Autonome Religiösität im kulturellen Chaos

Weihbischof aus der Ukraine bei der Bischofssynode

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VATIKANSTADT, 17. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Weihbischof Taras Senkiv O.M., Titularbischof von Siccenna (Ukraine), hat in seinem Redebeitrag bei der elften Generalkongregation der Bischofssynode das Umfeld des modernen Menschen als kulturelles Chaos bezeichnet, in dem das „Verständnis von Wahrheit und dessen, was gut ist, völlig verzerrt ist, und ihn zu einer Selbstisolierung im Subjektivismus führt.“

Als Konsequenz des Konsumdenkens träte ein moralischer und religiöser Relativismus auf, der sich in verschiedenen Formen von Pseudo-Religiosität ausdrücke. Andererseits bestehe eine unbewusste Öffnung des Menschen für einen Dialog mit der göttlichen Transzendenz in einem religiösen Akt, was man als „autonome Religiosität” bezeichnen könne und was andererseits das Terrain für die Evangelisierung sei.

Die Evangelisierung sei die Verkündigung des Wortes in der Form des interpersönlichen Dialogs. Dieser Dialog der Evangelisierung stehe am Beginn des Werdens und des Wachsens des persönlichen Glaubens. Das Ziel der Evangelisierung sei es, im Menschen das existentielle Bedürfnis nach dem rettenden Gott wiederzubeleben und ihn davon zu überzeugen, dass sein Leben nur durch die Gemeinschaft mit Christus in der Gemeinschaft der Kirche einen Sinn bekommt.

Der Dialog der Evangelisierung müsse die innersten Erwartungen des Menschen, deren Enthüllung sehr schmerzlich sein könne: das Angebot zum Heil bedeute nicht die Befriedigung subjektiver Wünsche und eröffne keine Möglichkeit, den verborgenen Wunsch nach Heil durch den Wunsch nach psychologischem oder materiellem Trost zu ersetzen.
Deshalb müsse der Glaube als Weg zu authentischen Beziehungen gesehen werden, in denen die absolute Würde der anderen gewahrt bleibe.

„Jener Glaube, der sein Fundament im Wort hat, das Gehorsam fordert, der Grund dafür ist die Liebe, die sein Verstehen vorwegnimmt“, schloss der Bischof.[jb]