Barmherzigkeitssonntag in Rom: Papst Benedikt XVI. wünscht sich „Menschen des göttlichen Erbarmens“

Eucharistiefeier und Regina Caeli auf dem Petersplatz

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ROM, 16. April 2007 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. hat die Gläubigen am Barmherzigkeitssonntag dazu ermuntert, Taten der Nächstenliebe zu üben und auf diese Weise am „Werk des Friedens“ mitzuarbeiten, das Gott unentwegt wirke.



„Das Erbarmen ist das Lichtgewand, das der Herr uns in der Taufe geschenkt hat. Dieses Licht dürfen wir nicht verlöschen lassen; es soll im Gegenteil Tag um Tag wachsen in uns und so der Welt von Gott Kunde bringen“, betonte der Heilige Vater während der Heiligen Messe, die er aus Anlass seines 80. Geburtstages am heutigen Montag und des zweiten Jahrestages seiner Wahl auf den Stuhl Petri am kommenden Donnerstag auf dem Petersplatz zelebrierte.

In seiner Predigt gedachte Benedikt XVI. auch seines Vorgängers Papst Johannes Paul II., der den „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“ eingeführt und im Jahr 2005 am Vorabend dieses Festtags gestorben war.

50.000 Gläubige nahmen an der Messfeier teil, rund 70 Kardinäle, Erzbischöfe, Leiter der Römischen Kurie und Priester der Diözese Rom konzelebrierten.

Die Predigt Benedikts XVI. stand ganz im Zeichen des Themas der göttlichen Barmherzigkeit. Er erinnerte alle daran, dass Johannes Paul II. in dem Wort Barmherzigkeit die Zusammenfassung des ganzen Erlösungsgeheimnisses erkannt und sie „für unsere Zeit neu ausgelegt“ hatte.

In zwei Diktaturen habe Karol Wojtyla „in der Begegnung mit Armut, Not und Gewalt die Macht der Finsternis tief erfahren, von der die Welt gerade auch in dieser Stunde bedrängt ist“, fuhr der Papst fort. „Aber er hat nicht weniger tief erfahren, dass Gott mit seiner ganz anderen, göttlichen Macht all diesen Gewalten entgegentritt: mit der Macht seines Erbarmens. Sie ist es, die dem Bösen eine Schranke setzt. In ihr drückt sich das ganz eigene Wesen Gottes aus – seine Heiligkeit, die Macht der Wahrheit und der Liebe.“

Benedikt XVI. erklärte, dass Papst Johannes Paul II. nach seinem Tod „von Gott her“ zu uns spreche und sage: „Vertraut dem göttlichen Erbarmen! Werdet Menschen seines Erbarmens Tag um Tag!“

Der Geist Jesu, der nach Worten des Heiligen Vaters die „Macht der göttlichen Barmherzigkeit“ ist, ermögliche immer wieder einen neuen Anfang. „Die Freundschaft mit Jesus Christus ist Freundschaft mit dem, der uns zu Menschen des Vergebens macht und der uns auch selbst vergibt, uns immer wieder aufhebt aus unserer Schwachheit und uns gerade so erzieht, uns die innere Verpflichtung der Liebe einsenkt, seinem Vertrauen mit unserer Treue zu antworten.“

Jesus habe seine Wundmale in die Ewigkeit mitgenommen und zeige uns, dass sich Gott „von der Liebe zu uns“ hat verwunden lassen. „Die Wundmale sind uns Zeichen, dass er uns versteht und dass er sich von der Liebe zu uns verwunden lässt.“ Darüber hinaus bedeuteten sie für uns „Gewissheit und Trost seines Erbarmens“ und zugleich „Gewissheit dessen, wer er ist: ‚Mein Herr und mein Gott‘. Und wie sehr sind sie uns Verpflichtung, uns für ihn verwunden zu lassen.“

Bei der Heiligen Messe kam zum ersten Mal das neue Prozessionskreuz zum Einsatz, das in der Goldschmiede der Benediktinerabtei Santo Domingo de Silos in Burgos (Spanien) angefertigt worden war. Das Evangeliar, ein Werk von Max Faller, hatte Friedrich Kardinal Wetter, Erzbischof Emeritus und Apostolischer Administrator von München und Freising, dem Papst zum Geschenk gemacht. Zusammen mit einigen Vertretern des Erzbistums gratulierte der Kardinal am Montagvormittag dem Bischof von Rom, der ihm einst als Erzbischof von München und Freising vorangegangen war, im Rahmen einer Privataudienz persönlich zum Geburtstag.

Bevor Benedikt XVI. mit den Gläubigen, die sich am Sonntag auf dem Petersplatz versammelt hatten, das Gebet der Himmelskönigin betete, das in der Osterzeit an die Stelle des Angelus tritt, wies er darauf hin, dass das berühmte Wort der Schwester Faustina „Jesus, ich vertraue auf dich“ den Glauben des Christen – den Glauben „an die Allmacht der barmherzigen Liebe Gottes“ – zusammenfasse.

Der Kern dieses Glaubens bestehe somit in der Botschaft des Auferstanden: „Friede sei mit euch!“ Und dieser Friede „ist das Geschenk, das Christus seinen Freunden als Segen hinterlassen hat, der für alle Menschen und alle Völker bestimmt ist“. Es gehe nicht um einen Frieden im weltlichen Sinn, sondern um eine neue Wirklichkeit, die aus der Liebe Gottes, aus seiner Barmherzigkeit hervorgehe. „Es ist der Friede, den Jesus Christus auf Kosten seines Blutes verdient hat und den er denen mitteilt, die ihm vertrauen.“

Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria erbat Benedikt XVI. anschließend für alle die erforderliche Kraft, „um am Werk des Friedens mitzuwirken, das Gott in der Welt vollbringt und das keinen Lärm macht, sondern sich in unzähligen Gesten der Nächstenliebe aller seiner Kinder verwirklicht“.

Die Pilger aus dem deutschen Sprachraum forderte er schließlich in besonderer Weise dazu auf, ihn zu unterstützen: „Dankt mit mir dem Herrn für seine Güte und betet mit mir, damit ich die mir anvertraute Mission mit seiner Gnade erfüllen kann.“