Bedingungslose Hingabe ist Aufgabe des Priesters

Papst Benedikt bekräftigt hohen Anspruch an Priesterberufung

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MADRID, 20. August 211 (Zenit.org.) - Heute Morgen um 8.45 Uhr begab  sich Papst Benedikt XVI., nachdem er die Apostolische Nuntiatur verlassen hat, zunächst im Auto in die Gärten des „Buen Retiro“ von Madrid, den größten Park der Stadt. Hier wird seit Dienstag das „Fest der Versöhnung“ gefeiert, mit der Möglichkeit für die Jugendlichen, zu jedem Zeitpunkt des Tages das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Auf dem Hauptweg des Parks wurden 200 transportable Beichtstühle aufgestellt, in denen Priester aus allen Teilen der Welt in den verschiedenen Sprachen den Jugendlichen die Beichte abnehmen.

Der Papst betrat den Park am Eingang „Cecilio Rodríguez“ und im „Paseo de Coches“ hörte er die Beichte von vier Jugendlichen. Dann begab er sich um 9.30 Uhr im Auto zur Kathedrale „Almudena“ in Madrid für die Eucharistiefeier mit den Seminaristen, wo er die heilige Messe mit den Seminaristen feierte, die aus allen Teilen der Welt kommend am Weltjugendtag teilnehmen.

Zu Beginn der Eucharistiefeier nahm der Papst die Grußworte des Erzbischofs von Madrid, Kardinal Antonio Maria Rouco Varela, und eines Seminaristen entgegen (ZENIT berichtete).

In seiner Predigt zeichnete der Papst  ein anspruchsvolles Bild des priesterlichen Lebens. Der Priester sei zu einem heiligmäßigen Leben berufen, um keinen Widerspruch zu erzeugen zwischen dem Zeichen, das er sei, und der Wirklichkeit, die er darstelle. Die Jahre der Vorbereitung dienten der Prüfung der Berufung und zur Einübung eines Lebens der Hingabe nach dem Beispiel Christi, des ewigen Hohepriesters, so Benedikt.

Der Heilige Vater verglich die Kathedralkirche von Madrid mit dem Abendmahlssaal, in dem Christus mit seinen Aposteln das Paschamahl feierte. Er freue sich, „dass Christus weiterhin junge Jünger beruft, um sie zu seinen Aposteln zu machen, und dass auf diese Weise die Sendung der Kirche und das Angebot des Evangeliums an die Welt lebendig bleibt.“ Er ermahnte die Seminaristen zur Dankbarkeit für ihre Berufung, „den Auftrag, den Christus von seinem Vater erhielt, weiterzuführen.“ Sie sollten ihren Blick auf Christus richten, den höchsten Offenbarer Gottes und getreuen Erfüller seiner Verheißung.

Papst  Benedikt XVI. beschrieb Christus als den ewigen Hohepriester, der sich in seinem ganzen irdischen Leben dem Vater als Opfergabe dargebracht habe und „durch diese Hingabe uns, die wir zur Teilhabe an seiner Sohnschaft berufen sind, zur ewigen Vollendung geführt (vgl. Hebr 10,14)“ habe.

„Die Eucharistie, von deren Einsetzung das vorhin verkündete Evangelium spricht (vgl. Lk 22,14-20), ist der tatsächliche Ausdruck dieser bedingungslosen Hingabe Jesu für alle, auch für jene, die ihn verrieten. Hingabe seines Leibes und Blutes für das Leben der Menschen und zur Vergebung ihrer Sünden“, führte er fort. Er deutete die eucharistischen Zeichen des Leibes und Blutes Christi als Zeichen dieser Hingabe, die zur neuen Quelle der erlösten Freiheit der Menschen geworden sei.

Anschließend erklärte der Heilige Vater die Bedeutung der Vorbereitung auf das Priestertum.

Es sollten Jahre „innerer Stille, beständigen Gebets, ausdauernden Studiums und der schrittweisen Einbindung in die pastoralen Tätigkeiten und Strukturen der Kirche sein.“ In diesen Jahren sollten die Seminaristen ein heiligmäßiges Leben einüben. Denn: „Kirche ist Gemeinschaft und Institution, Familie und Sendung, Schöpfung Christi durch seinen Heiligen Geist und zugleich Ergebnis all derer, die wir sie mit unserer Heiligkeit und mit unseren Sünden gestalten. So hat es Gott gewollt, der keine Bedenken hat, Arme und Sünder zu seinen Freunden und Werkzeugen für die Erlösung des Menschengeschlechts zu machen. Die Heiligkeit der Kirche ist vor allem die objektive Heiligkeit der Person Christi selbst, seines Evangeliums und seiner Sakramente, die Heiligkeit jener Kraft von oben, welche sie beseelt und anspornt. Wir müssen heiligmäßig sein, um nicht einen Widerspruch zu erzeugen zwischen dem Zeichen, das wir sind, und der Wirklichkeit, die wir zum Ausdruck bringen wollen.“

Benedikt XVI. ermutigte die Seminaristen, ihre Ausbildungsjahre „mit tiefer Freude, mit Lernbereitschaft, in Klarheit und radikaler Treue zum Evangelium sowie in liebevoller Beziehung zur Zeit und zu den Personen, unter denen ihr lebt“ zu verleben. Gott gebe jeder Zeit mit ihren spezifischen Problemen die notwendige Gnade, um sie zu bewältigen. „Deshalb muss der Priester in jeder Situation, in der er sich befindet – so schwierig sie auch sein mag –, in jeder Art von guten Werken Frucht bringen, während er dafür in seinem Inneren die Worte des Tages seiner Weihe immer lebendig bewahrt, mit denen er aufgefordert wurde, sein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes des Herrn zu stellen“, erklärte der Papst.

Die angehenden Priester sollten lernen, sich immer mehr mit Christus zu identifizieren, „der für uns zum Diener, Priester und Opfer geworden ist. Ihm gleichförmig zu werden ist in Wirklichkeit die Aufgabe, für welche sich der Priester sein ganzes Leben lang verzehren muss.“ Obwohl diese Aufgabe den Menschen übersteige, dürfe er nach den Worten des heiligen Paulus (vgl. Phil 3,12-14) danach streben in der Hoffnung, das Ziel zu erreichen.

Der Priester habe die Aufgabe, Christus gleichförmig zu werden. Er ahme die Lebenshingabe Christi, des Guten Hirten, durch seine völlige Verfügbarkeit nach. Diese Gabe des Heiligen Geistes beinhalte „den Zölibat um des Himmelreiches willen, die Abkehr von den irdischen Gütern, die Anspruchslosigkeit und den aufrichtigen, ungeheuchelten Gehorsam zu leben.“ Die Seminaristen sollten Christus bitten, „ihn in seiner Liebe zu allen bis zum äußersten nachzuahmen“. Der Papst erinnerte besonders an die notwendige Liebe zu den Sünder und Fernstehenden, den Kranken und Armen. Er bat die angehenden Priester: „Stellt euch dieser Herausforderung unvoreingenommen und mit voller Kraft. Sie sei euch vielmehr eine bedeutungsvolle Weise, das menschliche Leben in Selbstlosigkeit und Dienst zu verwirklichen, und zwar als Zeugen des menschgewordenen Gottes, als Botschafter der höchsten Würde des Menschen und folglich seine bedingungslosen Verteidiger. Auf seine Liebe gestützt, lasst euch nicht von einer Umgebung einschüchtern, in der man Gott ausschließen will und in der Macht, Besitz oder Vergnügen oft die Hauptkriterien sind, nach denen sich das Dasein richtet.“ Der Papst schloss nicht aus, dass sie mit Verachtung von Seiten der Menschen rechnen müssten, wenn ihr „Leben, das tief in Christus verwurzelt ist, sich denen, die Gott, die Wahrheit und die Gerechtigkeit echt suchen, wirklich als eine Neuheit offenbart und sie nachdrücklich anzieht.“ 

Papst Benedikt XVI. rief alle Seminaristen dazu auf, mit Hilfe ihrer Ausbilder ihre Berufung zum Priestertum ernsthaft zu prüfen. Nur wenn sie fest vom Ruf Gottes überzeugt und entschlossen zum Gehorsam gegenüber den Weisungen der Kirche seien, sollten sie auf dem Weg zum Priestertum voranschreiten. Nach dem Beispiel Christi sollten sie sich frei machen von allen menschlichen Wünschen, um durch ihre selbstlose Haltung die Menschen zu erbauen. Er verwies auf den heiligen Johannes von Ávila, den Schutzpatron des spanischen Weltklerus, als Modell für diese anspruchsvolle Lebensweise. Abschließend ermutigte der Heilige Vater die Seminaristen zum Vertrauen auf Maria, die Mutter der Priester. Er schloss mit den Worten: „Blickt vor allem auf die Jungfrau Maria, die Mutter der Priester. Sie wird nach dem Vorbild Christi, ihres göttlichen Sohnes, eure Seele zu formen wissen und euch lehren, immer die Güter zu hüten, die er auf Golgota für die Rettung der Welt erworben hat. Amen.”[eo]