"Beim Spielsystem sind die Jungs noch nicht so weit, dass wir mit Viererkette spielen können"

Deutsche Nationalmannschaft für Fußballer mit intellektueller Behinderung bei WM im August

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 246 klicks

Die deutsche Nationalmannschaft ist in aller Munde und beherrscht die Schlagzeilen. Doch wer kennt die deutsche Nationalmannschaft für Fußballer mit intellektueller Behinderung?

Seit 2009 trainiert Nationaltrainer Jörg Dittwar die Nationalelf mit ID (Intellectual Disability). Vom 11. bis 24. August 2014 wird sie in São Paulo an der Weltmeisterschaft für Fußballer mit ID teilnehmen.

Jörg Dittwar war selbst lange Jahre als Profifußballer tätig und spielte beim 1. FC Nürnberg in der Bundesliga. Sein Engagement für die Nationalelf ist ehrenamtlich und auf Honorarbasis. Seine Erwartungen an die WM im August sind nicht allzu hoch gesteckt: „Unser Ziel ist es, die Vorrunde zu überstehen.“

Seine Spieler müssen bestimmte Voraussetzungen mitbringen, wie Dittwar erklärt: „Meine Spieler müssen einen IQ von unter 75 haben. Sie besuchen Förderschulen oder arbeiten in Werkstätten für behinderte Menschen. Nur wenige von ihnen können ein Spiel ansatzweise 'lesen'. Sie vergessen schnell wieder, was wir Trainer mit ihnen einstudiert haben. Deshalb müssen wir bei unseren Lehrgängen viele Dinge ständig wiederholen. Beim Training mit unseren 24 Nationalspielern achten wir auf sehr einfachen Fußball, weil die Spieler schnell vergessen. Meistens teilen wir die Spieler in Kleingruppen auf, um sie besser zu erreichen. Damit gewisse Automatismen entstehen, dauern die Trainingseinheiten auch zwei Stunden. Die Spieler werden vor allem in den Bereichen Taktik und Koordination ausgebildet. Beim Spielsystem sind die Jungs noch nicht so weit, dass wir mit Viererkette spielen können. Daher favorisieren wir das 3-5-2-System mit Libero.“

Unterstützt wird der Leistungsfußball für Sportler mit geistiger Behinderung vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) und der Gold-Kraemer-Stiftung. Lehrgangsstandort für die Sportler der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft ID ist das im August 2013 gegründete Fußball-Leistungszentrum Frechen (FLZ). Die Spieler im Alter von 18 bis 29 Jahren trainieren täglich acht Stunden an fünf Tagen in der Woche. Zwei Trainer und pädagogisches Fachpersonal garantieren die optimale Betreuung der Spieler.

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) Friedhelm Julius Beucher erklärte zu dem Projekt: „Die finanzielle und fachliche Unterstützung der Gold-Kraemer-Stiftung mit dem bundesweit ersten Fußball-Leistungszentrum für Fußballer mit geistiger Behinderung ermöglicht der Fußball-Nationalmannschaft ID eine wesentlich bessere Vorbereitungsarbeit und nachhaltigen Erfolg.“ Der stellvertretende Vorstandvorsitzende Dr. Gisbert von Abercron der Gold-Kraemer-Stiftung betonte: „Über den Sport lassen sich die gemeinsamen Ziele von Stiftung und DBS sehr gut verwirklichen, jungen Menschen mit Behinderung eine gezielte Förderung im Leistungssport anzubieten. Das FLZ ist anerkannte Werkstatt mit dem Berufsbild 'Fußball' und bietet die notwendigen sportlichen und pädagogischen Rahmenbedingungen, um auch die Arbeit der Nationalmannschaft nachhaltig zu unterstützen.“ Auch Jörg Dittwar zeigte sich mehr als zufrieden: „Mit dem FLZ als offiziellem Lehrgangsstandort des DBS erfüllt sich für mich ein langjähriger Wunsch und mit Willi Breuer als sportlichem Leiter des FLZ, wird es zukünftig einen engen fachlichen Austausch geben. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“