Begräbnisfeier in Rom wird zum Zeugnis für die Kraft der Auferstehung Christi

Dreiteilige Begräbnisfeier für Johannes Paul II.

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ROM, 8. April 2005 (ZENIT.org).- Millionen von Pilgern erwarteten den Beginn des Trauergottesdienstes für Papst Johannes Paul II. am Freitag, dem 8. April, im und um den Petersdom sowie in den meisten Straßenzügen Roms. Unzählige hatten die Nacht unter freiem Himmel verbracht. Aufgeweckt hatte sie der erwartete Tag mit einer kühlen Brise, der Himmel war bedeckt. Überall sah man das Fahnenmeer in den rot-weißen Landesfarben Polens, der Heimat des verstorbenen Johannes Paul II, der feierlich zu Grabe getragen werden sollte.



Die rund 4 Millionen Pilger konnten in ganz Rom Beisetzungsfeierlichkeiten mitverfolgen. Großbildschirme standen nicht nur rund um St. Peter, sondern auch im Zirkus Maximus, auf der Piazza del Popolo, der Piazza Navona, im Olympiastadion und zahlreichen anderen Orten.

Als der Chor das "Requiem aeternam“ anstimmte, erhob sich ein tosender Applaus, als Zeichen der Dankbarkeit und der Anteilnahme. Er begleitete den Einzug, angeführt vom Kreuz und gefolgt vom schlichten Sarg aus Zypressenholz mit dem Leichnam des Papstes, der sich einen solchen Sarg gewünscht hatte. Zwölf Träger begleiteten den Sarg, verziert mit einem schlichten schwarzen Holzkreuz am Fußende. Auf ihm lag das Evangeliar, dessen Verkünder Johannes Paul II. gewesen ist.

Links vom Altar versammelten sich 600 Kardinäle, Bischöfe, Kanoniker des Petersdoms und römische Pfarrer, rechts rund 1.400 politische Ehrengäste. Unmittelbar vor der Tribüne, auf der der Altar sowie der Sarg Johannes Pauls II. standen, fanden 2.500 privilegierte Begräbnisteilnehmer (Minister, Diplomaten und Personen, die dem Papst nahe gestanden waren) Platz.

Im Block der politischen Ehrengäste saßen in der ersten Reihe die Delegation der Stadt Rom mit Bürgermeister Walter Veltroni an der Spitze, die italienische Delegation, die von Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi angeführt wurde sowie die polnische Delegation unter der Führung von Präsident Aleksander Kwasniewski. Ab der zweiten Reihe nahmen die anderen Delegationen Platz.

Joseph Kardinal Ratzinger, Dekan des Kardinalkollegiums, war der Hauptzelebrant der Eucharistiefeier. Die erste Lesung aus der Apostelgeschichte (10,34-43) wurde auf Spanisch vorgetragen, von einer jungen Frau aus Lateinamerika.

“Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit der Kraft , wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden getan hat“, hieß es unter anderem, was sogleich an das Zeugnis des Verstorbenen denken ließ.

Die zweite Lesung aus dem Brief an die Philipper (3,20-4,1) trug ein Mann auf Englisch vor. "Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann", wurde Millionen von Menschen gesagt.

Die Stelle aus dem Johannesevangelium (21,15-19) wurde auf Latein von einem Diakon proklamiert. Joseph Kardinal Ratzinger würdigte in seiner anschließenden Predigt das Leben und Leiden des Papstes als Opfer für die gesamte Menschheit. "Unser Papst, das wissen wir alle, wollte sein Leben niemals für sich aufsparen, es für sich behalten", sagte Ratzinger am Freitag auf dem Petersplatz in Rom. "Folge mir nach" sei der Ruf Jesu gewesen, dem Johannes Paul II. sein ganzes Leben lang treu geblieben sei.

Die Fürbitten spiegelten die Universalität der Kirche wieder: Auf Französisch wurde für den Papst gebetet, auf Tagalo formulierte eine Philippinin die Bitte für die Kirche. Eine Polin bat Gott um das Heil alle Völker, ein junger Mann betete auf Deutsch für alle verstorbenen Päpste und eine junge Portugiesin schließlich bat für alle Verstorbenen. Für alle Anwesenden wurde auf Italienisch gebetet.

Eine Familie aus dem Geburtsort des Papstes aus Wadowice half dabei, zur Gabenbereitung Brot und Wein zum Altar zu tragen. Der Chor begleitet diesen beeindruckenden Moment mit dem Gesang von Psalm 17: “Ich aber will in Gerechtigkeit dein Angesicht schauen, mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache“ (Vers 15). Zur Kommunion wurde Psalm 129 angestimmt.

Am Ende der Messe gab es keinen Schlusssegen. Der geschlossene Sarg des Papstes wurde noch ein letztes Mal der Menge auf dem Petersplatz gezeigt. “Viva el Papa“ tönte es auf Spanisch, der Beifall war ungebrochen und Plakate forderten mit dem Worten "Santo subito!" ("Rasch heilig!") einen baldigen Heiligsprechungsprozess. Kardinal Ratzinger ließ der Menge reichlich Zeit, um sich von Johannes Paul II. zu verabschieden. Dann schritt man schließlich zur "Ultima Commendatio" (Aussegnung) und zum "Valedictio" (Abschiednehmen): Kardinal Ratzinger ergriff das Wort, um die Gebete um die Aufnahme des Papstes in den Himmel und die Tröstung der Kirche durch die Auferstehung zu sprechen. Gemeinsam beteten alle die Heiligenlitanei. Danach wurde der Heilige Vater unter den Klängen des "Magnificat" zur Bestattung in den Petersdom getragen. Am Ende des Trauergottesdienstes wurde das Fürbittgebet der Kirche von Rom für den verstorbenen Papst gehalten. Dieses Gebet sprach Kardinalvikar Camillo Ruini.

Anschließend sprachen die anwesenden unierten Patriarchen und Erzbischöfe das Fürbittgebet der östlichen Kirchen. Eine Neuheit war, dass diese Gebete teilweise auch von nichtkatholischen Kirchenvertretern gesprochen wurden. Als sich die Zelebranten schließlich in die Sakristei zurückzogen, wurde der Beifall der vielen Gläubigen immer lauter, denn sie wollten ihren Papst nicht gehen lassen. Die Sargträger machten daraufhin einen letzten Rundgang.

Der dritte Teil der Beisetzungszeremonie, der rund eine Stunde dauerte, wurde ohne Fernsehaufnahmen in den vatikanischen Grotten vollzogen: die Beerdigung. Der Sarg aus Zypressenholz wurde in einen Zinksarg gelegt, der wiederum in einen Sarg aus Eichenholz versenkt wurde. Nicht alle Kardinäle konnten an der Beisetzung in der Krypta, nur wenige vom Grab des heiligen Petrus entfernt, teilnehmen. Dem Leichnam des Papstes wurde auch ein Säckchen mit Gedächtnismünzen aus seinem Pontifikat in Bronze und Silber sowie ein Bleiröhrchen beigegeben, das einen kurzen Lebenslauf Johannes Pauls II. in lateinischer Sprache ("Rogito") enthält.

Vor der Schließung des Sarges hatten die Erzbischöfe Piero Marini und Stanislaw Dziwisz einen weißen Schleier über das Gesicht des Papstes gebreitet. Dazu beteten sie ein Gebet, das die Worte enthält: "Möge dein Antlitz, dem das Licht dieser Welt entzogen ist, auf immer vom wahren Licht erleuchtet werden."

In den vatikanischen Grotten sind neben Johannes Paul II. auch über 160 andere Päpste begraben. In seiner unmittelbaren Nähe befinden sich elf solcher Papstgräber.

Während der Prozession zur Begräbnisstätte erklang das "Magnificat". An Ort und Stelle wurden schließlich die Psalmen 113, 117 und 41 gesungen. Feierlich abgeschlossen wurde das Begräbnis für Papst Johannes Paul II. mit dem Gesang des "Salve Regina".