Benedikt und die Welt der frühen Klöster

Eine Ausstellung in den Reiss-Engelhorn Museen in Mannheim

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Von Britta Dörre

ROM, 24. Mai 2012 (ZENIT.org). - Seit dem 13. Mai 2012 widmet sich eine umfassende Ausstellung in den Reiss-Engelhorn Museen in Mannheim dem Patron Europas, Benedikt von Nursia.

In der Ausstellung sollen dem Publikum die Anfänge der Klosterkultur, die große Bedeutung der Klöster für die Bildung und das Wissen, aber auch das Leben der Mönche anhand der rund 130 einzigartigen Exponate veranschaulicht werden.

Benedikt von Nursia, der Vater des abendländischen Mönchtums und Gründer des Klosters in Montecassino im Jahr 529, legte mit den „Regula Benedicti“ die bis heute verbindlichen Ordensregeln der Benediktiner fest. Vor allem im Südwesten Deutschlands fanden die Benediktiner weite Verbreitung, wie auch heute noch das Stift Neuburg bei Heidelberg und Maria Laach in der Eifel belegen. Die heute weltweit etwa 16.000 Nonnen und 8.000 Mönche widmen sich weiterhin der Buchbindekunst und Wissensvermittlung.  

Benedikt von Nursia wurde 480 als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Nach einer Ausbildung in Rom zog er sich in die Einsamkeit zurück und widmete sich dem Studium der heiligen Schriften. Seine asketische Lebensweise und strenge Lebensanschauung führte bald zum Zerwürfnis mit den Mönchen von Vicovaro, die ihn als Abt auserwählt hatten. Einen Vergiftungsversuch konnte er verhindern. 529 begab sich Benedikt nach Montecassino, wo er die „Regula Benedicti“ verfasste. Hier starb er 555/560.

Klöster wie Montecassino oder Subiaco waren bedeutsame kulturelle und geistige Zentren. Die Regel des heiligen Benedikt sah Gebet, körperliche und geistige Arbeit in gleicher Weise vor. In den Skriptorien wurden Texte verfasst und kopiert. Die Tätigkeit des Abschreibens umfasste religiöse Schriften, Texte antiker Philosophen oder auch Codices, die andernfalls für unsere heutige Zeit unwiderbringlich verloren gegangen wären. Dazu zählen die in der Ausstellung zu bewundernden kostbaren Handschriften und Miniaturen wie der Ramsey-Psalter, das Reichenauer Sakramentar, das Bernauer Missale oder auch das Spanheimer Evangeliar.

Karl der Große war sich der Bedeutung der Klöster bewusst und förderte die Benediktiner, wie die Übergabe der „Regula Benedicti“aus dem 11. Jahrhundert, eine Leihgabe aus dem Mutterkloster Montecassino zeigt. In den Klöstern wurde das Wissen von der Antike bis zur Gegenwart bewahrt und überliefert. Von der unendlichen Vielfalt legen die Klosterbibliotheken bis heute Zeugnis ab.

Die kleinteilige Organisation eines Klosters kann der Besucher anhand des Sankt Gallener Klosterplanes aus dem Jahr 820/835 studieren. Der aus fünf Pergamentstücken gefertigte Plan ist ein Idealplan. Das Kloster stellt sich mit Kirchen, Wirtschaftsgebäuden und Gärten nicht nur als religiöses Zentrum, sondern auch als echter Wirtschaftsbetrieb dar.

Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet das sog. Adelheid-Kreuz. Das mit Edel- und Halbedelsteinen besetzte Kreuz aus der Schatzkammer des Stifts Paul im Lavanttal stammt aus dem 11. Jahrhundert. In dem Reliquienkreuz sollen sich Splitter aus dem Kreuz Jesu befinden. Die prächtige Ausstattung der Klosterkirche war bei den Benediktinern stets ein Zeichen der Verherrlichung Gottes. Weitere Beispiele sind der Abtstab aus St. Blasien sowie der Einband des Reichenauer Sakramentars, das mit einer Elfenbeintafel, die Himmelfahrt Christi darstellend, verziert ist.

Die Ausstellung „Benedikt und die Welt der frühen Klöster“ ist eine Kooperation der Reiss-Engelhorn-Museen mit dem Benediktinerstift St. Paul in Kärnten und ist bis zum 13. Januar 2013 zu sehen.

Weitere Informationen kann hier entnehmen.