Beim Papst in der ersten Reihe - „H2Onews“ bietet im Internet Filmberichte aus Vatikan, Weltkirche und katholischer Welt

Von Guido Horst

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WÜRZBURG, 6. März 2008 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Kostenlose Bilder aus dem Vatikan liefert ab sofort die neue Internet-Seite www.h2onews.org. Wer auch immer einen Computer hat und online ist, findet unter dieser Adresse einen neuen Nachrichtendienst, eine Art katholisches „YouTube“, das am Dienstag in Rom vorgestellt wurde. „H2Onews“ erscheint in acht Sprachen und auch auf Deutsch, weswegen man die chemische Formel für Wasser als Namen des Dienstes wählte. Denn das verstehen auch Araber und Chinesen, die sich die Nachrichten ebenso in ihrer Sprache anhören können wie Engländer, Franzosen, Spanisch und Portugiesisch sprechende Menschen wie auch Italiener und Deutsche.



Keine einseitigen Kommentare

Kurze Filme, nicht länger als anderthalb Minuten, zeigen Bilder aus dem Leben der Kirche und des Vatikans, Sprecher verlesen dazu die Nachricht. Welchen Eindruck macht die neue Botschafterin der Vereinigten Staaten beim Heiligen Stuhl? Oder wie war es, als jetzt Papst Benedikt mit römischen Studenten des Rosenkranz betete? Bei „H2Onews“ kann man es sehen, dank der vatikanischen Fernsehanstalt CTV (Centro televisivo vaticano), das den Betreibern die entsprechenden Filmaufnahmen kostenlos zur Verfügung stellt. Die Mauern der römischen Kurie sind durchsichtig geworden. Plötzlich kann man im Internet verfolgen, was bei Audienzen und Begegnungen mit dem Papst vor sich geht.

Wer den Nachrichtendienst „Zenit“ nutzt, kennt bereits die Geschäftsidee. „Zenit“ kommt ohne Bilder aus, verbreitet nur Texte, aber ebenfalls in mehreren Sprachen, und zwar kostenlos. Die Präsenz in der ganzen Welt mit einem Millionenpublikum und eine alljährliche Spendenkampagne ermöglichen es den Betreibern, den Nachrichtendienst „Zenit“ allen Lesern umsonst zur Verfügung zu stellen.

Auch die inhaltliche Linie von „H2Onews“ und „Zenit“ gleicht sich: Nur Nachrichten aus Vatikan und Weltkirche, Papstansprachen und andere Dokumente in wörtlicher Übersetzung, selten ein Themenbeitrag von ausgewählten Autoren. Nie jedoch Kommentare oder Stellungnahmen zugunsten einer Seite im Fall innerkirchlicher Debatten.

Wer bis jetzt schon vermutet hatte, dass hinter „Zenit“ und „H2Onews“ dieselben Betreiber stecken, sah sich am Dienstag teilweise bestätigt. Der spanische Journalist Jesús Colina, der „Zenit“ vor Jahren gegründet hatte, saß mit unter den Repräsentanten des neuen Dienstes. Allerdings ist „H2Onews“ eine eigenständige Firma, wenn auch viele Mitarbeiter von „Zenit“ hier wieder auftauchen. Allerdings hat man kräftig aufgerüstet: Monsignor Enrique Planas, emeritierter Mitarbeiter des Päpstlichen Medienrats, ist General-Koordinator von „H2Onews“. Der neue Präsident dieses Rates, Erzbischof Claudio Maria Celli, machte bei der Präsentation in einem Restaurant unweit des Vatikans auch deutlich, dass der Medienrat zwar keine Patenschaft für diese Initiative übernehme, sie aber mit großer Sympathie verfolge.

Und Glück hatten die Gründer von „H2Onews“: Eine vor wenigen Jahren in Spanien entstandene Kongregation von Ordensfrauen – die Gründerin ist erst in den Vierzigern – hat sich auf das Medienapostolat spezialisiert und einige Nonnen für den Film-Dienst abgestellt. Immer drei von ihnen arbeiten abwechselnd im römischen Studio von „H2Onews“ – unentgeltlich, aber, wie man versichert, mit höchster professioneller Qualifikation. Zwei Ordensfrauen in strenger Tracht, deren Farbe an einen Cappuccino erinnert, filmten auch mit Kameras die Vorstellung ihres Dienstes.

Fernsehsender in aller Welt können die kurzen Filmbeiträge von „H2Onews“ kostenlos übernehmen, Privatpersonen können sie sich am heimischen Computer anschauen. Was sieht man? Regelmäßig die Kernsätze und Appelle in den Ansprachen des Papstes, Kurzberichte über Tagungen im Vatikan, kleine Beiträge zum Jahrestag eines Heiligen oder christlichen Denkers. Aber auch Feuilletonistisches, etwa in einem Bericht über den „heiligen Zoo“: die zahlreichen Abbildungen von Tieren in der Petersbasilika.

Bunt, sachgerecht und erklärend will „H2Onews“ über die Kirche und die katholische Welt berichten, und das mit Filmchen und gesprochenem Text – eine Tendenz, die die Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts schon heute prägt. Nicht nur Jugendliche schicken sich die kurzen Videos aus „YouTube“ zu. Auch Erwachsene nutzen immer mehr dieses Medium. Es wird das Fernsehen der Zukunft sein. Die digitale Technik macht es möglich, sein „Fernsehprogramm“ am Computer selber zusammenzustellen. Noch laufen die Filmchen stockend und nicht mit höchster Qualität. Aber in wenigen Jahren dürfte auf den Bildschirmen alles zu sehen und zu haben sein, was irgendwann mit einer Kamera aufgenommen und ins Netz gestellt wurde. Hierfür stellt „H2Onews“ jetzt schon eine Plattform bereit. Eigene Produktionen bei dem Dienst abzulegen und der Internet-Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen – wie bei „YouTube“ oder bei „Gloria.tv“ im deutschsprachigen Raum, ist auch für die Homepage von „H2Onews“ geplant. Es ist der nächste Schritt dieser privaten und durch Spenden finanzierten Initiative.

Im Internet: www.h2onews.org

[© Die Tagespost vom 6. März 2008]