Begleiterin Kirche: Nigerianischer Bischof erzählt seine Berufungsgeschichte

Msgr. Emmanuel Adetoyese Badejo ist Weihbischof von Oyo

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OYO, 4. September 2009 (ZENIT.org).- Msgr. Emmanuel Adetoyese Badejo ist Weihbischof der Diözese Oyo in Nigeria. 1986 wurde er zum Priester geweiht, im Jahr 2007 empfing er die Bischofsweihe. Im folgenden Bericht erzählt er ZENIT seine Berufungsgeschichte. Der afrikanische Geistliche ist Medienbeauftragter der Nigerianischen Bischofskonferenz und Autor mehrerer Bücher. Darüber hinaus  produzierte er Videos und komponierte Musikstücke.

Anlässlich des Priesterjahrs bietet ZENIT seinen Lesern Einblick in verschiedene Berufungsgeschichten von Kardinälen, Bischöfen und Priestern. Die Reihe wurde mit den „Bekenntnissen“ von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone SDB eröffnet.

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Es gibt einiges im Leben, dass man nicht so leicht vergisst. Für viele Priester ist es gewiss die Erfahrung oder das Ereignis, durch das Gott sie zum Priestertum berufen hat. Ich gehöre nicht zu dieser Elite. Das sage ich ganz aufrichtig.

Anders als dies bei Moses, Samuel und Paulus der Fall war, war mein Erweckungserlebnis von Anfang an recht vielschichtig. Gleichzeitig war es eine schlichte Erfahrung.

Vielleicht versteht man das besser, wenn ich dazu einige Informationen über meine Familie preisgebe. Zudem glaube ich, dass dieses Priesterjahr und all die Herausforderungen, mit denen sich die Kirche aktuell angesichts des Relativismus konfrontiert sieht, eine Form von Kommunikation religiöser Erfahrungen erforderlich macht, die den anderen auf Augenhöhe begegnet, also nicht zu abgehoben sind.

Ich bin in einer Familie mit sieben Kindern aufgewachsen. Zu Hause waren wir vier Jungen und drei Mädchen. Im Alter von vier Jahren habe ich verstanden, dass meine Familie dreidimensional angelegt war. Für meine Eltern und meine beiden älteren Brüder bestand das Leben aus Haus, Arbeit und Kirche. Für uns andere sah das schon anders aus. Da gab es Haus, Schule und Kirche.

Diese drei Säulen, auf dem mein Leben ruhte, hat meine Kindheit so sehr geprägt, dass für mich nur solche Ereignisse wichtig waren, die mit diesen drei Bereichen des Lebens zu tun hatten. Darüber hinaus habe ich entdeckt, dass von diesen Lebensräumen „Kirche“ die wichtigste Realität wurde und dass sie sich auch auf die anderen beiden Spähren ausdehnte. Schule und Familie wurden gewissermaßen zur erweiterten Kirche.

Ich bin mit dem Gefühl aufgewachsen, dass Missionare und Schwestern schlicht ein Teil unserer Familie sind. Schließlich kamen und gingen sie bei uns Tag und Nacht ein und aus - so, wie sie es gerade wollten. Sie schienen neben uns sieben Kindern die einzigen zu sein, für die es keine Familiengeheimnisse gab. Sie haben meiner Familie in den vielen Zeiten der Not immer geholfen. Ihr Dasein erzählte von einer Kirche, die zur Lebensgefährtin werden kann. Nachdem uns die Missionare verlassen hatten, nahmen eingeborene Priester und Ordensschwestern ihren Platz ein.

Außerdem wurde das Gebet zu einem Zugang, der mich meine Berufung entdecken ließ. Meine Eltern richteten es so ein, dass das Morgengebet, das Tischgebet und das Gebet vor dem Schlafengehen für uns als geboten galten. Das Lesen der Bibel wurde ebenfalls regelmäßig praktiziert. Wenn uns manchmal, besonders am Nachmittag, die Langeweile packte und der Familiensegen in Gefahr geriet, betete mein Vater mit uns ein Lobgebet in der traditionellen Form.

Wir alle, ausgenommen mein Vater, gehörten zudem zum Kirchenchor. Der einzige Grund, weswegen mein Vater nicht beim Chor mitmachte, bestand darin, dass er nicht den Eindruck erwecken wollte, der Kirchenchor sei allein auf seine Familie konzentriert.

Wie dem auch sei, am Nachmittag öffnete mein Vater das uns vertraute Hymnenbuch und ließ uns singen. Zum Gesang kam der Ton der Bänke, der Stühle und all der anderen Gegenstände hinzu, die wir in unserem armen Haus finden konnten, um den Rhythmus anzugeben. Diese Aktivitäten zogen ein gewisses Publikum an, darunter auch muslimische Familien, die in der Nachbarschaft lebten und sich dem Gesang anschlossen oder einfach da blieben, um zuzuhören.

Mein Vater nützte den Vorteil dieses gut eingeübten Chores voll aus. Er ließ uns nicht nur regelmäßig im Kirchenchor und zu Hause singen, sondern er brachte uns auch zum Beten und zum Singen für die Kranken und die Patienten ins örtliche Hospital, besonders an Weihnachten und Ostern. Obwohl alle Glieder der Familie gute Sänger waren, sangen meine kleinere Schwester und ich immer die Solostücke. Dies vermittelte mir den Eindruck einer besonderen Sendung und Berufung.

In der Schule war das Leben nicht viel anders. Das Gebet war ein zentraler Teil des Schullebens, so als befänden wir uns in einer Kirche. In der Grundschule wurde ich für Hauptrollen gewählt, wenn es darum ging, zu singen oder Theater zu spielen. Der Großteil dieser Tätigkeiten kreiste um religiöse oder ethisch relevante Themen; daher fühlte ich mich einfach berufen, irgendwann einen besonderen religiösen Auftrag zu übernehmen.

Eine Erfahrung aus der Zeit der Grundschule, an die ich mich besonders erinnere, war die Sondervorstellung eines Theaterstücks in der Pfarrei. In diesem Werk spielte ich den Erben einer heidnischen Familie, der sich zum Katholizismus bekehrt hatte und Priester werden wollte.

Viele Monate nach dieser Vorstellung nannte mich der Großteil der Leute "Hochwürden". Das machte in jenem jungen Alter einen tiefen Eindruck auf mich. Die Dankbarkeit gilt meinen Lehrern, die mich ermutigten, diese Rolle zu spielen und die bigotte Bewunderung zu genießen, die darauf folgte. Im Knabenseminar ging es genauso weiter. Vom jüngsten Leiter der Musikgruppen der Schule stieg ich zum Chorleiter des Seminars auf, so dass meine innere Überzeugung wuchs, eine besondere Bestimmung im Leben zu haben.

Mein Vater sprach zu uns ständig von dem Wunsch seines Vaters, der ein König war (mein Großvater war der König meines Stammes Ijebu, Nigeria, woher ich stamme), einen Priester in seiner Familie zu haben, und meine Mutter empfahl uns immer der Gegenwart unserer starken Schutzengel. Obwohl sie für keinen von uns die Laufbahn des Priesters vorherbestimmten, schickten sie uns jeden Tag zur Messe und ließen verstehen, dass es für sie eine große Freude wäre, einen Priester in der Familie zu haben. Trotz unserer Armut zeigten sie in weitem Umfang ihre Aufrichtigkeit in Gesten der Freundlichkeit und der Großherzigkeit gegenüber Priestern und Schwestern, die in unser Dorf und zu uns nach Hause kamen. Es ist überflüssig zu sagen, dass mich das dazu brachte, es für positiv zu erachten, Priester zu werden.

Meine Geschwister hatten sich ihrerseits an die Gegenwart von Priestern und Schwestern in der Familie gewöhnt, was meine Entscheidung, Priester zu werden, sehr erleichterte. Als Ministrant kehrte ich nach Hause zurück und ahmte den Priester nach, indem ich die Messe las. Sie schauten mich mehr mit Verehrung als mit Spott an und gaben mir den Eindruck, etwas Richtiges zu tun.

Nur mein größerer Bruder brachte einen gewissen Vorbehalt hinsichtlich der Idee zum Ausdruck, dass ich Priester werde. Als ich ins Priesterseminar eintrat, war er schon ein anerkannter Künstler. Er dachte, dass das Priestertum besser zu meinem Bruder passen würde, der schon in das Priesterseminar eingetreten war, während ich mich doch seinen Aktivitäten anschließen könnte. Dennoch unterstützte er uns beide, nachdem wir das Seminar beendet hatten. Mein Bruder verließ später das Seminar und heiratete.

Diese Aspekte meines Lebens haben mich verstehen lassen, dass Gott eine besondere Mission für mich hat. Während ich größer wurde, hatte ich keine Zweifel daran, dass, wenn ich einmal etwas Wichtiges tun würde, dies innerhalb dieser liebenswürdigen und immer präsenten Kirche geschehen würde.