Belgisches Parlament diskutiert über Gesetz für Sterbehilfe bei Kindern

Institut Dignitatis Humanae erklärt Gesetzesentwurf für abstoßend und beklagenswert

Rom, (ZENIT.org) | 319 klicks

Belgien befinde sich auf einem „unaufhaltsamen Marsch in Richtung einer Kultur des Todes“, so die Meinung eines Instituts für Lebensecht mit Sitz in Rom. Der Grund für dieses Urteil: der Versuch seitens der belgischen Gesetzesgeber, Sterbehilfe auch für Kinder legal zu machen.

Die Diskussion im belgischen Parlament über einen Gesetzesentwurf zur Ausweitung der Sterbehilfe auch für Kinder beweise „die schleichende Verstumpfung, die unweigerlich stattfindet, wenn Sterbehilfe erst einmal legalisiert wird“, erklärte Luca Volontè, Vorsitzender des Instituts „Dignitatis Humanae“.

In einem Statement vom 4. November beschreibt Volontè den Gesetzesentwurf als Teil eines „unaufhaltsamen Marsches in Richtung einer Kultur des Todes. Je mehr Akzeptanz Sterbehilfe in der Gesellschaft findet, desto geringer werden die Begründungen, die ausreichen, um das Leben der Schwächeren zu beenden.“

Das Institut wies darauf hin, dass es sich, sollte der Entwurf Gesetz werden, um die erste Legalisierung von Sterbehilfe für Minderjährige weltweit handeln würde. Außerdem erwäge die regierende sozialistische Partei in Belgien, die den Gesetzesentwurf ausgearbeitet hat, Sterbehilfe auch für Patienten im Anfangsstadium der Demenz einzuführen.

Im vergangenen Jahr gab es in Belgien die Rekordzahl von 1.432 Fällen von Sterbehilfe, verglichen mit 235 Fällen im Jahr 2002, als die Sterbehilfe im Land erstmals legalisiert wurde. Laut Statistik beträgt die Zunahme der Fälle allein im Jahr 2012 etwa 25 Prozent. Die belgischen Ärzte rechtfertigen die Tötung von Patienten mitunter für Leiden wie Blindheit, Anorexie und Depression.

„Jetzt trifft es also Kinder – Kinder, die vor dem Gesetz nicht als verantwortungsvoll genug gelten, um Tabak oder Alkohol kaufen oder heiraten zu dürfen, jetzt aber fähig sein sollen, rational zu entscheiden, ob ihre jungen Leben lebenswert sind oder nicht“, so Volontè. „Dass eine Regierung so etwas tatsächlich erwägen und für machbar halten kann, ist abstoßend und beklagenswert zugleich.“

Euthanasiegegner könnten den Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bringen, wenn der Gesetzesentwurf rechtskräftig werden sollte. Ein Szenario, das vom Institut „Dignitatis Humanae“ als „wahrscheinlich“ betrachtet wird, da drei Viertel aller Belgier der Ansicht seien, dass Eltern ein Recht darauf hätten, über Sterbehilfe für ihre Kinder mitzuentscheiden, selbst ohne Einwilligung des Kindes.

„Einst“, erklärte Volontè weiter, „lautete der von allen Ärzten akzeptierte Grundsatz ‚Füge nie Schaden zu‘. Doch die Entwicklung in Belgien ist eine kaltblütige Missachtung dieses Ethos, mit einer steigenden Tendenz, die Schwachen eher zu töten, als für sie zu sorgen.“

Und weiter: „Wenn eine Gesellschaft erst einmal das Prinzip akzeptiert hat, dass der Tod eine mögliche Behandlungsmaßnahme ist, ist es nur noch eine Frage der Zeit, ehe alle anfänglichen Einschränkungen dieses Prinzips gemindert und schließlich beseitigt werden. Sterbehilfe für Kinder ist die letzte, tragische Entwicklung dieser kranken, nihilistischen Logik.“