der Verbreitung des Evangeliums?

Dominik Heen: Zentrales Anliegen der JCE ist es, Jugendliche aus der Kraft des Heiligen Geistes zu einem Leben mit Jesus Christus in der Kirche zu führen. Dabei sind die oben genannten Kernerfahrungen und die Ausgießung des Heiligen Geistes wesentlich. So wie die Jünger an Pfingsten oder zum Beispiel die Gemeinde in Korinth den Beistand Gottes in vielen Wirkungsweisen, Formen und Gaben erleben durften, so möchten wir auch Jugendliche herausfordern, offen für die Gaben des Heiligen Geistes zu sein.

ZENIT: Sie leben in Ravensburg, arbeiten dort hauptamtlich als Jugendreferent der CE und haben sich seit einigen Jahren auf den Weg mit Jesu in der CE eingelassen. Was hat Sie dazu motiviert?

Dominik Heen: Ich bin in einer gläubigen Familie aufgewachsen, und schon als Kind durfte ich auch die charismatische Spiritualität durch die Jugendarbeit unserer Pfarrgemeinde kennen lernen. Als ich 16 Jahre alt war, erlebte ich die Liebe Gottes, das Wirken des Heiligen Geistes in ganz besonderer Weise. Schon damals wuchs der Wunsch in mir, mich dafür einzusetzen, dass andere Jugendliche ebenfalls die Möglichkeit bekommen, die grenzenlose und Leben verändernde Liebe Gottes zu erfahren.

Gott hat es gefügt, dass ich nun nach meinem Sozialpädagogik- und Religionspädagogikstudium als Jugendreferent hauptamtlich für die CE Deutschland arbeiten darf.

ZENIT: Papst Benedikt XVI. hat die Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen, also auch die charismatische Erneuerung, wiederholt gebeten, die Kirche vor Ort nach Kräften zu unterstützen. Wie setzen Sie das um?

Dominik Heen: Zentral für die Kirche als Volk Gottes ist, dass sich die Menschen von Gott gerufen wissen, sich auf den Weg der gläubigen Nachfolge machen und die von Gott geschenkten Gaben und Fähigkeiten zur Gestaltung der Welt einsetzen. Als CE möchten wir natürlich dazu beitragen, den Ruf Gottes an junge Menschen weiterzugeben, sie in die Jüngerschaft zu führen und sie herausfordern, die Charismen zu entfalten, wie sie unter anderem im ersten Korintherbrief beschrieben werden.

Dazu veranstalten wir Wochenendseminare in vielen Regionen Deutschlands, bundesweite Jugendfestivals, Exerzitien und Schulungen. Darüber hinaus gibt es in vielen Pfarrgemeinden wöchentliche Jugendgebetskreise oder regelmäßige Gebetstreffen.

ZENIT: Welche Initiativen und Apostolate sind für Sie im Hinblick auf die Jugend heute besonders wichtig?

Dominik Heen: Es ist deutlich zu erkennen, dass wir uns in einer Zeit des Umbruchs befinden. Werte, Normen oder Traditionen scheinen an Bedeutung zu verlieren. Doch besonders Jugendliche suchen nach Orientierung und Halt, und vor allem nach zuverlässigen Lebensmodellen.

Ich bin der Überzeugung, dass allein die Liebe Gottes, die unmittelbar in unsere Herzen ausgegossen ist und sich auch in gemeinschaftlichem Miteinander, geschwisterlicher Zuwendung und gegenseitiger Unterstützung ausdrückt, das tragfähige Fundament des Lebens ist. Es muss unser Anliegen sein, Jugendlichen diese Erfahrung zu ermöglichen.