Begeisterte und warmherzige Aufnahme des Papstes in Aquileia

Ort des Konzils, das den Arianismus verurteilt hatte

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ROM, 9. Mai 2011 (ZENIT.org/Radio Vatikan). - Erste Station des zweitägigen Pastoralbesuches von Benedikt XVI. war am Samstagnachmittag die nordostitalienische Provinzstadt Aquileia, die für die Christianisierung der Alpenslawen große historische Bedeutung hatte und bis 1918 österreichisch war. Heute leben dort noch 3.500 Einwohner, im Mittelalter war Aquileia dagegen Zentrum einer der größten Diözesen Europas.

Die Gegend von Aquileia stellte einstmals die natürliche Verbindung zur Adria und zum ganzen Mittelmeerraum dar. Zunächst eine wichtige römische Flottenstation, entstanden hier seit dem zweiten und dritten Jahrhundert bedeutende christliche Gemeinden. Nach der Tradition wurden sie von dem Petrusschüler Markus gegründet. Tatsache ist, dass Aquileia ab dem fünften Jahrhundert ein wichtiges kirchliches Zentrum wurde. Aquileia hatte ein eigenes Credo und eine eigene Liturgie.

Von dem geschichtlichen Zeitpunkt an, als einerseits das Mittelmeer aufhörte, verbindender Mittelpunkt einer gemeinsamen Kultur und eines gemeinsamen Lebensraums zu sein, andererseits die nördlichen Regionen eigene Schwerpunkte entwickelten, schwand die wichtige Position Aquileias. Es entstanden andere kirchliche Zentren wie Salzburg, Mainz usw., was eine ganz natürliche Entwicklung darstellte.

Kurz nach 16.00 Uhr landete der Papst am Flughafen Triest-Ronchi dei Legionari, von wo aus er im Papamobil in die alte Patriarchenstadt weiterfuhr. In Empfang genommen wurde er am Flughafen vom Patriarchen von Venedig, Kardinal Angelo Scola, den Erzbischöfen von Gorizia und Udine, Dino De Antoni und Andrea Bruno Mazzocato, sowie weiteren Würdenträgern.

Erste Station war die übervolle Piazza del Capitolo in Aquileia. Nach den Grußworten des Bürgermeisters, Alviano Scarel, hielt der Papst seine Begrüßungsansprache, in der er die Bedeutung Aquileias als historischem Beispiel für eine lebendige und mutige Kirche hervorhob, die viele Märtyrer hervorgebracht hatte.

Der Heilige Vater drückte zunächst seine Freude darüber aus, dass er seinen Pastoralbesuch in Aquileia beginnen dürfe, und grüßte auch alle ausländischen Pilger, die zu diesem Ereignis angereist waren.

Die archäologischen Ruinen dieser Stadt zum Anlass nehmend, erzählte er vom Beginn dieser Stadt, die 181 n. Chr. entstand und florierte.

Die wirkliche Herrlichkeit Aquileias bestehe darin, dass sie mit den Worten des heiligen Paulus ausgedrückt, keine Stadt der Adligen und Mächtigen sei, sondern etwas darstelle, was für die Welt schwach und niedrig scheine. Nach der Geburt und dem Tod Christi habe sich die frohe Botschaft seiner Auferstehung nach Westen hin verbreitet, Alexandrien und dann auch diesen Ort erreicht. So sei gerade in diesem Teil Italiens der Same der Hoffnung gesät worden.

„Die Größe von Aquileia liegt nicht nur darin, dass diese Stadt die neuntgrößte des Imperiums und die viertgrößte Italiens war, sondern in ihrer lebendigen und vorbildlichen Kirche, die zu einer authentischen Verkündigung des Evangeliums fähig war, das sie mutig in den umliegenden Regionen verbreitete und das sie für Jahrhunderte bewahrte und nährte. Deshalb erweise ich dieser gesegneten Erde die Ehre, die vom Blut zahlreicher Märtyrer getränkt und vom Opfer vieler Glaubenszeugen gezeichnet ist. Ich bitte die heiligen Märtyrer von Aquileia darum, auch heute in der Kirche mutige und treue Jünger Christi zu erwecken, die sich nur zu ihm bekennen und deshalb überzeugt und überzeugend sind“, so der Papst.

Nachdem Kaiser Konstantin den Christen im vierten Jahrhundert Religionsfreiheit gewährt habe, habe sich Aquileia im Laufe des fünften Jahrhunderts zu einem wichtigen Zentrum der Kirche entwickeln können. Wie ein „schlagendes Herz“ habe das Glaubenszentrum missionarisches Blut bis weit in Norden hinauf gepumpt, bis ins heutige Österreich, Bayern, Tirol und Slowenien. Auch einige Kirchen im heutigen Kroatien und Ungarn gingen auf die von Aquileia ausgehende Mission zurück. Unter den geistlichen Führern, die dazu beigetragen hätten, nannte der Papst den heiligen Chromatius, Bischof von Aquileia. Dieser habe sich auf dem Konzil von Aquileia im Jahr 381 gegen die Lehren des Arianismus gewandt, dessen Anhänger die Gottheit Christi leugneten.

„Möge die Glaubensstärke eurer Glaubensväter euch im eigenen Glauben bestärken“, so die Botschaft Benedikts XVI. an seine Zuhörer, „möge sie euch Beispiel der Einheit und Völkerverständigung sein“.

Der Heilige Vater gab dann seiner Freude Ausdruck, dass er nun gekommen sei, um die alten Traditionen der Kirche in dieser Stadt zu bewundern und erinnerte an Christus als die einzige Quelle der Hoffnung auf die Zukunft. Nur er könne die Bedeutung der Vergebung, der Gerechtigkeit und des Friedens eröffnen.

„Entdeckt in dieser Stunde der Geschichte wieder diese grundlegende Wahrheit, verteidigt sie, und bekundet sie mit geistlicher Wärme. Denn nur durch Christus erhält die Menschheit Hoffnung und eine Zukunft, nur durch ihn kann sie die Bedeutung und Stärke der Vergebung begreifen, der Gerechtigkeit und des Friedens. Haltet den Glauben und die Werke eurer Herkunft mit Mut immer lebendig!“

Das nur 30 Kilometer von der slowenischen Grenze entfernte Aquileia liegt heute in der zweisprachigen Erzdiözese Gorizia. Dementsprechend richtete der Papst seine Grüße in verschiedenen Sprachen an die versammelten Gläubigen: auf Slowenisch, Kroatisch und Deutsch:

Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:

„Von Herzen grüße ich die Gläubigen deutscher Sprache. Aus den angestammten christlichen Wurzeln eurer Heimat mögen in euren Gemeinden weiterhin reiche Früchte hervorgehen. Gott segne euch!"

In der Basilika von Aquileia traf der Papst im Anschluss mit Vertretern der 15 Diözesen der Region zu einer Vesperfeier zusammen, darunter den Organisatoren des fürs kommende Jahr geplanten Zweiten Kirchentages von Nordostitalien 2012: „Secondo Convegno delle Chiese del Triveneto - Aquileia 2012“. Die prachtvolle romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert ist berühmt für ihre Mosaiken aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert, die größten zusammenhängenden aus frühchristlicher Zeit. Bei der Vesper mit dabei war der Patriarch von Venedig, Kardinal Angelo Scola, sowie der Erzbischof von Gorizia, Dino De Antoni, und der Erzbischof von Padua, Antonio Mattiazzo.

In seiner Predigt ermutigte der Papst die italienische Kirche dazu, im heutigen Staat aktiv zur moralischen und politischen Bildung beizutragen,  es bedürfe einer „neuen Generation von Männern und Frauen, die dazu in Lage sind, direkte Verantwortung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu übernehmen, insbesondere im politischen Bereich“, so der Papst.

„Dieser Bereich braucht mehr denn je Menschen, insbesondere junge Menschen, die ein gutes Leben zum Wohl und im Dienst aller aufbauen können. Dieses Einsatzes dürfen sich Christen in der Tat nicht entziehen.“

Weiter gehörten zur Mission der Kirche die karitative Arbeit – also die Unterstützung von Bedürftigen, Armen und Kranken, sowie die Stärkung der Jugend und insbesondere der Familie, die in Italien angesichts zerrütteter Ehen immer mehr in die Krise gerate. Benedikt XVI.:

„Tragt Sorge darum, die Familie ins Zentrum eurer Aufmerksamkeit zu setzen, die Wiege der Liebe und des Lebens und Grundzelle der Gesellschaft und Kirchengemeinschaft. Dieser pastorale Einsatz wird angesichts der immer verbreiteteren Krise des Ehelebens und der sinkenden Geburtenrate immer dringlicher.“

Der für das kommende Jahr geplante zweite Nordostitalienische Kirchentag sei eine Einladung dazu, „die aktuell tiefgreifenden Veränderungen mit den Augen des Glaubens zu lesen“, so der Papst, ebenso „die neuen Herausforderungen“ der so genannten Neuevangelisierung will heißen der Frage, wie der Glaube in europäischen Ländern katholischer Tradition aufgefrischt und gestärkt werden kann.

„Schützt, stärkt, lebt dieses kostbare Erbe“, so Benedikts Appell an die norditalienischen Gläubigen, „ja verteidigt es eifersüchtig!“, fuhr er fort. Mit Blick auf die kulturelle und religiöse Vielfalt der Region, die „in Europa Kreuzungspunkt zwischen Ost und West, Nord und Süd“ sowie durch Migration und Tourismus gekennzeichnet sei, gelte es, die christliche Identität „direkt und ehrlich“ zu zeigen, ermutigte der Papst.

Auch auf die Früchte des christlichen Erbes in der italienischen Gesellschaft ging der Papst dann explizit ein. So sei der Nordosten Italiens „Zeuge und Erbe einer reichen Geschichte des Glaubens, der Kultur und der Kunst, deren Spuren auch in der heutigen säkularisierten Gesellschaft gut sichtbar“ seien – zum Beispiel in der Liebenswürdigkeit, Fleiß und Ausdauer der Italiener, die sich auch in Barmherzigkeit und Solidarität zeigten:

„Trotz des verbreiteten Materialismus gibt es klare Zeichen einer Öffnung zur transzendenten Dimension hin“, so der Papst, „es gibt einen grundlegenden Sinn der Religiosität, den fast die Gesamtheit der Bevölkerung teilt. Dazu zählt auch die Erneuerung christlicher Initiation, die vielfältigen Ausdrucksformen des Glaubens, der Barmherzigkeit und der Kultur, die Volksreligiosität, der Sinn für Solidarität und das Ehrenamt.“

Angesichts der „oft übertriebenen Suche nach wirtschaftlichem Wohlstand“ in einer Zeit der „wirtschaftlichen und finanziellen Krise“ müssten Subjektivismus und Materialismus überwunden werden, erklärte der Papst weiter. Es gelte, eine menschlichere, gerechtere und solidarischere Gesellschaft aufzubauen, die im Dienste des Gemeinwohls stehen müsse.