Beitrag Kardinal Rylkos bei der Bischofssynode für die Neuevangelisierung
Neue Bewegungen bergen unschätzbaren Wert für die Neuevangelisierung
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VATIKANSTADT, 15. Oktober 2012 (ZENIT.org). -
[Wir veröffentlichen die Anprache in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls:]
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- Kardinal Stanisław Rylko, Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien
Im Instrumentum laboris lesen wir unter Nr. 115: „Ein anderes Geschenk der Vorsehung an die Kirche ist das in den letzten Jahren erfolgte, oft unerwartete und charismatische Aufblühen von Gruppen und Bewegungen, die sich vor allem der Verkündigung des Evangeliums widmen.
Das Lehramt der letzten Päpste hat bei zahlreichen Anlässen diese „neue Zeit der Zusammenschlüsse von Laien“ als ein Geschenk der Vorsehung unterstrichen und damit auch den engen Zusammenhang mit dem „neuen Pfingsten“ des Zweiten Vatikanischen Konzils. Insbesondere der selige Johannes Paul II. verwies auf die missionarische Dynamik der Bewegungen und neuen Gemeinschaften, die „ein echtes Geschenk Gottes für die Neuevangelisierung und die missionarische Arbeit im engeren Sinn darstellen. Ich fordere also dazu auf, sie zu verbreiten und sich ihrer zu bedienen, um dem christlichen Leben und der Evangelisierung Kraft zu geben in einer pluralistischen Sicht der Art der Zusammenschlüsse und der Ausdrucksweisen“. Papst Benedikt XVI. hat seinerseits unterstrichen: „Ein von der Vorsehung bestimmtes Instrument für einen neuen missionarischen Impuls sind die kirchlichen Bewegungen und die neuen Gemeinschaften; nehmt sie auf und fördert sie in euren Diözesen.“ Und bei anderer Gelegenheit hat er die Bischöfe aufgefordert, sie „mit viel Liebe“ anzunehmen.
Leider stellen die Bewegungen und neuen Gemeinschaften weiterhin eine Ressource dar, die in der Kirche noch nicht in ihrem vollen Wert geschätzt wird, eine Gabe des Heiligen Geistes und ein Gnadenschatz, der vor den Augen vieler Hirten noch verborgen ist, weil sie sich vielleicht vor dem Neuen fürchten, das diese in das Leben der Diözese und der Pfarreien bringen. Der Heilige Vater ist sich dieser Schwierigkeit sehr wohl bewusst, und deshalb ermahnt er die Hirten „die Charismen nicht auszulöschen“ und „dass wir dankbar sein sollen, wenn uns der Herr neue Gaben schenkt, auch wenn sie manchmal unbequem sind“. Daher ist eine echte „pastorale Bekehrung“ der Bischöfe und Priester notwendig, die aufgerufen sind, in den Bewegungen vor allem ein kostbares Geschenk zu sehen und weniger ein Problem.
Denn die missionarische Begeisterung der neuen Gruppierungen entspringt nicht einem oberflächlichen Gefühlsenthusiasmus, sondern sehr tiefen und anspruchsvollen Erfahrungen der Glaubensbildung gläubiger Laien hin zu einem erwachsenen Glauben, die in der Lage ist angemessen auf die Herausforderungen der Säkularisierung zu antworten. Das Neue ihres Wirkens darf also nicht in ihren Methoden gesucht werden, sondern in der Fähigkeit die Zentralität Gottes im Leben der Christen wieder zu bekräftigen, eine grundlegende Frage in den Lehren des Heiligen Vaters Benedikt XVI. Auch für die Aufgabe der neuen Evangelisierung gilt das alte scholastische Sprichwort: operari sequitur esse, denn unser Handeln ist immer Ausdruck dessen, was wir sind. Evangelisierung ist nicht nur und nicht so sehr eine Frage des „Könnens und Tuns“, sondern vor allem eine Frage des „Seins“, das heißt des wahren und authentischen Christseins.
Darüber hinaus scheinen die von den Bewegungen und neuen Gemeinschaften angewandten Evangelisierungsmethoden sehr unterschiedlich, wirklich vielgestaltig zu sein. Aber sie sind zurückführbar auf die „drei Gesetze der Neuevangelisierung“, über die der damalige Kardinal Ratzinger aus Anlass des Jubiläumsjahres 2000 vor Katecheten und Religionslehrern sprach: vor allem das Gesetz der „Enteignung“, das heißt nicht im eigenen Namen, sondern im Namen der Kirche zu sprechen, indem er darauf hinwies, dass „Evangelisieren nicht bloß eine Form des Sprechens ist, sondern eine Lebensform“, das heißt das klare Bewusstsein, zu Christus und seinem Leib (der Kirche!) zu gehören, die das eigene Ich übersteigen. Das zweite Gesetz ist das „Gesetz des Senfkorns“, das heißt der Mut mit Geduld und Ausdauer zu evangelisieren, ohne unmittelbare Ergebnisse zu verlangen und daran denkend, dass das Gesetz der großen Zahlen nicht das Gesetz des Evangeliums ist. Dies ist eine Haltung, die wir zum Beispiel bei der Evangelisierungsarbeit erkennen können, die von Bewegungen und neuen Gemeinschaften in den am weitesten säkularisierten Gegenden der Erde unternommen wird. Das dritte „Gesetz“ ist das Gesetz des Weizenkorns, das sterben un die Logik des Kreuzes annehmen muss, um Leben zu schenken. In diesen Gesetzen liegt das tiefste Geheimnis für die wirksame Umsetzung des Evangelisierungsauftrags der Kirche zu allen Zeiten.


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