Bartholomäus I. beruft Synaxis der alten orthodoxen Kirchen ein

Moskau kritisiert: neues Spaltungspotential

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Von Inma Álvarez

ISTANBUL, Donnerstag, 25. August 2011 (ZENIT.org).- Der ökumenische Patriarchat von Konstantinopel hat eine Synaxis (religiöse Versammlung) einberufen, zu der er alle Patriarchen der alten orthodoxen Kirchen eingeladen hat, den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, von Antiochien und von Alexandrien, sowie den Erzbischof von Zypern.

Auf diesem Treffen, das am 1. und 2. September in Istanbul stattfinden wird, sollen vorrangig zwei Themen behandelt werden: die Situation der Christen im Nahen Osten und der aktuelle Stand der innerorthodoxen Beziehungen mit Blick auf ein zukünftiges panorthodoxes Konzil.

Dabei sei man bestrebt, den „toten Punkt“ in der vorbereitenden Kommission für dieses Panorthodoxe Konzil zu überwinden, das schon vor mehr als einem Jahr, im Juni 2010, von Patriarch Bartholomäus I. während seines historischen Besuchs in Russland angekündigt worden war (siehe www.zenit .org/article-35590? l = Spanisch).

Laut Berichten von „Orthodoxie.com“ sei die Entscheidung des Patriarchen, den Erzbischofs von Zypern einzuladen, darin begründet, dass „die Autokephalie dieser Kirche ebenso wie die der drei Patriarchate von einem ökumenischen Konzil bestätigt wurde“.

In dem Einladungsschreiben zur Synaxis erklärte Bartholomäus, dass diese Besonderheit nicht bezwecke, „die anderen orthodoxen Kirchen von panorthodoxen Entscheidungen auszuschließen, sondern im Gegenteil die Einheit zu unterstützen und zu erleichtern.“

Gerade einer der zehn wichtigsten Punkte, mit der sich die Vorbereitungskommission beschäftigt, sind die Grundsätze für die Erklärung der Autonomie der orthodoxen Kirchen (Verkündigung des autokephalen Status), dem größten Reibungspunkt zwischen den orthodoxen Kirchen, vor allem zwischen der griechisch-orthodoxen und der russisch-orthodoxen Kirche. Die letztere ist die mitgliederstärkste innerhalb der Orthodoxie und seit 1488 autokephal.

Missfallen vonseiten Moskaus

Die Einberufung der Synaxis sei beim Moskauer Patriarchat auf heftige Kritik gestoßen, erklärte am 21. Juni Metropolit Hilarion, Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats.

Damals drückte der Metropolit aus, „nicht damit einverstanden zu sein, dass eine bestimmte Gruppe der Kirchen sich als die ‚Säule’ der orthodoxen Welt versteht und dies damit begründet, dass ihre Autokephalie älter sei als die der anderen Kirchen; auf diese Weise wird versucht, die Orthodoxie in ‚erste’ und ‚zweite’ Kirchen einzuteilen.“

„Wenn wir das Panorthodoxe Konzil würdig vorbereiten und durchführen wollen, müssen wir die ekklesiologischen Konzepte, die alle orthodoxen Kirchen vereinen, unterstützen und keine neuen Konzepte schaffen, die nur zu Spaltung und Unstimmigkeit führen“, sagte Metropolit Hilarion.

In den vergangenen Tagen habe allerdings ein persönliches Treffen zwischen dem Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., und dem Metropoliten Hilarion auf der türkischen Insel Imbros (und nicht in Fanar, dem Sitz des Patriarchats von Konstantinopel) stattgefunden, wie das russische Patriarchat bestätigte. Der Besuch wird als ein Zeichen der Entspannung zwischen beiden Seiten gesehen.

Das Treffen habe zwei Tage gedauert, vom 21. bis 22. August, gab gestern das Moskauer Patriarchat bekannt. Am Sonntag habe der Patriarch Bartholomäus, der gebürtig aus Imbros stammt, dem Metropoliten Hilarion die Orte seiner Kindheit und Jugend zeigen wollen.

Nach dem gemeinsamen Gebet der Vesper in der Kirche „Entschlafung der Gottesmutter“ dankte der Patriarch dem Metropoliten Hilarion öffentlich für die Arbeit seines Außenamtes, was die Beziehungen zwischen den beiden Patriarchen betreffe.

„Dies bedeutet natürlich nicht, dass gelegentlich nicht auch mal eine Wolke aufzieht und keine Probleme auftreten, aber wir versuchen, sie zu überwinden und gemeinsam zu lösen, um unsere harmonische Zusammenarbeit fortzusetzen“, so Bartholomäus I.

[ZENIT-Übersetzung des spanischen Originals]