"Bei ihm sein und gesandt sein": Papst Benedikt XVI. erklärt den Schlüssel zu einem gelingenden Leben in der Nachfolge

Vesper-Gottesdienst in der Basilika Sankt Anna

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ALTÖTTING, 11. September 2006 (ZENIT.org).- Sichtlich vergnügt und gelassen schritt Papst Benedikt XVI. in Altötting unbekümmert durch die Menge, um – augenscheinlich sehr zum Leidwesen der Sicherheitskräfte -, unzählige Pilger ganz persönlich mit einem Händedruck zu begrüßen. Er nahm sich sehr viel Zeit für die Landsleute, ehe er am Montagnachmittag auf nachdrücklichen Hinweis seines Sekretärs die Basilika Sankt Anna betrat. Dort sollte gegen 17.00 Uhr die Vesper mit Ordensangehörigen und Priesteramtskandidaten und Mitgliedern des Päpstlichen Werkes für Berufungen (PWB) aus Bayern und der gesamten Bundesrepublik beginnen.



In der Kirche wurde der Bischof von Rom von über 5.000 Gläubigen mit nicht enden wollenden Beifallsovationen in Empfang genommen, der sich mit dem Eingangshymnus des Abendlobes, "Da knie ich Maria", vermischte.

Zuletzt war der Papst am 7. Juli in Valencia (Spanien) beim Weltfamilientreffen mit Priesteramtkandidaten und Ordensleuten zusammengekommen, die er damals als "lebendiges Licht des Glaubens" bezeichnete. Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der Heilige Vater die Ordensleute den "großen Schatz der Kirche" genannt.

Schon bei seinen Begegnungen in München fiel sein warmherziger, vertrauter und familiärer Umgang mit den Ordensleuten auf, der wohl etwas von dem erschließt, was ihm die innigen Bande innerhalb seiner Familie im Glauben bedeuten.

Ein sichtlich bewegter Benedikt XVI. schritt zur Kathedra der Basilika, in die die "Schwarze Madonna“" von Altötting überführt worden war, um auf sichtbare Weise das mütterliche Zentrum der Gottesdienstgemeinde zu sein.

Diözesanbischof Wilhelm Schraml begrüßte den Papst "als ersten Anbeter unseres Herrn".

Die Lesung aus dem Galaterbrief verwies auf die zentrale Rolle Mariens in der Heilsgeschichte: "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen und damit wir das Recht der Sohnschaft erlangen" (Gal 4,3-4).

In seiner Ansprache unterstrich der Papst die Notwendigkeit einer persönlichen, innerlichen Gottesbeziehung für ein erfüllendes und kraftvolles Leben in der Nachfolge. Seine Betrachtung lud ein, zusammen mit der versammelten Gemeinde "hier am Gnadenort der heiligen Anna, in dessen Haus die größte Berufung der Heilsgeschichte reifte", nach der "Bedeutung der eigenen Berufung zu fragen".

In allen Kontinenten, so das wesentliche Anliegen des Papstes in dieser Stunde, sei die Ernte groß, aber Arbeiter gebe es nur wenige. Man habe sich versammelt, um "eben diese Bitte zum Herrn hinaufzuschicken! Die Ernte Gottes wartet auf Arbeiter!"

Eindringlich betete und bat der Papst: „"Es fehlen Menschen, die bereit sind, sich zu Erntearbeiter zu machen." Diese Mitarbeiter, so bekräftigte der Papst, bräuchten nicht "alles Mögliche zu wissen", sondern sie sollten "Wegweiser zum Leben in Fülle" sein. Dafür sei Offenheit notwendig: "Lass dich vom Mitleid erschüttern", so Benedikt XVI.

In seiner Betrachtung nahm er auch die grassierende Angst und Zaghaftigkeit in Betracht, für die es nur die Antwort des Engels gäbe, der schon Maria empfahl: "Fürchte dich nicht!"

Die Anwesenden fragte Benedikt XVI.: "Wohin gehen wir, wenn wir Ja sagen zum Ruf des Herrn?" In diesem Zusammenhang verwies er auf die beiden Pole, die der Evangelist Markus anführt: Es gehe darum, bei ihm zu sein und als Gesandter auf den Weg zu den Menschen zu sein. "Das gehört zusammen, das ist das Wesen des Priestertums und Ordenslebens. Wer bei ihm ist, der muss es weitergeben."

Die Eucharistie, das Allerheiligste, nannte er den "verborgenen Schatz". In der Hostie sei Jesus gegenwärtig, "für uns immer zugänglich".

Abschließend lud der Heilige Vater alle ein, den heiligen Konrad zu bitten, "den Blick auf den Herrn zu halten und Gottes Liebe zu den Menschen zu bringen".

Nach der Vesper trug sich Papst Benedikt in der Basilika in das Goldene Buch der Stadt Altötting ein, das ihm Bürgermeister Herbert Hofauer vorlegte. Danach brach er zu seinem Geburtsort Marktl am Inn auf.