Benedikt VI. warnt Studenten vor Individualismus und Vereinsamung

Maßvolle Nutzung der Kommunikationstechnologien

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ROM, 1. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Am heutigen Vormittag empfing Benedikt XVI. im Vatikan den Rektor sowie Dozenten und Studenten der Universität Parma. Vor seinen rund 1.300 Gästen erklärte der Papst, dass die Universität frei in der Lehre und frei von wirtschaftlichen und politischen Beeinflussungen sein müsse, um ihrer Berufung treu zu bleiben. Der Heilige Vater sprach auch über die in Italien viel diskutierte Universitätsreform. Eine solche Reform müsse vor allem auf einer „Reform“ der Gewissen beruhen. Benedikt XVI. warnte die Studenten vor den Gefahren eines allzu individualistischen und „virtuellen“ Studiums, wenn dieses in einer „technologischen Isolierung“ durchgeführt werde.



Benedikt XVI. ging in seiner Ansprache von der Frage aus, auf welchen Ebenen die verschiedenen Verantwortungen eines Athenäums angesiedelt sind. Dabei entwickelte er seine Überlegungen ausgehend von dem geistlichen und kulturellen Erbe des heiligen Pier Damiani (1007-1072), der in den ersten Jahrzehnten des zweiten Jahrtausends zuerst Student und dann Lehrer des Athenäums von Parma gewesen war.

Ein grundlegender Aspekt, der den Schriften und dem persönlichen Zeugnis Pier Damianis zu entnehmen sei, besteht nach Worten Benedikts XVI. darin, dass jede echte Reform vor allem geistlicher und moralischer Natur sein müsse und beim Gewissen beginne. Strukturelle und technische Veränderungen im universitären Bereich seien nur dann wirksam, wenn sie von einer ernsthaften Gewissenserforschung aller Verantwortungsträger begleitet seien. Sollte sich das menschliche Umfeld qualitativ verbessern, sei es erforderlich, dass jeder einzelne damit anfange, „sich selbst zu reformieren und das zu korrigieren, was dem Gemeinwohl schaden oder es behindern kann“.

Jede Reform müsse die Achtung der Lehr- und Forschungsfreiheit berücksichtigen, und dazu gehöre auch die Freiheit von der Beeinflussung durch politischer und wirtschaftlicher Kräfte. Das bedeute keine Abkapselung der Universität von der Gesellschaft, und genauso wenig Egoismus oder die Verfolgung privater Interessen auf Kosten öffentlicher Gelder. Derartiges entspreche nicht der christlichen Freiheit. Wahre Freiheit sei immer verantwortliche Freiheit. „Die Berufung der Universität besteht in der wissenschaftlichen und kulturellen Bildung der Menschen zum Wohl des Fortschritts der ganzen sozialen und zivilen Gemeinschaft.“

Papst Benedikt warnte die Studenten vor einer „zweifachen Gefahr“, der die jungen Generationen aufgrund der weiten Verbreitung der Informationstechnologien ausgesetzt sind: Zum einen verwies er auf die Verminderung der Konzentrationsfähigkeit, zum anderen auf die Vereinsamung „in einer immer virtuelleren Wirklichkeit“. Wenn man nicht aufpasse, „zersplittere“ die soziale Dimension „in tausend Fragmente“, während die persönliche Dimension auf sich selbst zurückfalle und sich konstruktiven Beziehungen zu anderen Menschen verschließe.

Die Universität hingegen „lebt ihrem Wesen nach aus dem meisterlichen Gleichgewicht zwischen dem individuellen und dem gemeinschaftlichen Moment, zwischen der Forschung und der Reflexion jedes einzelnen, zwischen dem Teilen und der Auseinandersetzung, bei der man für den anderen offen ist“. Der Horizont der Universität sei, so Papst Benedikt, universal.