Barbarei, die Bibliotheken verbrennt

Situation der Sufis in Mali verschlimmert sich

Rom, (ZENIT.org) Valentina Colombo | 847 klicks

Extremisten haben eine Bibliothek in Timbuktu verbrannt, in der unter anderem alte Handschriften in arabischer Sprache aufbewahrt wurden.

Die Franzosen haben die Islamisten aus dem Land verwiesen, aber die Schäden ihrer Invasion bleiben eine Narbe. Das Kulturerbe Malis wurde dem Stahl und dem Feuer ausgeliefert und in einigen Fällen für immer zerstört.

Eine der ersten alarmierenden Zeichen aus Mali wurde im August letzten Jahres spürbar. Extremisten der islamischen Gruppe „Ansar al-Din“ („Helfer des Glaubens“) hatten Sufi-Tempel im Norden des Landes zerstört.

Anlässlich dieser tragischen Ereignisse und Zeichen der Gewaltbereitschaft versuchte ein Gelehrter des Institutes der höheren Studien für Islamforschung „Ahmed Baba“ in Timbuktu mit all seiner Kraft die Handschriften der Institution zu beschützen: „Wenn die Bibliothek zerstört wird, ist alles verloren. Alles. Unsere Geschichte, unsere kulturelle Identität, unsere Identität überhaupt. Es wäre eine vollkommene Niederlage.“

Die islamischen Extremisten der al-Qaida machten nicht nur vor der Bibliothek des Institutes „Ahmed Baba“ nicht halt, sie zerstörten auch eine Geschichtsbibliothek in der Hauptstadt. Die Handschriften wurden dem Feuer übergeben, sie waren hauptsächlich in Arabisch abgefasst und handelten überwiegend von religiösen Themen.

Auf der Webseite „Tombouctou Manuscripts Project“ kann man sich ein Bild von dem verloren gegangenen Schatz machen. „Das 14. Jahrhundert war in Timbuktu das ‚Goldene Zeitalter‘ in Sachen Politik, wie auch der intellektuellen Arbeit.“

Die Bücher machten immer schon einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes des Landes aus, sie wurden kopiert und verkauft. Im 14. Jahrhundert gab es in Timbuktu 150 Koranschulen; das Land war damit einer der wichtigsten Handelsstellen von Büchern überhaupt. Ahmed Baba (1556-1627), nach dem das Institut benannt ist, sammelte insgesamt 1600 Bücher zusammen; in der Stadt war es eine der kleinsten Sammlungen.

Was in den letzten Monaten geschehen ist, bedarf gründlicher Überlegung. Was geschah in dem Land, das noch im Jahre 2003 vom „Department of State“ der USA als eine „junge Demokratie mit Meinungsfreiheit und ohne Menschenrechtsverletzungen“ bezeichnet wurde? Heute konstatiert dasselbe Department eine ausgehende Gefahr von den wahhabitischen Moscheen, von extremistischen Predigten und zwar nicht nur in Mali, sondern im ganzen subsaharischen Afrika.

In einer Gegend, in der der Islam immer durch seine mystische „Sufi“-Version gekennzeichnet war, breitet sich ein Ölfleck der Ideologie aus, der den Sufismus als fehlgeleiteten Glauben bezeichnet, als Häresie, die bekämpft werden müsse. Die Wahhabiten sehen in der Intention der Sufis, sich im Gebet mit Gott vereinen zu wollen, Polytheismus und Unglauben sowie in dem Bezug auf Heilige einen falsche Interpretation der islamischen Tradition. In Mali spielt sich also ein Krieg zwischen zwei islamischen Weltsichten ab, die, obwohl sie aus der gleichen Religion entstanden, diametral entgegengesetzt sind.

Der Angriff auf Personen und das kulturelle und religiöse Erbe zeigt deutlich, dass der radikale Islamismus nicht zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen unterscheidet, sondern nur zwischen sich und allen anderen. Der radikale Islamismus erkennt nur eine orthodoxe islamische Kultur an, keine Vielseitigkeit des Islam und der Muslime. Die Zerstörung der Bibliothek von Timbuktu zeigt die Kurzsichtigkeit und die Sturheit des Wahhabitismus.

Die Ereignisse in Mali können dem Westen helfen, seine Augen zu öffnen und kulturelle Projekte zu starten, die die besten Teile der islamischen Welt ansprechen, diejenigen, die die extremistischen Islamisten oder Jihadisten ihre „moderaten“ Brüder nennen. Die Jihadisten wollen sie auf den Scheiterhaufen bringen und ihre Bücher zensieren, damit diese nicht Eingang in die Gedanken der nächsten Generation finden. Es ist immer noch Zeit, aber die Lösung des Problems liegt in der arabisch-islamischen Tradition selber, nirgends sonst.