Baldige Seligsprechung von Thomas von Olera OFMCap

Der heilige Bruder von Tirol: ein demütiger Kapuziner-Bruder

| 1161 klicks

Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 11. Mai 2012 (ZENIT.org). - Vertrauter des Fürsten und Kaisers, Questor der Seelen, Apostel unter den Häretikern. Diese und ähnliche Titel beschreiben das Leben des demütigen Kapuziner-Bruders Thomas von Olera (1563-1631).

Die Heiligsprechungskongregation hat nunmehr ein auf die Fürsprache des italienisch-österreichischen Kapuzinermönches erfolgtes Wunder anerkannt. Dies gab der Heilige Stuhl am 10. Mai bekannt. Der Seligsprechung des Mönches, der die letzten 13 Jahres seines Lebens als Seelsorger und Prediger in Innsbruck wirkte, steht nun nichts mehr entgegen.

Aufgrund der bevorstehenden Seligsprechung hatte am 17. März 2012 unter Anwesenheit des Kapuzinerbischofs Serafino Spreafico (Grajaú, Brasilien), von Prälat Dr. Hermann Steidl (Bischofsvikar für die Orden) und Guardian Josef Künzle die feierliche Entnahme seiner Reliquien aus der Grabnische in der Kapuzinerkirche in Innsbruck stattgefunden.

1563 - in diesem Jahr endete das Konzil von Trient - als Kind armer, aber frommer und gottesfürchtiger Eltern im Bergdorf Olera geboren, lebte Thomas die ersten 17 Jahre seines Lebens als Bauernjunge. Aus seinen mit vielen Rechtschreibfehlern und im bergamaskischen Heimatdialekt geschriebenen Aufzeichnungen geht hervor, dass er ein Schafhirte war. Dies war für ihn eine Gnade, denn durch sein Gebet auf dem Weideland wurde der Grundstein für seine Heiligkeit gelegt. Wenn Thomas abends nach Hause kam, unterrichtete ihn seine Mutter für ein paar Stunden, was seine einzige Ausbildung darstellte. Bemerkenswert waren aber bereits seine Tugenden der Unschuld und Herzensgüte. Bereits als Jugendlicher verfügte er über eine reife Einsicht in die wirkliche Natur, die Boshaftigkeit der Sünde.

1580 trat er in den Orden der Kapuziner ein, von deren Demut und Armut er sich angezogen fühlte. Auf deren Veranlassung lernte er dann auch Lesen und Schreiben. Später verfasste er das Buch mit dem Titel „Fuoco d'Amore" („Das Feuer der Liebe"), wo seine einzigartige Liebe zu Gott und den Menschen dokumentiert ist.

Bruder Thomas begann seine Suche nach der Perfektion auf dem Fundament der Demut und unternahm eine außergewöhnliche Praxis dieser Tugend. Er ging allem Lob aus dem Weg und machte sich selbst verachtenswert. Auch seine äußere Erscheinung und die Bescheidenheit in der Rede waren Ausdruck seiner inneren Demut.

Ein weiterer Aspekt war sein intensives, leidenschaftliches Gebetsleben und die daraus resultierende überschäumende Liebe. Seine Mitbrüder gaben ihm deshalb den Spitznamen „Vulkan".  

Zur weiteren Vervollkommnung unterwarf er sich auch zahlreichen Kasteiungen. Er stillte niemals vollständig seinen Hunger oder Durst, schlief wenig, ging barfuß auch bei Kälte, er disziplinierte oder geißelte sich, das heißt er widerstand allen genussvollen Anforderungen des Leibes und vermied außerdem jeglichen Müßiggang.

Er wirkte zunächst als Sammelbruder und Pförtner in mehreren italienischen Kapuzinerklöstern. Dann ging er mit den ersten „Pionieren“ über die Alpen, um den jungen Kapuzinerorden im deutschen Sprachraum einzupflanzen. Dreißig Jahre lang setzte sich Bruder Thomas in Tirol für Versöhnung und gegen die Spaltung des Glaubens ein. Er war vom Landesfürsten Leopold V. nach Tirol gerufen worden, um „durch sein Beten die erkalteten Herzen der Menschen neu zu entflammen.“

Es war in eine Welt der Ketzerei und der religiösen Gleichgültigkeit, eine Welt der dringend benötigten Reform und geistigen Revitalisierung. Thomas von Bergamo übernahm die Rolle eines religiösen Reformers, Promotors der Lehre des Heiligen Herzens und Predigers der Liebe Gottes.

Er war ein Helfer der Armen und Berater der Herrscher ebenso wie der Bischöfe. Sein Wirken brachte ihm den Namen „Heiliger Bruder von Tirol“ ein.

Er starb in Innsbruck am 3. Mai 1631 mit 68 Jahren im Ruf der Heiligkeit und wurde in der Kapuzinerkirche in der Gnadenkapelle der Gottesmutter beigesetzt.