Australien: Gespannte Hoffnung auf Heiligsprechung

Alle Australier schätzen Errungenschaft von Mary MacKillop

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Michaela Koller

SYDNEY/ AUSTRALIEN, 16. Dezember 2009 (ZENIT.org).- In Australien hoffen Katholiken, der Vatikan werde noch in dieser Woche die Heiligsprechung der ersten Australierin, Ordensfrau Mary MacKillop, ankündigen. Die vor genau 100 Jahren Verstorbene war Äbtissin und Gründerin der „Schwestern des Heiligen Joseph vom Heiligen Herzen". Papst Johannes Paul II. sprach sie 1995 selig. Weltweit bekannt ist Mutter Mary of the Cross spätestens seit dem Weltjugendtag in Sydney 2008, da sie zu den Patroninnen der Begegnung zählte.

Bereits während der Vollversammlung der australischen Bischöfe Ende November zeigten sich die Hirten hinsichtlich einer bevorstehenden Heiligsprechung hoffnungsvoll, diese möge auf die Ortskirche reichlich nachwirken und "einer Zeit der Gnade" für die australische Kirche vorausgehen. Anhand dieses Lebensbeispiels könne gezeigt werden, was es heißt, ein heiliges Leben zu führen.

Benedikt XVI. bezeichnete bei seinem Australienbesuch aus Anlass des Weltjugendtages die selige Mary MacKillop als eine der „herausragenden Persönlichkeiten“ in der australischen Geschichte (Zenit berichtete).

Mary war das älteste von acht Kindern schottischer Immigranten. Ihre Kindheit war durch die Armut sehr bedrückt. Im Alter von 16 Jahren wurde sie zur Hauptversorgerin der Familie. Zuerst arbeitete Mary als Gouvernante, dann als Verkäuferin und schließlich als Lehrerin. Im Jahr 1866 eröffnete sie, unterstützt durch den katholischen Geistlichen Julian Tension Woods, die erste Schule des heiligen Joseph in Penola im australischen Bundesstaat Südaustralien. Damit begann ihre Mission bei der Schulbildung für arme Kinder. Viele junge Frauen schlossen sich ihr im Laufe der Jahre an, und so entstand die Kongregation vom heiligen Joseph.

Bereits im Jahr 1925 nahm Sydneys damaliger Erzbischof Michael Kelly erste Untersuchungen zum Leben und Wirken Mary MacKillops auf. Die Untersuchung wurde 1973 abgeschlossen, und im Jahr 1992 erkannte Rom ihren heroischen Tugendgrad an. Ein erstes Wunder wurde wiederum drei Jahre später anerkannt: Nachdem Mary MacKillop in Gebeten um Fürsprache angefleht worden war, wurde eine krebskranke, im Sterben liegende Frau wieder geheilt. Für eine Heiligsprechung bedarf es jedoch eines zweiten Wunders, das anerkannt werden muss. Beobachter gehen nun davon aus, dass dies im Fall einer zweiten Genesung von Krebs erfolgt ist.

In die gespannte Vorfreude mischte sich nun auch ein Streit um den Besuch des australischen Ministerpräsidenten Kevin Rudd in der Mary-Mac-Killop-Kapelle in Sydney, die während des letzten Weltjugendtags zentrale Pilgerstätte war. Der Ministerpräsident nahm dort an einem Gottesdienst teil, nachdem australische Medienvertreter über die Anerkennung eines zweiten Wunders berichtet hatten. Der Vorwurf des katholischen Oppositionsführers Tony Abbott lautete, Rudd, der von der katholischen zur anglikanischen Kirche gewechselt war, wolle die katholische Selige für seine politischen Zwecke instrumentalisieren. Rudd entgegnete darauf, dass alle Australier, „seien sie katholisch oder nicht, seien sie religiös oder nicht" Mary MacKillop und ihre Errungenschaften sehr schätzten.

Seit der damalige Bischof von Adelaide Schwester Mary 1867 bat, eine Schule in seiner Stadt zu eröffnen, hat sich die Kongregation zuerst in Australien und Neuseeland und später auf mehrere Länder wie Peru, Brasilien, Thailand und Uganda ausgedehnt. Ihre Kongregation hat heute über 1.200 Mitglieder, die ihn vielen Schulen für Waisenkinder, Straßenkinder und Kinder aus Aborigines-Gemeinden tätig sind.

In Australiens nördlichem Nachbarland Osttimor sind die Schwestern von Mary MacKillop seit 13 Jahren mit einer eigenen Mission in Schulunterricht, Katechetenschulung, Lehrerausbildung und Gesundheitserziehung tätig. International aufgefallen sind sie durch ihr Alphabetisierungsprogramm in der dortigen Verkehrssprache Tetum. Das timoresische Schulministerium hat zusammen mit dem internationalen Kinderhilfswerk Unicef einen Lehrplan für den Tetumunterricht an den Schulen veröffentlicht, der sich weitgehend am Plan der australischen Schwestern anlehnt.