Auszeichnung: Don Ottavio Posta „Gerechter unter den Völkern“

Pfarrer der „Isola Maggiore“ rettete Juden vor den Nationalsozialisten

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Von Antonio Gaspari

ROM, 16. September 2011 (ZENIT.org). – Gestern  wurde auf der „Isola Maggiore“ die Medaille des „Gerechten unter den Völkern“ zum Gedenken an Don Ottavio Posta verliehen. Dieser hatte im Juni 1944 unter Lebensgefahr gemeinsam mit fünfzehn Fischern in fünf Booten dreißig Juden gerettet, die im „Castello Guglielmi“ interniert gewesen waren, und sie den alliierten Truppen übergeben, die am anderen Ufer des Trasimenischen Sees in Sant‘Arcangelo gelandet waren.

Die Geschichte von Don Ottavio Posta wäre unter denen der unbekannten Helden geblieben, wenn nicht Dr. Isabella Farinelli, die Leiterin des historischen Diözesanarchivs von Perugia, eine Reihe von Dokumenten entdeckt hätte, in denen einige Juden, die der Deportation entgangen waren, von der providentiellen Hilfeleistung des Pfarrers der „Isola Maggiore“ berichten.

In einem Dankesbrief, der am 23. August 1944 zum Erzbischof von Perugia, Msgr. Mario Vianello, geschickt und im historischen Archiv aufgefunden wurde, wird berichtet, dass „Don Ottavio Posta, Pfarrer der ‚Isola Maggiore‘ auf dem Trasimenischen See, während der Zeit unserer Gefangenschaft auf der Insel aufgrund der Rassengesetze, für uns eine große Unterstützung und großer Trost war“.

„Als die Gefahr durch die Bedrohungen der Deutschen gegen uns immer größer wurde, bewegte er  – in einem wahrhaft väterlichen und großzügigen Akt – nicht nur die Inselbewohner dazu, uns an das Ufer zu bringen, wo bereits die Engländer waren, sondern er nahm mit uns die Gefahr der Überfahrt über den See auf sich, unter dem Beschuss der Kanonen und der Maschinengewehre. Er gab seinen Pfarrkindern ein leuchtendes Beispiel und verdient unsere tiefste Dankbarkeit“.

„Wir wären Eurer Exzellenz sehr dankbar“, schloss der Brief, „wenn Sie sich mit Ihrem hohen Wort bei dem verdienstreichen Don Ottavio Posta zum Überbringer unserer Dankbarkeit machen wollten für seinen selbstlosen Akt als Guter Hirte gegenüber den Unglücklichen, die von menschlichen Gesetzen unterdrückt wurden“.

Der Brief wurde von Bice Todros Ottolenghi, Coen Giuliano, Albertina Coen und Livia Coen unterschrieben.

Dieselbe Livia Coen berichtete in einer Zeugenaussage am 3. September 1945 vor dem Gericht in Bologna im Prozess gegen Armando Rocchi, dass „sie am 14. Dezember 1943 zusammen mit ihrer Schwester Albertina und ihrer Schwägerin Ada Saralvo von den Carabinieri festgenommen wurde, weil sie der jüdischen Rasse angehörte und ins Konzentrationslager deportiert wurde, zunächst in die Villa Ajò, später in die Lehrerbildungsanstalt und schließlich zum ‚Castello Guglielmi‘“.

„Der Leiter der Provinz, Armando Rocchi, rief mich zwei Tage nach meiner Verhaftung in die Präfektur und bekundete mir sein Bedauern wegen unserer Festnahme und fügte hinzu, dass er, da er nichts für unsere Befreiung tun könne, verspreche, uns nicht aus der Provinz wegzubringen, solange er der Leiter der Provinz sei. Er hielt wirklich sein Versprechen. Auf die Anordnung hin, dass wir von der Lehrerbildungsanstalt zum Nationalen Konzentrationslager Carpi in der Provinz Modena gebracht werden müssten, überlegte er sich, uns zum ‚Castello Guglielmi‘ zur ‚Isola Maggiore‘ auf dem Trasimenischen See zu bringen, um sein Wort zu halten und uns vor dem deutschen Wüten zu verstecken“.

„In der Zeit des Rückzugs“, bezeugte Livia Coen, „kamen zum ‚Castello Guglielmi‘ 45 Deutsche, um uns festzunehmen; aber der Beauftragte der Quästur versuchte, uns in Sicherheit zu bringen, und versteckte uns im Dickicht des Waldes, wo wir drei Tage und drei Nächte blieben. Dann brachten sie uns nachts zusammen mit Don Ottavio Posta zum anderen Ufer des Sees, das schon von den Engländern  befreit worden war. Und so konnten wir wohlbehalten zu unseren Häusern zurückkehren“.

Diese Fakten wurden auch durch Agostino Piazzesi bestätigt, einem noch lebenden der fünfzehn Fischer, die Don Ottavio bei der Rettung der Juden geholfen hatten.

Im Jahr 2005 bat Dr. Ben Horin Nathan, Mitglied der Kommission für die Ernennung der „Gerechten unter den Völkern“ vom Institut Yad Vashem, im Auftrag des Hohen Gerichtshofs von Israel den damaligen Erzbischof von Perugia-Città della Pieve, Msgr. Giuseppe Chiaretti, um die gesamte Dokumentation.

Die Dokumente und Zeugenaussagen stimmten in der Anerkennung des heldenhaften Werkes von Don Ottavio Posta überein, der somit als „Gerechter unter den Völkern“ anerkannt wurde.

Für diese verdienstvollen Taten verlieh im Jahr 2006 auch der Präsident der Republik zum Andenken an Don Ottavio Posta (verstorben im Jahr 1963) die Goldene Medaille für zivile Verdienste.

Als der Erzbischof von Perugia, Msgr. Gualtiero Bassetti, die Nachricht von der Anerkennung als „Gerechter unter den Völkern“ von Seiten des Hohen Gerichtshofes des Staates Israel im Gedenken an Don Ottavio Posta erhielt, erinnerte er daran, dass der Pfarrer der „Isola Maggiore“ ein Zeugnis großer Nächstenliebe gegeben habe und „in Armut sein Priestertum gelebt hat, indem er das Wenige, dass er besaß, mit den Bedürftigen teilte“.

Die Medaille der Gerechten für Don Ottavio erfüllt die ganze Diözesangemeinschaft mit Freude und ehrt den ganzen umbrischen Klerus. Zu ihm gehören im „Mausoleum von Yad Vashem“ auch die Priester Don Aldo Brunacci aus Assisi, Msgr. Giulio Cii aus Città di Castello und Don Federico Vincenti aus Perugia.

Bei der feierlichen Übergabe der besonderen Medaille des „Gerechten unter den Völkern“, zusammen mit der Enthüllung einer Gedenktafel an der alten Mole Sant'Arcangelo, waren auch der Rat der israelischen Botschaft in Rom, Livia Link, der Präsident der Provinz Perugia, Marco Vinicio Guasticchi, und der Erzbischof von Perugia-Città della Pieve anwesend. 

[ZENIT-Übersetzung aus dem Italienischen]