„Authentische Schönheit ist vollkommene Harmonie zwischen Wahrheit und Liebe“

Papst Benedikt zu den 60 Künstlern der Jubiläumsausstellung zu Ehren seines Priesterjubiläums

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VATIKANSTADT, Freitag, 7. Juli 2011 (Zenit.org).- Vom 5. Juli bis 4. September wird in der Aula Pauls VI. die Ausstellung zu Ehren Papst Benedikts XVI. „Der Glanz der Wahrheit, die Schönheit der Liebe - Hommage der Künstler an Benedikt XVI." aus Anlass seines 60. Priesterjubiläums zu sehen sein, die vom päpstlichen Rat für die Kultur gefördert wurde.

Wir veröffentlichen die Ansprache des Papstes in einer eigenen deutschen Übersetzung.

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Meine Herren Kardinäle,

Verehrte Brüder im Bischofsamt und im Priestertum,

Liebe Freunde,

es ist für mich eine große Freude, euch zu begegnen und eure kreative und vielgestaltige Hommage aus Anlass des 60. Jahrestages meiner Priesterweihe entgegenzunehmen. Ich bin euch für eure Nähe an diesem für mich so bedeutsamen und wichtigen Gedenktag aufrichtig dankbar. In der Eucharistiefeier am vergangenen 29. Juni, dem Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus, habe ich dem Herrn für das Geschenk der Berufung zum Priestertum gedankt. Heute danke ich euch für die Freundschaft und die Freundlichkeit, die ihr mir erweist. Ich grüße herzlich Kardinal Angelo Sodano, den Dekan des heiligen Kollegiums, und Kardinal Gianfranco Ravasi, den Präsidenten des Päpstlichen Rates für Kultur, der zusammen mit seinen Mitarbeitern diese einzigartige, künstlerische Veranstaltung organisiert hat, und ich danke ihm für die herzlichen Worte, die er an mich gerichtet hat. Ich richte auch an alle hier Anwesenden meinen Gruß, besonders an euch, liebe Künstler, die ihr die Einladung angenommen habt, etwas aus eurem Schaffen in dieser Ausstellung vorzustellen.

Unsere heutige Begegnung, bei der ich die Freude habe und neugierig bin, eure Werke zu bewundern, möge eine neue Etappe auf dem Weg der Freundschaft und des Dialogs sein, den wir am 21. November 2009 in der Sixtinischen Kapelle begonnen haben, ein Ereignis, das ich noch immer in meiner Seele eingeschrieben trage. Die Kirche und die Künstler beginnen von neuem sich zu begegnen, miteinander zu sprechen, den Bedarf an einem Gespräch zu unterstreichen, das immer intensiver und beweglicher werden will und muss, auch deshalb, um der Kultur, mehr noch den Kulturen unserer Zeit, ein beredtes Beispiel eines fruchtbaren und effektiven Dialogs darzubieten, der darauf ausgerichtet ist, diese unsere Welt menschlicher und schöner zu machen.

 Heute zeigt ihr mir die Frucht eurer Kreativität, eurer Reflexion, eures Talentes, Ausdrücke der verschiedenen, künstlerischen Bereiche, die ihr hier vertretet: Malerei, Bildhauerei, Architektur, Goldschmiedekunst, Photographie, Filmkunst, Musik, Literatur und Dichtkunst. Bevor ich sie bewundere, gestattet mir, mich einen Augenblick bei dem faszinierenden Titel dieser Ausstellung aufzuhalten: „Der Glanz der Wahrheit, die Schönheit der Liebe“.

Ausgerechnet in der Predigt der Messe „Pro eligendo pontifice“ (zur Papstwahl) habe ich, als ich den Ausdruck des heiligen Paulus im Epheserbrief „veritatem facientes in caritate“ (4,15) auslegte, das „die Wahrheit in Liebe tun“ als eine grundlegende Formel der christlichen Existenz definiert. Und ich fügte hinzu: „In Christus fallen Wahrheit und Liebe zusammen. In dem Maße, in dem wir uns Christus, auch in unserem Leben, nähern, verschmelzen Wahrheit und Liebe. Die Liebe ohne Wahrheit wäre blind; die Wahrheit ohne Liebe wäre „eine klingende Schelle“ (1 Kor 13,1). Gerade aus der Eintracht, aus der Symphonie, aus der vollkommenen Harmonie von Wahrheit und Liebe geht die authentische Schönheit hervor, die fähig ist, Bewunderung, Staunen und wahre Freude im Herzen der Menschen hervorzurufen. Die Welt, in der wir leben, braucht es, dass die Wahrheit aufstrahlt und nicht durch die Lüge und die Banalität verdunkelt wird; sie braucht es, dass die Liebe entflammt und nicht durch den Hochmut und den Egoismus unterdrückt wird. Wir brauchen es, dass die Schönheit der Wahrheit und der Liebe das Innere unseres Herzens berührt und es menschlicher macht.

Liebe Freunde, ich möchte euch und allen Künstlern gegenüber einen freundschaftlichen und leidenschaftlichen Appell erneuern: Spaltet niemals die künstlerische Kreativität von der Wahrheit und von der Liebe ab; sucht niemals die Schönheit fernab der Wahrheit und der Liebe, sondern seid immer mit dem Reichtum eures Genius, eures kreativen Elans mutige Wahrheitssucher und Zeugen der Liebe. Lasst die Wahrheit in euren Werken aufstrahlen, und tut es in einer Weise, dass ihre Schönheit im Blick und im Herzen dessen, der sie bewundert, den Wunsch und das Bedürfnis weckt, die Existenz, jede Existenz, schön und wahr zu gestalten, indem sie durch jenen Schatz bereichert wird, der niemals abnimmt, der aus dem Leben ein Meisterwerk und aus jedem Menschen einen außerordentlichen Künstler macht: die Nächstenliebe, die Liebe.

Der Heilige Geist, der Schöpfer jeder Schönheit, die in der Welt ist, erleuchte euch immer und führe euch zur letzten und endgültigen Schönheit, jene Schönheit, die unseren Geist und unser Herz erwärmt und die wir erwarten, eines Tages in all ihrem Glanz betrachten zu können. Noch einmal Danke für eure Freundschaft, für eure Anwesenheit und dafür, dass ihr einen Strahl dieser Schönheit, die Gott ist, in die Welt tragt. Von ganzem Herzen erteile ich euch allen, euren Lieben und der ganzen Welt der Kunst meinen Apostolischen Segen.

[Aus dem Italienischen übersetzt von Dr. Edith Olk © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]