„Aus Feinden Freunde machen“: Wege der Völkerverständigung zur Diskussion in Fulda

„Wir sind müde vom Blutvergießen. Wir sind zur Versöhnung bereit“

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FULDA, 8. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Das Podium „Aus Feinden Freunde machen – Versöhnung zwischen den Völkern“ war einer der Höhepunkte des siebten Fuldaer Kongresses „Freude am Glauben“, der in diesem Jahr unter dem Motto „Die Kirche - unsere Heimat“ stand.



So waren die 1.000 Sitzplätze der Halle, die im Kongresszentrum „Esperanto“ in Fulda fast drei Tage lang durchgehend voll besetzt waren, auch am Sonntagmorgen gut ausgelastet, als der Vertreter der israelischen Botschaft in Berlin die Frage: „Glauben Sie, dass Freundschaft mit den Nachbarn ihrer Region möglich ist“, mit einem ausdrücklichen Ja beantwortete: „Wir sind müde vom Blutvergießen. Wir sind zur Versöhnung bereit.“

Allerdings gelte es, zwei grundsätzlichen Prinzipien zum Durchbruch zu verhelfen: dem Vertrauen und der Anerkennung des Rechtsanspruchs des anderen. „Wenn wir diese Basis finden, können wir miteinander weitersprechen.“ Und diese Gespräche müssten langsam und behutsam geführt werden.

Dr. Marek Prwada, seit 2006 Botschafter der Republik Polen in Deutschland, gilt als erfahrener Deutschland-Kenner. Für ihn ist ein wesentlicher Bestandteil von Versöhnung die Tatsache, dass „Versöhnung ein Kooperationsrahmen ist, da wir unsere historische Wahrheit gemeinsam ertragen, Divergenzen aushalten und zum Perspektivenwechsel fähig werden“.

Mit Blick auf scheinbar tief verwurzelte Vorurteile mahnte der Diplomat, „bei Interessenskonflikten nicht gleich in Panik zu geraten und bei Schlechtwetterlage in der Politik nicht gleich in die Haltung von Vorgestern zurückzufallen“.

Die deutsch-polnischen Beziehungen bezeichnete Dr. Prwada als „unvollendete Erfolgsgeschichte“. In der Zeit der kommunistischen Unterdrückung habe die polnische Opposition dank dem Studium von den Werken, der Theologie und der Reflexion politischer Aktion von Dietrich Bonhoeffer viel gelernt. Von dieser „unpolitischen Politik“ habe man gelernt, eine bekennende Kirche zu werden, erklärte der promovierte Soziologe.

Entscheidend für Versöhnung sei es, so der Diplomat, die Wahrheit gemeinsam zu ertragen.