Ausstellung über Frührenaissancekünstler in Rom zu bewundern

Filippino Lippi und Sandro Botticelli in der Scuderie

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Von Britta Dörre

ROM, 9. Dezember 2011 (ZENIT.org). - Die bis zum 15. Januar 2012 in den „Scuderie del Quirinale“ laufende Ausstellung „Filippino Lippi e Sandro Botticelli nella Firenze del '400 widmet sich zwei bedeutenden Protagonisten der Florentiner Kunst des 15. Jahrhunderts.

Auf zwei Etagen in sechs Sektionen unterteilt spürt die Ausstellung in chronologischer Reihenfolge der künstlerischen Entwicklung Filippino Lippis unter besonderer Berücksichtigung der Zusammenarbeit mit Sandro Botticelli nach.

Ihre Ausbildung  erhielten beide Meister bei Fra'Filippo Lippo, dem Vater Filippino Lippis. Nach dessen Tod 1469 kommt Filippino 1472 in die Werkstatt Sandro Botticellis. Mit der Ausstellung soll deshalb den gemeinsamen künstlerischen Wurzeln nachgegangen werden. Zusätzlich ausgestellte zeitgenössische Dokumente runden das Bild ab.

Während anfänglich noch deutlich der künstlerische Einfluss des Vaters Fra'Filippo Lippis sichtbar wird, entwickelt Filippino ab den 70er Jahren immer mehr einen eigenen persönlichen Stil (vgl. Der heilige Sebastian, Berlin, 1474). Filippino wird zum gleichberechtigten Mitarbeiter Botticellis. 

Beide Künstler zeichnen sich durch eine schlanke, zartgliedrige Figurenbildung aus. Schon in seinen frühen Anfängen besticht Filippino durch große Detail- und Erzählfreude. Gleichzeitig erkennt man neben gotischen Reminiszenzen die die Renaissance charakterisierende Auseinandersetzung mit der Perspektive und den künstlerischen Versuch, Räumlichkeit mittels Perspektive, Licht und Farbgebung darzustellen. Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Darstellung der Madonna in Anbetung des Christuskindes (1478), Florenz, Galleria degli Uffizi.

Ab 1478 macht Filippino sich selbständig. Während viele seiner Kollegen in Rom an der Freskierung der Sixtinischen Kapelle mitarbeiten, erhält Filippino den Auftrag, die von Masolino und Masaccio unvollendet zurückgelassene Brancacci–Kapelle fertigzustellen. Das Unternehmen meistert er mit Bravour.

Er genießt die Anerkennung und Wertschätzung so bedeutender Auftraggeber wie Filippo Strozzis des Älteren oder Piero del Puglieses. Für den reichen Bankier und Händler Strozzi wird Filippino mehrfach tätig. Einer der bedeutendsten Aufträge ist die Ausmalung der Strozzi-Kapelle in Santa Maria Novella, Florenz. Der Vertrag wird am 21.April 1487 geschlossen. Die Arbeiten zögerten sich wegen eines weiteren Projektes Filippinos, der Ausmalung der Carafa-Kapelle in Santa Maria Minerva in Rom, jedoch bis 1502 hin. Strozzi st bereits 1491 verstorben.

Die Ankunft Filippino Lippis in Rom stellt einen wichtigen Wendepunkt in seinem Schaffen dar. Seit 1488 arbeitet er im Auftrag des neapolitanischen Kardinals Oliviero Carafa an der Ausmalung der gleichnamigen Kapelle in Santa Maria Minerva. Während seines Aufenthaltes in Rom (1488-1494) studiert Filippino antike Monumente und Skulpturen, die Grotesken der Domus Aurea und läßt diese neuen Eindrücke auch bei der Ausmalung der Carafa-Kapelle einfließen. Filippino beschäftigt sich ganz im Geiste der Renaissance intensiv mit der Antike und dem Naturstudium. Die Suche nach einer wirklichkeitsgetreueren und expressiveren Darstellung spiegelt sich zum Beispiel in der Bewegtheit der Gewänder und Gestik wieder.

Anders als Sandro Botticelli, der zu einem Anhänger Savonarolas wird und daraufhin in eine tiefe private und künstlerische Krise fällt, genießt Filippino Lippi in den letzten Jahren seines Lebens den größten Erfolg seines Schaffens. Die Spannbreite seiner Werke umfaßt mythologische Arbeiten, die er vor allem im Auftrag Lorenzo il Magnificos und dessen Nachfolgers anfertigte, und ebenso religiöse Sujets, zu denen Altartafeln wie „Die mystische Vermählung der heiligen Katharina und Heilige“ (1501) für die Casali-Kapelle in San Domenico, Bologna oder „Die Erscheinung der heiligen Jungfrau vor dem heiligen Bernhard“ (1486), Florenz, Badia Fiorentina zählen. Die Arbeiten bestechen durch ihre Ausdruckskraft und Schönheit und laden zum andächtigen Betrachten und Verweilen ein.

Als der Künstler am 24. April 1504 stirbt, wird er mit allen Ehren in San Michele Visdomini beigesetzt. Das Inventar von Wohnung und Werkstatt in der Via degli Agnoli, der heutigen Via degli Alfani in der Nähe der Piazza Santissima Annunziata, listet neben dem üblichen Hausrat Medaillen, Musikinstrumente und zahlreiche Gemälde auf, von denen bis heute jede Spur fehlt.