Beichte nach siebzig Jahren

Priestererlebnis von Juan Carlos Mari, Ecuador

Wien, (ZENIT.org) | 1240 klicks

An jenem Karfreitagabend blieb ich lange auf den Beinen, weil ich etwa sechs Stunden lang Beichte gehört hatte. Als ich endlich fertig war, war es schon sehr spät geworden. Ich freute mich auf zuhause und darauf, mich ein wenig auszuruhen. Die Kirche war schon leer. In diesem Moment kam eine betagte Frau herein, die mich bat, ihr die Beichte abzunehmen.

Gerade wollte ich ihr schon sagen, dass sie morgen kommen solle, weil ich vollkommen erschöpft war, als der Herr mir eingab, sie nicht abzuweisen. Ich sagte zu ihr: „Setzen wir uns in die Nähe dieses schönen Jesusbildes, auch wenn es heute wegen des Karsamstags abgedeckt ist.“

Ich fragte sie, wann ihre letzte Beichte war, und zu meiner Überraschung erfuhr ich, dass diese siebzig Jahre zurücklag. Da fragte ich sie: „Was ist geschehen, dass Sie jetzt Ihre Meinung geändert haben?“

Mit Tränen in den Augen antwortete sie mir: „Ich wollte an der Kirche vorbeigehen, da habe ich eine starke und klare Stimme gehört, die mir sagte: ‚Komm!‘ – Da bin ich eingetreten und traf Sie, Padre. Sie haben auf mich gewartet.“

Ich war innerlich tief berührt und verstand, dass der Herr mich in seiner Begegnung mit dieser Seele als Werkzeug benutzt hatte. Eine Begegnung, auf die Gott seit siebzig Jahren gewartet hatte. Am Ostermontag verstarb die alte Dame. Bevor sie starb, hat man sie lächeln sehen, gerade so, als ob sie jemandem antworten würde, der zu ihr sagt: „Komm, meine liebe Tochter!“

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