Bangladesch: Kirchliche Einrichtungen unter Polizeischutz

Übergriffe von radikalen Muslimen auf christliche Minderheiten nehmen zu

Rom - Wien, (ZENIT.orgKIN) | 472 klicks

Mit großer Sorge verfolgt das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ die anhaltenden Spannungen in Bangladesch. „In der Diözese Dinajpur im Nordwesten des Landes sind katholische Christen wiederholt von muslimischen Gruppen angegriffen worden“, bestätigt Veronique Vogel, Länderreferentin für Indien. Nach Darstellung des Bischofs von Dinajpur, Sebastian Tudu, wird in der Ortschaft Bulakipur ein Missionszentrum von 30 Polizisten bewacht. „Schlimm ist, dass in drei Dörfern, die angegriffen wurden, die Männer nicht mehr zuhause sind. Viele Frauen und Kinder leiden und leben in Angst und Schrecken“, heißt es in einem Schreiben von Bischof Tudu.

Dazu Veronique Vogel: „Seit Monaten haben in Bangladesch militante Kräfte starken Zulauf. Das ist eine sehr beunruhigende Entwicklung. Vor einigen Monaten waren Buddhisten angegriffen worden, jetzt sind Christen betroffen. Dabei spielen religiöse, aber auch politische Motive eine Rolle“. Zu den Hintergründen der Unruhen erklärt Veronique Vogel weiter: „Land ist in Bangladesch zum Beispiel sehr knapp. Daher setzen einige Gruppen die einfachen Leute manchmal unter Druck, um an deren Land zu kommen. Gehören die dann auch noch zu einer anderen Religionsgemeinschaft, wird daraus schnell ein religiös-politischer Konflikt. Bangladesch ist ein Pulverfass, ein sehr armes Land mit gravierenden sozialen Problemen.“

Anfang Juni war das katholische Seminar von Dinajpur von Muslimen überfallen worden. Sie drangen in das Gebäude ein, verwüsteten es und griffen die 25 anwesenden Seminaristen an. Die Diözese erstellte Anzeige; die Priesteramtskandidaten wurden vorübergehend an einem anderen Ort untergebracht. Hintergrund war möglicherweise ein Streit zwischen muslimischen und christlichen Familien in einem benachbarten Dorf. Danach hatte offenbar eine Gruppe Muslime das Priesterseminar aufgesucht.

Bangladesch ist ein muslimisches Land. Der Islam ist Staatsreligion. Rund 90 Prozent der 142 Millionen Einwohner sind Muslime, überwiegend sunnitischen Bekenntnisses. Etwa 9 Prozent der Bangladescher sind Hindus und nur 0,3 Prozent Buddhisten und Christen. Laut Statistik leben gegenwärtig 318.000 Katholiken in Bangladesch.